Heft 
(1880) 42
Seite
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376 - j)aul Lindau in Berlin. -

Andere sein soll, das alles sind Nebenfragen, die hier nicht erörtert zu werden brauchen.

Ebenso versteht es sich von selbst, daß die Verwandlungen der Seiten­wände der allmählichen Verwandlung des Hintergrundes anzupassen wären, und ebenso würde es sich empfehlen, daß die Möbel re. nicht durch sichtbare Hände beseitigt und herbeigeschasft würden; denn diese Zuträger und Weg­räumer haben, wenn sie auch noch so sehr in ein geeignetes Kostüm als Knappen oder Bauern gesteckt werden, immer etwas unwillkürlich komisch Störendes. Aber da giebt es ja tausend Mittel und Wege. Wozu sind denn die Versenkungen da, die bei Feerien immer zur Anwendung kommen? Und was man für die Herren d'Ennery und Jules Verne bereits gethan hat, das könnte man in Zukunft doch allenfalls auch Shakespeare, Goethe und Kleist angedeihen lassen.

Abgesehen von dem Vorzug, daß sich bei der Wandeldecoration das neue Bild ohne Störung und ohne Ueberrumpelung stimmungsvoll und stimmungsrichtig aus dem alten herausbildet, gewährt dieselbe den größeren Vortheil, daß der Scenenwechsel beliebig oft vorgenommen werden kann; denn da werden die Verwandlungen schließlich aus eine Frage des Maßes der Leinwand hinauslausen. Es wird sich nur darum handeln, wie viel Meter mehr oder weniger ab- oder aufzurollen sind. Dadurch aber wäre die Möglichkeit geboten, das Werk des Bearbeiters erheblich zu schmälern und dem dichterischen Werke seine Rechte in weit umfassenderer Weise, als es jetzt möglich ist, zu göuuen. Welchen Gewinn uns das bringen würde, das brauche ich hier nicht zu entwickeln; ich brauche nur darauf hinzuweisen.

Richard Wagner, dem wir so bedeutende Fortschritte in der Nutzbar­machung der modernen Wissenschaft für die Bühne zu danken haben, hat in seiner neuesten Dichtung,Parsifal", auch die Wandeldecoration schon vorgeschrieben. Und zu meiner Genugthuung begegne ich auf diesem Wege auch Franz Dingelstedt, der gerade für die Walpurgisnacht das war der Ausgangspunkt dieses abschweifenden Excurses, den ich mit der Wichtigkeit des Gegenstandes zu entschuldigen bitte die Wandeldecoration vorschreibt.Die Naturschrecknisse des Hexenberges, die Stimmen der Höhe und der Tiefe, die wüsten Erschei­nungen und Spukgestalten, die Geisterreigen, stie müssen in Verbindung mit einer infernalischen Musik und mit der durch Nacht und Nebel panoramen­artig dahin fliegen den Decoration einen so gewaltigen Eindruck machen, daß allen Zuschauern schwindlig wird", sagt Dingelstedt. Den Versuch ver­lohntes doch sicher! Denn mit der dreitheiligen Mysterienbühne hat Devrient für dieses Bild die schwindelnde Wirkung, die geboten ist, nicht erreicht.

IV. N)c> sich die Devrientbühne nicht bewährt.

Die dreitheilige Bühne hat also, wie stch hier recapituliren will, im Prolog, im Spaziergang und in der Kaiserpfalz ihre Schuldigkeit, in den Walpurgisnächten ihr Mögliches gethan. Anders aber in dem dritten