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Paul Lindau in Berlin.
in der Stimmung und in der Localsärbung zum Theil so grundverschiedenen und so deutlich bezeichneten Scenen aber, wie Devrient es will, zu einem einzigen scenischen Ganzen mit so und so vielen Schubladen zusammenzunehmen, das halte ich für des Guten zuviel. Das ist über das Gute hinausgegangeu,
und was darüber ist, das ist vom Uebel.
Sehen wir uns die Decoration an, wie sie Devrient ausbaut; wenn
mau auch nicht damit einverstanden ist, — sinnreich wird man die Construction
jedenfalls finden. Die Devrient'sche Mysterienbühne ist hier etwas freier behandelt. Das bewußte „Loch" in der Mitte fehlt. Zum Glück; denn man bekommt dies Loch oft genug zu sehen und in allen möglichen Varianten. Der Höllenrachen wandelt sich in Prunkgemächer, in die Sphinxherberge, in den Kanal, in alles Mögliche. Hier ist in der Mitte der Bühne ein Zaun, der Frau Martheus Garten, links vom Zuschauer, von der Straße trennt. Die Bühne ist wieder horizontal in drei Geschosse getheilt.
Links im Erdgeschoß, an der Coulisse steht Marthens Haus, davor ein Thorweg, der von einer hinter der Coulisse gedachten Straße in den Garten führt. Dieser Garten liegt vor dem Hause. Dann kommt also der Zaun (in der Mitte). An diesen schließt sich nach rechts zu die Straße, von der Stufen hinauf zu den oberen Geschossen führen, rechts Gretchens Haus, dessen Erdgeschoß nicht benutzt wird: da ist ein Heiligenbild angebracht, die inatsr cko1oro8a, sowie der Brunnen.
Auf dem ersten Treppenabsatz, der sogenannten „Brücke" ist rechts der Eingang zu Gretchens Hause.
Im zweiten Stock, „Zinne", links oben über Marthens Hause der Dom, von dem ein Seitenportal mit Vordach sichtbar; davor breitet sich dann nach rechts hinüber der Domplatz aus.
Für den, der den Faust nicht gesehen hat, wird diese Schilderung schwerlich die genügende Anschaulichkeit besitzen. Man braucht sich aber nur die Hauptsachen zu merken: links Marthens Haus mit Gärtchen, hoch darüber der Dom, in der Mitte nach rechts die Straße mit Freitreppe, an dieser Gretchens Haus rechts. Für den Brunnen und das Muttergottesbild sind noch zweckmäßige Plätze gesunden.
In dieser sehr complicirten Decoration können nun freilich alle jene
Scenen, von der ersten Begegnung Fausts mit Gretchen bis zur Kirchenscene, ungefähr abgespielt werden, -- alle mit Ausnahme der Scene „Wald und Höhle" („Erhabener Geist"). Diese ist denn auch, um die zeitraubende
Verwandlung zu ersparen und den ohnedies schon ungebührlich langen Theaterabend zu kürzen, einfach gestrichen. Meines Erachtens eine Unmöglichkeit. Doch darüber werde ich erst später, nachdem ich die scenisch äußerlichen
Einrichtungen abgethan haben und der geistigen Bearbeitung der Dichtung meine Aufmerksamkeit zuwenden werde, zu sprechen haben.
Für das Uebrige hat Devrient nun folgende Anordnungen getroffen: Die Begegnung und das sich daran anschließende Zwiegespräch auf der