Heft 
(1880) 42
Seite
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GoethesFaust" als Bühnenwerk.

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Vom Strahl des Gottesaugcs schweb' ich nieder,

Des Herren Stimme spricht durch meinen Mund:

Was nahst Du, Geist des Widerspruchs, Dich wieder,

Mißlaute mengend in den reinen Bund?"

Das sind doch, wenn ich von der Sache etwas verstehe, recht herzlich schlechte Verse! DasNiederschweben vom Strahl des Gottesauges", das Mengen von Mißlauten in den reinen Bund", dasWiedernahen des Widerspruchsgeistes" es hat, wie Devrient wohl selbst zugeben wird, mit der Goethe'schen Gedankentiefe und Formenschönheit recht wenig gemein. Es mischt sich, um mit Devrient zu reden,mißlautend in den reinen Bund", der zwischen dem Dichter und seinem Volke geschlossen ist.

Und da nun einmal nicht der Herr selbst, sondern Michael für den Herrn spricht, hat Alles, was der Herr spricht, umredigirt werden müssen: Kennst Du den Faust?

Den Doctor?

Gottes Knecht,

sagt Michael bei Devrient. Und:Der Herr hat Deinesgleichen nie gehaßt re.". Das wirkt doch nichts weniger als feierlich.

Es wirkt sogar komisch und erinnert an alle möglichen Theatergeschichten, besonders an die, welche zu erzählen weiß, wie in einer kleinen reisenden Gesellschaft für den fehlenden Darsteller des Attinghausen imTell" Walter Fürst einspringen mußte, der den Uebergang mit den folgenden Worten fand: Der alte Attinghausen ist nun todt!

Wie gern gedenk ich seiner letzten Worte:

Hat sich der Landmanu solcher That erworben,

Aus cig'nen Mitteln, ohne Hilf der Edlen re." bis:

Seid einig, einig, einig!"

So sprach der alte, brave Attinghausen Dann siel er in das Kissen jach zurück,

Und dann o Schmerz, o Schmerz! dann war er todt!

(Zu Rudcnz).

Ihr seid jetzt unser Lehensherr und Schirmer ... und so weiter im Text!

Viel besser ist die Devrientsche Bearbeitung dieses Prologs wirklich nicht! Einmal läßt er übrigens doch den Herrn direct interveniren. Die berühmte Wette wird nun natürlich zwischen Michael und Mephisto contrahirt. Aber Mephisto traut dem Frieden nicht recht. Er fragt zur Wolkenhöhe hinan:Es sei?"Es sei!" antwortet der Herr in dreistimmigem Gesang. Das Terzett soll auf die Dreieinigkeit symbolisch Hinweisen. Nun kann also auch Mephisto den Prolog mit den von Devrient in folgender Weise ab­geänderten Versen beschließen:

Von Zeit zu Zeit nah' ich dem Alten gern Und hüte mich, mit ihm zu brechen.

Es ist gar hübsch von einem großen Herrn,

So gnädig mit dem Teufel selbst zu sprechen.