Heft 
(1878) 16
Seite
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Johann Melchior Dinglinger, der Meister des grünen Gewölbes.

Nach einem Kupferstiche Wolffgangs ans dem Jahre 1722.

Schloß, suchte Streit mit ihm und feuerte die beiden Läuse seines Suhler Doppelgewehrs auf ihn ab, die mit zwei gol­denen Zwickeln geladen waren. Es waren solche, wie die pohl- schen Edelleute an ihren Röcken tragen. Tigel-Schultze aber lachte, fing die beiden Zwickel mit seiner Linken ans, denn er war eine Linkepoot, zeigte sie dem Markgrafen und sagte:Die trag' ich nun zum Andenken an meinen gnädigen Herrn."

Es war ersichtlich, daß Kallics, der jetzt volles Fahrwasser unterm Kiel hatte, den Zeitpunkt für gekommen hielt, sich über das Geschlecht der Tigel-Schultzen, über Raps, Goldmachen und die Undankbarkeit des Schwedter Markgrafen des weiteren ver­

breiten zu dürfen. Aber ehe es geschehen konnte, trat ein neuer Gast ein, der nun der Unterhaltung eine andere Wen­dung gab.

Der Neneintretende war der Müller Miekley, dem die Oel- und Schneidemühle am Südende des Dorfes zugehvrte. Er war unter Mittelstatur, trug einen hellgrauen Rock und hatte in seinem Gesicht jenen eigenthümlichen Ausdruck, den matt bei fast allen Landleuten findet, die innerhalb der reli­giösen Kontroverse stehen, Sektirer sind oder es werden wollen. Wo geistige Arbeit von Jugend auf ihre Züge in das Antlitz schreibt, da ist der Sektirerzng nur ein Zng unter anderen