Heft 
(1878) 16
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anderer als Mo Ki selbst. Euch beide bedauernd, wünscht er, Euch neu zu vereinen. Er hat Ki aber glauben machen, daß Du seine eigene Tochter bist. Seine Beamten haben die Weisung, die Sache nur unter der Bedingung mit Ki ab­zuschließen, daß er einwillige, Dich stets in unserem Hause zu lassen. Diesem hat er zugestimmt. Der heutige Abend ist dazu festgesetzt, daß der Bräutigam in unsere Familie eintritt, und wenn er sich in Dein Zimmer begibt, mußt Du nach meinen Rathschlägen handeln."

Ink Nu trocknete ihre Thränen, und nachdem sie Schminke aufgelegt und sich in neue Kleider gekleidet hatte, beschäftigte sie sich bis zum Abend damit, alle nöthigen Vorbereitungen zu ihrer Hochzeit zu treffen.

Mo Ki, sein Amtsbarett, mit einer goldenen Blume ge­schmückt aus dem Kopfe, und mit purpurfarbenen seidenen Kleidern angethan, bestieg ein schönes Pferd mit köstlicher Schabracke, und indem zwei Musikchöre ihm voranspielten und alle seine Kollegen ihn begleiteten, zog er die große Straße entlang.

Wer hätte nicht gesagt, es sei ein hübscher Anblick?

Am Hochzeitshause angelangt, stieg Mo Ki vom Pferde, und Hu kam heraus, ihn zu empfangen.

Die Trauungsseierlichkeit war bald zu Ende, und nach dieser begab sich der Bräutigam in das Zimmer seiner Braut. Als er gerade durch die Thüre gehen wollte, augenscheinlich sich vollkommen in befriedigter Eitelkeit spreizend und den Kopf sehr hoch haltend, stürzten sieben oder acht alte Sklavinnen, jede mit einem Rohrstock bewaffnet, auf ihn los. Mit diesen fingen sie an, ihn zu bearbeiten, und die Schläge fielen wie Hagel.

Mo Ki rief laut seine Schwiegereltern um Hilfe an. Da hörte er eine zarte Stimme aus dem inneren Gemache rufen, daß man ihn nicht mehr schlagen, sondern ihn herein bringen möge, daß man ihn sähe.

Man gehorchte augenblicklich, und die alten Frauen zogen und schoben ihn weiter bis in die Gegenwart der Braut.

Mo Ki wiederholte stets:Was für ein Verbrechen habe ich denn begangen?" als er, die Augen aufschlagend, beim Lichte der strahlenden Kerzen in der Gestalt der hoheitsvollen Braut, die vor ihm saß, sein eigenes Weib Juk Nu erkannte!

Bei diesem Anblick fiel er fast in Ohnmacht und rief: Es ist ein Gespenst!"

Alle, die zugegen waren, fingen an zu lachen, aber Hu, der in diesem Augenblicke ins Zimmer trat, sagte:

Hege keinen solchen Glauben, lieber Schwiegersohn. Diese junge Dame kommt vom Chae Ju Kiang und ist kein Gespenst."

Ki fiel hieraus zu Boden und sprach:Ich bekenne meine Schuld und bitte um Gnade."

Hu antwortete:Ich überlasse Euch beiden, das mit ein­ander abzumachen. Wenn meine Tochter Dir vergeben will, werde ich nichts mehr über die Sache sagen."

Aber Juk Nu spie ihm ins Angesicht und sagte:Du elender Betrüger! Erinnerst Du Dich nicht der Worte Sang Kungs:Die Gattin, die Du in Armuth genommen hast, sollst Du nicht im Reichthum vergessen, und die Frau, die mit Dir von grobem Reis gegessen hat, sollst Du nicht verstoßen?" Arm, mit leeren Händen tratest Du in unsere Familie und theiltest meines Vaters Reichthum, der es Dir ermöglichte, weiter zu studiren und Dein jetziges Amt zu erhalten. Mein alter Vater freute sich, daß ich diese Ehre mit Dir theilen würde. Wie kam es nur, daß Du aller Dankbarkeit vergaßest und allen Sinn für das Rechte verlorst, so wie, daß Du Deine eheliche Pflicht brachst und mich in den Fluß stießest? Der

himmlische Vater hat Erbarmen mit mir gehabt, und dieser edle Mann hat mich gerettet und zu seiner Tochter angenommen. Blos ihm verdanke ich es, kein nasses Grab gefunden zu haben. Dein Herz aber muß ohne Mitleid sein. Mit welchen Ge­fühlen kannst Du mir gegenüber stehen, nun wir uns ans so wunderbare Art Wiedersehen?"

Juk Nu weinte darauf bitterlich und hörte nicht aus, ihm seine That vorzuwerfen.

Ki war ganz übergossen von Scham und Verwirrung. Er konnte nicht ein Wort Hervorbringen, sondern sich nur vor ihr auf die Erde niederwerfen.

Hu, der dachte, daß er genug bestraft sei, hob ihn auf und sagte zu Juk Nu:Meine Tochter, sei nicht länger böse. Ki bereut jetzt seine That und würde Dir nie mehr auch nur mit Mißachtung begegnen. Und obgleich Ihr früher Mann und Frau wäret, so seid Ihr doch jetzt in meinem Hause Bräutigam und Braut, und Du hast mich stets zur Stütze. Also laß dieses unglückliche Ereigniß nun vergessen sein."

Darauf wandte er sich zu Ki und sagte:Lieber Schwiegersohn, Du mußt Dich jetzt in Geduld üben. Ich werde gehen, Deine Schwiegermutter zu holen, damit sie mir hilft, Euch zu versöhnen."

Die alte Dame kam und nach sehr viel Ueberredung und guten Rathschlägen gelang es ihr wirklich, die Sache zum Guten zu lenken.

Am nächsten Tage veranstaltete Hu ein großes Fest zu Ehren seines Schwiegersohnes. Doch nahm er die goldenen Blumen und gestickten Seidenstoffe, welche Mo Ki seiner Braut geschickte hatte, und gab sie ihm wieder, indem er sagte:Es schickt sich nicht, daß eine Frau zweimal Brautgeschenke erhält. Als Du Dich verheiratetest und in die Kim-Familie eintratest, schicktest Du die üblichen Gaben. Es ist daher nicht passend, dieses wieder zu thun. Die Beschämung, die Du über Deines Schwiegervaters Stellung im Leben empfandest, war Schuld au Deiner lieblosen Handlung. Ich habe ihm jetzt einen Posten verschafft, der ihm einigen Rang verleiht, wenn auch vielleicht nicht so großen, wie Du wünschen könntest."

Ki erröthete tief, als Hn also zu ihm sprach. Doch erhob er sich und dankte ihm nach bester Kraft.

Von dieser Zeit an lebten Ki und Juk Nn sehr glück­lich zusammen, weit mehr so, wie früher. Hu und seine

Frau behandelten sie wie ihre eigenen Kinder, und sie selber betrachteten die alten Leute mit derselben Liebe und Verehrung, als wären es ihre Eltern.

Der alte Rundkopf, Kim Laon Ta, verwaltete seinen Posten ans ehrenhafte Art bis zu seinem Tode.

Als Ki kaum fünfzig Jahre alt war, starb er, Juk Nn als Wittwe lassend. Einige Tage vor seinem Tode träumte ihm, daß ihm ein himmlischer Bote erschienen, der also sprach:

Dein Leben war nicht bestimmt, so früh zu enden. Aber weil Du einst ohne Grund und Recht Deine Frau zu tobten versuchtest, wurde der Zorn der Götter geweckt, und sie kürzten Dein Leben um zwanzig Jahre und versagten Dir drei höhere Rangstufen. Die Errettung Deiner Frau und Deine Wieder­vereinigung mit ihr geschah in Folge der Gnade der Götter, welche Dein Verbrechen noch milde bestraft haben."

Mo Ki war beim Erwachen sehr ergriffen und erzählte seiner Familie, was ihm von dem himmlischen Boten gesagt worden war.

Bald darauf ward er krank und starb.

Die Abkömmlinge von Ki und von Hn Tih Hau lebten stets wie eine Familie zusammen.

Am Aamil'ienLische.

Inschriften an Uhren.

Seit die Kultur sich des schriftlichen Ausdrucks bemächtigte, ist sic auf Stiftung von Inschriften bedacht gewesen, den Zeitgenossen zur Erinnerung und Ermahnung, den Nachlebenden zum Andenken und zur Nacheiferung.

Die ältesten Dokumente der Schriftsprache sind Ans- und Inschriften. Das Kulturleben der orientalischen Periode, eingeengt durch die

nationale Beschränkung eines hierarchischen Despotismus, gab seiner pantheistischen Religionsshmbvlik in den Inschriften auf den Riesen­bauwerken von Elephauta, Ellora, von Niniveh und Babylon, auf den ägyptischen Pyramiden und Obelisken einen lapidaren Ausdruck. Bei den Griechen entwickelte sich die schlichte Kunstlosigkeit der Aufschrift, welche anfangs, wie die Spruche der sieben Weisen in den kanellirteu Säulen des Prvnnos zu Delphi von den Wohnungen der Götter ihre