Heft 
(1878) 16
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Hiermit genug zur Orientirnng und Anregung, das sich der Kennt- niß der Gegenwart von Jahr zu Jahr mehr entziehende reiche Mate­rial an Inschriften an Haus und Geräth fleißig zn sammeln, eingedenk der fröhlich scherzenden Worte Martin Luthers, die er unterm 20. März 1536 an seinen Freund, den Prediger im Heiligengeistspital zn Nürn­berg, Wenceslaus Link schreibt:

Mein gnädiger Herr Wenzel.

Wo er auch nicht zu schwer, noch zn viel, oder zu lang, oder zu weit, oder zn hoch, oder zn tief und dergleichen rc. wäre, so bitte ich euch, ihr wollt irgend einen Knaben sammeln lassen alle deutschen Bilder, Reimen, Lieder, Sprüche, Bücher, Meistergesang', so bei euch sind gemälet, gedichtet, gemacht, gedruckt, denn ich Ursach habe, warum ich sie gern hält'." F.

Der Erfinder des Telephon.

Unsere Leser sind in Nr. 10 mit dem Telephon bekannt gemacht worden und haben an jener Stelle kurz erfahren, daß es ein deutscher Lehrer, Philipp Reis, war, welcher den merkwürdigen Apparat er­sann. Einem Schüler dieses talentvollen, leider so früh verstorbenen Mannes, Herrn Bnehl jr. in Koblenz, verdanken wir eine Photographie desselben, die in unserem Holzschnitte reproduzirt ist, während wir die nachfolgenden biographischen Notizen über den Erfinder einer kleinen Broschüre von Prof. Schenk: Philipp Reis, der Erfinder des Tele­phons (Frankfurt a. M. 1878 ) entnehmen.

Philipp Reis ward am 7. Januar 1831 zn Gelnhausen als der Sohn eines Bäckers geboren; er besuchte die Volksschule seiner Vater­stadt, wo die Lehrer seine außergewöhnliche Begabung erkannten und dem Vater riethen, den Sohn in eine höhere Lehranstalt zn schicken. So kam er in das Garniersche Institut zn Friedrichsdorf bei Homburg, dann in eine Frankfurter Privatschnle, wo sich seine naturwissenschaft­lichen Neigungen entwickelten. Der Vormund ging auf den Plan des Jünglings, Naturwissenschaften studiren zn wollen, nicht ein und brachte

-E.

SSM

Philipp Reis. Nach einer Photographie.

ihn als Lehrling in einer Farbwaarenhandlnng zu Frankfurt unter, wo Reis jede freie Minute benutzte, um sich in der Mathematik und Physik weiter ansznbilden. Ein Versuch, die Universität Heidelberg be­suchen zn können, mißlang; Reis blieb auf sich selbst angewiesen und bildete sich selbst weiter, so daß er 1858 als Lehrer in die Garniersche Anstalt eintreten konnte, in dieselbe, welcher er seine erste Bildung ver­dankte.

Dort, wo er jede freie Minute mit der größten Gewissenhaftigkeit

zur gründlichen Fortbildung benutzte, machte er seine Entdeckung. Er selbst schrieb über dieselbe:Durch meinen Physiknnterricht dazu ver­anlaßt, griff ich im Jahre 1860 eine schon früher begonnene Arbeit über die Gehörwerkzeuge wieder auf und hatte bald die Freude, meine Mühe durch den Erfolg belohnt zu sehen, indem es mir gelang, einen Apparat zu erfinden, durch welchen es möglich wird, die Funktionen der Gehörwerkzeuge klar und anschaulich zn machen, mit welchem: man aber auch Tone aller Art durch den galvanischen Strom in beliebiger Entfernung reproduziren kann. Ich nannte das Instrument Telephon. Die mir in der Folge wegen dieser Erfindung gewordene vielseitige Anerkennung, besonders auf der Naturforscher-Versammlung zu Gießen, hat dazu beigctragen, meinen Eifer für das Studium immer rege zu erhalten, um mich des gewor­denen Glückes würdig zu erweisen."

In einer Sitzung des physikalischen Vereins zu Frankfurt a. M. hielt Reis zuerst seinen Vortrag:lieber Telephonie durch den galva­nischen Strom" und im Jahresbericht jenes Vereins 1860 bis 1861 ist derselbe abgedruckt. Wenn jetzt, siebzehn Jahre später, die Ameri­kaner sich die Erfindung anmaßen wollen, so ist dies nur eine jener dreisten Annexionen, welchen deutsche Erfinder leider nur zn oft aus­gesetzt waren, und im Interesse der Wahrheit kann jener - übrigens mißglückte Versuch nicht streng genug znrückgewiesen werden. Wesentlich verbessert wurde der Apparat allerdings von Prof. Graham Bell, während dem Gencralp ostmeister Stephan das Verdienst gebührt, ihn der Praxis zuerst dienstbar gemacht zn haben.

Reis sollte die Früchte seiner Erfindung nicht genießen. Ein Lnngenleiden hatte den tüchtigen Mann ergriffen und schon im Sommer 1873 war er genöthigt, mehrere Wochen den Unterricht ausznsetzcn. Als durch diese Ruhe und die Herbstferien eine Besserung in seinem Befinden eintrat, faßte er neue Hoffnung auf Wiedergenesnng und fing mit gewohnter Energie den Unterricht im Oktober wieder an. Doch es war nur ein letztes Anfflackcrn der verlöschenden Lebensgeister. Die Lungenschwindsucht warf ihn im Dezember aufs Krankenlager, von dem ihn nach langen schweren Leiden der Tod am 11. Januar 1871 erlöste.

Eine Wcihnachtsbitte.

Hat die lieblich gezierte Weihnachtsnummer(12)desDaheim"manch köstliche Weihnachtserzählnng uns gebracht, bei deren Lesen die Herzen warm und weit und weich geworden, so sei es gestattet, gleichsam als ernsten Nachklang hierzu eine herzliche Weihnachtsbitte auszu- fprechen.

Zu derselben Zeit, wo am heiligen Abend des Christfestes hundert- tausende beglückte Familien im Glanze der Lichter des Weihnachts­baumes sich freuten, fanden zwei Männer meiner Gemeinde, beide Familienväter, Vater und ältester Sohn, auf dem Rückwege nach dem heimatlichen auf der Spitze des Rhvngebirgcs liegenden Dorfes bei furchtbarem Schneestnrm und dichtem Nebel nach heißem Kampfe im tiefen Schnee den Tod des Erfrierens. Nenn Kinder, von denen drei vor zwei Jahren in der hier schrecklich hausenden Typhnsepidemie schon die Mutter verloren haben, weinen am gemeinsamen Grabe ihrer Väter und Ernährer in bitterster Armnth.

Sollten sich unter den tausenden von christlichen Eheleuten, denen Gott der Herr Kindersegen versagt hat, nicht einige finden, die bereit wären, jene drei Doppelwaisen (zwei Mädchen von O'/l, und 3, einen Knaben von 5 Jahren, alle drei aber gesund an Leib und Seele) um des Herrn willen zn christlicher Erziehung und Verpflegung bei sich anfzunehmen und so des Heilands Segen sich znzneignen, der gespro­chen:Wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich ans?"

Zu jeder näheren Auskunft ist von Herzen gern bereit

A. Wuttig, cvang. Pfarrer.

Frankenheim bei Wüstensachsen, den 29. Dezember 1877.

Inhalt: Bor dem Sturm. (Fortsetzung.) Historischer Roman von Theodor Fontane. Persönliche Erinnerungen ans den Jahren 1818 50. Zweite Abtheilung. II. Melchior Dinglinger, der Meister des grünen Gewölbes in Dresden. Mit Porträt. Von Georg Hiltl. Ink Nu, des Bettlerkönigs Tochter. Eine chinesische Novelle. Für das Daheim übersetzt. Beim Thierarzt. Originalzeichnnng von Sonderland. Am Familientische: Inschriften an Uhren. Der Erfinder des Telephon. Mit Porträt von Phil. Reis. Eine Weih­nachtsbitte.

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Herausgeber: vr. Aokert Koenig und Theodor Kermann Aantenins in Leipzig. Für die Redaktion verantwortlich Kilo Ktastng in Leipzig.

Verlag der Ztaheim - Krpeditio» (Methage« » Ktastng) in Leipzig. Druck von A. H. Te«v«er in Leipzig.

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