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an," sagte Thäter. „Kommen Sie also bedingungslos mit uns, versprechen Sie sich aber nicht zn viel von uns. Wir sind unbedeutende Akademiker, und alles was wir thun können- ist, daß wir Sie den Professoren vorstellen und Ihnen unseren guten Rath zur Verfügung stellen."
„Ich bin Ihnen dafür sehr dankbar," rief Friedrich, und nachdem man überein gekommen war, daß die Freunde jetzt zn der Gesellschaft zurückkehren und der neue Kunstjünger die Nacht in ihrem Zimmer zubringen sollte, verabschiedeten sich die jungen Leute wie alte Bekannte.
„Ich komme mir so wichtig vor wie ein König," sagte Nietschel, während die Freunde die Treppe Hinabstiegen, „unserem ersten Schützling, der Küsterswittwe, können wir morgen früh einmal nicht blos mit vollem Herzen, sondern auch mit vollem Beutel ihr Elend erleichtern, und ein zweiter Schützling, der noch dazu über baare Kapitalien verfügt, hat sich schon wieder unter unsere Obhut gestellt! Tas ist ein stolzes Bewußtsein, findest Du nicht, Julius?"
Thäter brummte irgend etwas Unverständliches vor sich hin, dann sagte er: „Wo wirst Du denn eigentlich übernachten, wenn dieser Müller in unserem Zimmer bleibt?"
„O, ich quartiere mich beim Pastor ein, der hat mir's ohnehin schon angeboten."
„Na, nöthig hast Du es aber auch nicht gehabt, ihm Dein Nachtquartier zu überlassen, er hätte für sich selbst sorgen können."
„Er ist aber doch unser Schützling!"
„Ja, daran ist freilich nichts mehr zu ändern. Hoffentlich erleben nur unsere Freude an ihm."
Um Rietschels Mund spielte ein seines Lächeln. Er kannte die brummige Art Thäters, sich zn äußern und das vortreffliche warme Herz seines Freundes sehr gut.
„Hoffentlich," sagte er jetzt, vor der Thür des Saales stehen bleibend, „aber überzeugt bin ich freilich noch nicht-davon. Der Bursche flößt mir nicht unbedingtes Zutrauen ein, er hat so eine sonderbare Art."
„Der?" fuhr Thäter ihn an. „Ich bitte Dich, das ist so ein guter offenherziger Mensch, dessen Entschlossenheit mir sehr
gut gefällt; und —" Nietschel öffnete lachend die Thür. Erhalte seinen Zweck erreicht und dem guten Herzen seines Freundes wieder einmal zum Durchbruch verholfen.
Die anderen Sänger hatten die Honoratiorentöchterlein für den Augenblick interessanter gefunden als den Fremden, und hatten es daher Nietschel und Thäter überlassen, sich um diesen zu kümmern. Jetzt wurde jedem von ihnen einzeln, immer unter dem Siegel der Verschwiegenheit, die Unterredung mit Friedrich Müller mitgetheilt, und dazwischen ließ man sich von den Honoratioren bewirthen und tanzte mit den hübschen Mädchen von Nadeburg. Es war schon ziemlich spät in der Nacht, als die jungen Leute endlich ihr Zimmer aufsuchten. Sie fanden den neuen Kunstjünger fest eingeschlafen vor dem Tisch sitzend, das Haupt auf die Arme gelegt. Vor ihm stand eine niedergebrannte Kerze, und daneben lag ein Bleistift und ein Blatt Papier. Georg warf einen Blick darauf.
„Ein Bild!" rief er, das Profil einer Frau, seht nur!"
Die anderen drängten sich dazu.
„Laß sehen, laß sehen," riefen sie. „Seid nicht so indis- cret, was geht Euch dieses Bild an?" rief Thäter dazwischen.
„Man muß doch sehen, ob er Talent hat," sagte Georg, das Bild gegen das Licht haltend; „na, ein Raphael ist er noch nicht," fügte er dann leise die Nase rümpfend hinzu.
„Still, er wacht auf," rief Thäter, das Bild an sich nehmend und es geschickt in Friedrich Müllers Rocktasche schiebend. Dieser blickte jetzt schlaftrunken und verwirrt um sich.
„Das sind Ihre neuen Kameraden," sagte Thäter, auf die anderen weisend, „gute Burschen im ganzen, nur manchmal etwas übermüthig."
„Glauben Sie ihm nicht, er verleumdet sich selbst und seine besten Freunde aus reiner Passion," rief Georg, Friedrich die Hand reichend. „Seien Sie willkommen in unserem Kreise."
Eine Stunde später war es so ruhig in dem Zimmer wie im ganzen Städtchen Nadeburg, und Friedrich, der das Bild in seiner Rocktasche gefunden hatte, schlief eben so fest wie seine neuen Freunde.
(Fortsetzung folgt.)
Es ist jetzt 14 Jahre her, seit der Roman: tische Königstochter" erschien und sich im Sturm das deutsche Publikum eroberte. Historische Romane, auch solche, die im Alterthum spielten, waren freilich nichts neues mehr, und Dichter und Gelehrte hatten schon damals vielfach ihre Stoffe dem Alterthum entnommen oder aber die alte Kulturwelt im Gewände der Dichtung auch weiteren Kreisen zugänglich zn machen gesucht. Immer jedoch waren die Verfasser das eine oder das andere, entweder Dichter oder Gelehrte gewesen. Hier aber hatten sich hohe dichterische Begabung und gründliche Gelehrsamkeit die Hand zum schöneu Bunde gereicht und dieser Umstand bewirkte den überraschenden Erfolg. Man übersah es gern, daß beide, Dichter und Gelehrter, noch nicht ganz zu einer Person verwachsen waren und letzterer ersterem noch mitunter in den erhobenen Arm siel, fühlte man doch, daß trotz aller gelehrten Anmerkungen das Schwergewicht ans dem Gebiete des Reinmenschlichcn lag. „Eine ägyptische Königstochter" war mit einem Schlage ein Lieblingsbuch der deutschen Nation geworden und gehörte bald — in alle europäischen Kultursprachen übersetzt — der Weltliteratur an."
Wer war der gelehrte Dichter, dein gleich beim Beginn seiner Laufbahn so reiche Anerkennung zu Theil wurde?
Georg Ebers stammt aus einer seit langer Zeit in Berlin ansäßigen Familie. Seine Eltern, die in wohlhabenden Verhältnissen lebten, hielten ein offenes Haus, in dem alle, die in dem Berlin der dreißiger Jahre sich auf dem Gebiete der Wissenschaft und Kunst auszeichneten, aus und ein gingen. Hegel war ein regelmäßiger Gast, die Gebrüder Grimm, Schadow, Holtei und viele andere besuchten gern das Haus, in dem ihnen eine ebenso liebenswürdige als schöne Hausfrau die Honneurs machte.
Nachdruck verboten.
Gej. v. II. VI. 7».
Als Georg Ebers am 1. März 1837 geboren wurde, erfüllte freilich Traurigkeit die sonst so heiteren Räume. Der Hausherr — er war Bankier und Fabrikbesitzer — war vierzehn Tage vorher gestorben.
Aber das Schicksal, das dem Kinde den Vater nahm, noch ehe es selbst das Licht der Welt erblickte, hatte ihm eine Mutter gegeben, die im Stande war, denselben, wenigstens soweit die Erziehung der Kinder in Frage kam, zn ersetzen und den Heranwachsenden eine ebenso energische als liebevolle und anregende Pflegerin zu sein.
Im elften Lebensjahr kam Ebers in die Erziehungsanstalt Keilhau bei Rudolstadt. In dieser noch jetzt bestehenden und nach tvie vor von Direktor Dr. Barnp geleiteten Anstalt wurde das Schwergewicht daraus gelegt, den Knaben neben einer umfassenden Schulbildung auch eine tüchtige körperliche Ausbildung zu geben und ihnen so viel Freiheit zu lassen, daß sich in dem Widerspiel der Kräfte schon früh Charaktere ausbilden können. Ebers hängt noch jetzt mit großer Liebe an der Anstalt und ich stelle mir gern vor, daß die liebliche Umgebung derselben den Grund zu jener seinen Natnrbeobachtung gelegt hat, die uns aus den herrlichen Landschaftsschilderungen der Ebcrsschen Romane in so lebhafter Weise entgegentritt.
Auf Keilhau folgte eine heitere Gymnasialzeit in Kottbus, dann ging es nach Güttingen, wo Ebers als Jurist immatri- kulirt wurde. Aber das Rechtsstudium übte keine rechte Anziehungskraft auf ihn aus und er wandte sich mit Vorliebe archäologischen und kunsthistorischen Studien zu, die er — ohne die Freuden des deutschen Studeutenlebens irgend zu vernachlässigen, eifrig trieb. Da traf ihn einer jener glücklichen Nn- glücksfälle, wie sie im Leben bedeutender Menschen nicht selten wegeweisend und bahnbrechend eingetreten sind. Eine furcht-
Der Dichter des Lomo 8uw.
Eine ägyp-