Heft 
(1878) 24
Seite
389
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Georg Ebers. Nach dem ^eben gezeichnet von I. Kleinmichel.

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bare Erkältung warf ihn in: Jahre 1858 an beiden Beinen gelähmt ans das Krankenlager und hielt ihn mehrere Jahre darin fest. In dieser Zeit entschied sich seine Zukunft. Er­halte schon in Güttingen bei Unger sehr fleißig Geschichte der byzantinischen Knust gehört, und bei dieser Gelegenheit zuerst eine flüchtige Bekanntschaft mit der ägyptischen Kunst sowie mit den Hieroglyphen und ihrer Entzifferung gemacht. Jetzt min, auf dem Krankenlager, fielen ihn die Hieroglyphen wieder ein und der befreundete Geograph Karl Andree that das seinige, um den Entschluß, sich ganz dem Studium derselben zu widmen, zur Reife zu bringen. Ebers warf sich nun mit der ganzen, man ist versucht zu sagen, übermenschlichen Arbeitskraft, die ihm eigen ist, auf die neue Wissenschaft. Jakob Grimm, ein alter Freund des Ebersschen Hauses, vermittelte die Bekannt­schaft mit dem berühmten Lepsius, und dieser große Gelehrte, der wohl ahnen mochte, daß er keinen gewöhnlichen Schüler

vor sich hatte, besuchte nun den noch immer kranken Jüngling und gab ihm alle Anleitung. Als Ebers sich dann wieder frei bewegen konnte, hörte er Lepsius, Brngsch, Rüdiger, Boeckh, Gerhard, H. Barth n. a. m., absolvirte 18 62 das Studium und ging dann ans Reisen, um die ägyptischen Museen zu studiren.

Während Ebers so mit eiserner Energie seinen Studien nachging, konnte seine dichterische Gestaltungskraft nicht müßig bleiben. Das ist ja das eigenthümliche der dichterischen Be­gabung, das sie alles, was der Person des Dichters nahe tritt, was seinen Geist beschäftigt, was sein Gedächtniß anfnimmt, woran sein Herz hängt, in ihrer Weise zu verar­beiten sucht, d. h. das Abstrakte konkret macht, das Allgemeine individnalisirt, den Begriff in die lebendige Gestalt umsetzt. Auf den mit schwachem Willen Begabten wirkt diese Gabe darum oft verwirrend und deshalb verhängnißvoll, während sie den Energischen zwingt, sich der Gestalten, die seine Phantasie er-