Heft 
(1878) 25
Seite
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den Lebenden, am 16. November 1797 bereits hatte er das Zeitliche gesegnet. Friederike Luise von Hessen-Darmstadt, seine zweite Gemahlin, die er nach der Scheidung von der Braunschweigischen Prinzessin im Jahre 1769 geehelicht, die Mutter von sechs Kindern (auf dem Bilde fehlt die 1837 ge­storbene Königin der Niederlande Wilhelmine), überlebte ihn um acht volle Jahre. Auch diese zweite Ehe Friedrich Wil­helms II war bekanntlich keine glückliche gewesen, ebenso wenig wie die seines großen Vorgängers, dessen Büste ans dem Spiegeltisch zur Linken steht und dem Beschauerunwillkürlich den Fernblick auf den welthistorischen Hintergrund seines Herr­scherhauses eröffnet".

Um so Heller hob sich das Eheglück des jungen kronprinz- lichen Paares von der Vergangenheit ab. Als Braut war der Kronprinzessin bei ihrem feierlichen Einzuge in die Residenz einst zugerufen worden:

Vergiß, was du verlorst; cs soll ein schön'res Leben Dir dieser Festtag prophezeih'n;

Heil dir! Der künftigen Welt wirst dn Monarchen geben, Beglückter Enkel Mutter sein!

Und jetzt k.onnte die junge Mutter leuchtenden Auges ihrem Schwiegervater zwei künftige Monarchen zeigen: den im Flügelkleide" die Aermchen zu ihm ausstreckenden späteren König Friedrich Wil­helm IV und den jüngstgeborenen Wil­helm, unseren gelieb­ten Kaiser.

Es ist dies junge Eheglück des Kron- prinzenpaares unzäh­lige Mal in Versen und in Prosa beschrie­ben und gefeiert wor­den. Weniger bekannt dürfte sein, daß auch über diesen heiteren Himmel vorübergehend drohende Wolken ge­zogen sind. Die treue Freundin des Preußi­schen Hofes, die neun- undsechszig Jahre als Oberhofmeisterin an demselben verlebt,

Gräfin Boss, deutet in ihren Erinnerungen ans dem Winter 1794 darauf hin, wenn sie schreibt:

Der Kronprinz war ein wahrer Freund seiner Gemahlin, und das von An­fang an; er selbst so streng und untadelhaft in jeder seiner Handlungen, von einer ernsten religiösen Denkungsweise, war ihrer jungen Seele eine feste Stütze, während er ihr nie anders, als mit der innigsten Verehrung und Liebe begegnete. Dem Kronprinzen allein gebührt das Verdienst, sie in dem Allgen­blicke der Gefahr, wo fremde Einflüsse sich zwischen ihn und sie einzndrängen drohten, durch seine Treue, seine Wahr­haftigkeit und seine Festigkeit vor denselben bewahrt zu haben."

Den 1. April," fährt die Gräfin fort,gingen die Herr­schaften für einige Monate nach Potsdam, und das machte den Bestrebungen verderblicher Menschen mit einem Mal ein Ende. Die Prinzessin folgte mit liebender Zuversicht ganz der Lei­

Friedrich Wilhelm III und Luise

Links Prinz Wilhelm, später Kaiser Wilhelm, Nach einer Darstellung

tung ihres Gemahls; er führte sie in sich selbst zurück, und ihre im wahren Sinne des Wortes erhabene Seele fand sich wieder in dem ungetrübten Einklang mit sich selbst und ihrem eignen reinen Wollen und Streben. Jedes störende Element war ver­schwunden, und nun begann für sie an der Hand des besten Gatten ein zufriedenes glückliches Leben der Häuslichkeit und Liebe, wie man es sich nicht schöner denken kann."

Die Besteigung des Königsthrones konnte an diesem Glücke ebenso wenig ändern, wie an ihrem genügsamen und einfachen Wesen. Darum zogen die hohen Eheleute auch das prunklose Palais, in dem sie die ersten schönen Jahre ihres Ehelebens zugebracht hatten, dem prachtvollen Königsschlosse vor. Im Hinblick darauf erschien kurz nach ihrer Thronbestei­gung ein von Henne in Kupfer gestochenes Bild der könig­lichen Familie, das zweite der von uns wiedergegebenen. Dar­unter stand:

Friedrich Wilhelm und Luise, sie wohnen alle beide ja so gern noch jetzt wie-vormals unter Eines Hauses Obdach re."

Auf dem steifen Sopha, wie es die damalige Zeit liebte, sitzt der junge König an der Seite seiner Gemahlin, beide in den Anblick ihrer Kinder freudig verloren: der Kronprinz steht ganz keck und stolz neben dem Vater, die Hand an den hölzernen Degen gelegt, während die Mutter den Prinzen Wilhelm auf

dem Arme hält. Einfach in leichten Mousselin gekleidet, wie auf unserm Bilde, fast ohne jeden Schmuck, erschien die Königin mit seltenen Aus­nahmen bei besonders festlichen Gelegenhei­ten wo immer sie sich zeigte, und brachte dadurch eine völlige Reform in den Mo­den der Berliner Damenwelt hervor. Ja, man darf überhaupt wohl sagen, daß ein sittlich veredelnder Ein­fluß von ihr und ih­rem Hause auf die Berliner Gesellschaft ausging, der zu der Erhebung des Jahres 1813 nicht unwesent­lich beigetragen hat, und gewiß verdiente sie den Lorbeerzweig, den der trauernde Ge­mahl auf ihren Sarg im Grabgewölbe zu Charlottenburg niederlegte, als er aus der Völkerschlacht zu Leipzig sieg­reich zurückkehrte. Bis in unsere Tage aber hat der Segen dieser hohen Frau fortgewirkt: die Einheit Deutsch­

lands, die Friedrich Wilhelm IV einErbtheil seiner Mutter" nannte, ist durch ihren Zweitgeborenen verwirklicht worden, und in voller Frische geht derselbe seinem einund­achtzigsten Geburtstag entgegen und feiert ihn so Gott will wenn diese Blätter in die Hände unserer Leser kommen, inmitten des mächtig angewachsenen Familienkreises, und nicht nur sein eigenes Preußenvolk, nein, das ganze Deutschland feiert den seltenen Ehrentag mit ihm. Gott lasse ihn und uns denselben noch oft erleben! R. K.

mit ihren beiden ältesten Söhnen.

rechts der spätere König Friedrich Wilhelm IV. aus dem Jahre 1798.

Per Kid vor Gericht.

Nachdruck verboten. Ges. v. 11./IV. 7 ».

Von H. Gngellke.

Unter den Förmlichkeiten und Feierlichkeiten bei gericht­lichen Akten interessirt in einem weit höheren Grade als die durch das preußische Abgeordnetenhaus befürwortete Einführung

einer allgemeinen richterlichen Amtstracht diejenige äußere Form, welche, durch die Heiligkeit der Handlung bedingt, bei der Ab­leistung gerichtlicher Eide zu beobachten ist.