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Zieber Land und Meer.
die sich mit diesem Phänomen beschäftigt. Se- gantini hatte einfach in der alten nnd modernen Malerei den absoluten Mangel einer Atmo
sphäre beobachtet nnd sofort begriffen, daß der Effekt des strahlenden dichtes nur dann zu erreichen sei, wenn man die Farben zerteilen nnd auf solche Weise Luft darstellen könne. Ohne eine Ahnung von dem, was sich zur selben Zeit in Frankreich zntrng, wurde der junge Alaun zu der gleichen Erkenntnis gedrängt, der ein Monet, Rasfaelli und andre bereits sehr nahe standen. Er fühlte nnd verstand wohl, daß man beim Mischen der Farben ans der Palette weder Licht noch Wahrheit finden werde. Er machte sich nun, wie er selbst erzählt, daran, die Farben in unendlich kleinen Teilen vollkommen rein nebeneinander zu setzen, nnd überließ es der Netzhaut des Auges, für deu Beschauer die Mischung zu vollziehen. Er erhielt dadurch eine Art spontaner Bewegung, ein intensives Vibrieren der Materie des Farbstoffes, mehr Licht, mehr Wahrheit, mehr Luft, lind der Künstler fügt mit einer
Erkenntnis. ' Bei mir entwickelte sich das ganz natürlich, durch ein ehrliches, liebevolles und gewissenhaftes Studium der Natur, nnd zwar derart, daß mir diese Art der Farbengebung ein ganz persönliches, individuelles, spontanes Bedürfnis wurde."
Tie Bilder des Künstlers, der zum ersten
wurde in die Lage versetzt, sich fein Leben nach seinen! Wohlgefallen zu gestalten. Er wählte den unausgesetzten, unmittelbaren Verkehr mit der
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letzt mit Soglio (in Oberitalien, im Distrikt von Asti) vertauschte. Seinen ersten großen Erfolg erzielte Segantini auf der Ausstellung in Amsterdam, 1883, wo er die große goldene Medaille erhielt. Die Periode von Savognino brachte dem Künstler einen noch größeren Ruf im Anslande; in London wurde er 1888 und in Paris 1889 mit den höchsten Auszeichnungen bedacht. In dieser Zeit entwickelte sich Segantini zum Maler der Alpen pur exeelleneo. Die Einsamkeit, die
den Uebergang von dem Maler der Natur zum Maler der Ideen sich vollziehen. Aus der' letzten Schassenszeit des Künstlers stammt die Darstellung, die wir bringen: „Die Liebe am Lebensqnell", auch als „Jungbrunnen" bezeichnet, nach einem Oel- gemälde, das sich in der Nationalgalerie zu Florenz befindet. Es handelt sich dabei nicht um den
hat, um einen Quell, der den Alten und Kranken neue Kraft und Jugend giebt. Wir stehen vielmehr einem Hymnus auf Jugend und Liebe gegenüber. Er und sie, in lichte weiße Linnengewänder gekleidet, die die Kraft nnd Schönheit ihrer jungen
ein von schimmernden Bergen umgebenes Gelände blühender Alpenrosen einem sprudelnden Ouell, wo sie ein Engel mit weißen Flügeln in strahlender Pracht erwartet. Sie scheinen ewig jung, ewig
Die Liebe am Lebensquell (Jugendbrunnen). Nach dem Gemälde von Giovanni Segantini in der Nationalgalerie zu Florenz.
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1898 (Bd. 79).