Heft 
(1898) 25
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Ueöer «Land und Weer.

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als Festhut ein hoher, breit aus­geschweifter schwarzer Cylinderhut mit schwarzen Schnüren und Gold­quasten und schließlich der jetzige Alltagshut auf. Unter dem Cylinder- hute und dem Hute mit Quaste trugen die Männer die Zipfel­mütze.

Selbstverständlich waren bis Ende der fünfziger Jahre die schwarzen Lederhosen gebräuchlich, mit grünen Hosenträgern über die Weste, ledernem Bauchgurt, reich mit Blei- oder Messingstiftchen ver­ziert oder mit Kielfedern ausgenäht,

niederen, tief ausgeschnittenen Schuhen, die in alter Zeit an der Spitze noch mit einem bunt ver­zierten Lederlappen versehen waren, an dessen Stelle später bei den Männern eine violette und hierauf eine fchwarze Masche und bei den Frauen die silberne Schnalle trat, die noch heute hie uud da zu fiuden ist.

Der Mann trng in alten Zeiten die hochrote oder hellgrüne Loden­oder Tuchjoppe mit engen Aermeln und verschiedenen Schößenausschnitten, dann den langen Festrock in ver­schiedenen Farben, der bis fast an die Fersen reichte, rote oder bunt­gefärbte, mit Goldborten versehene Westen, später den kurzen Janker mit Schößen, die Weste von ge­blümtem Seidensammet, ein rot­seidenes, geblümtes Halstuch mit Ring und hohe Rohrstiefel.

Die Frauen trugen zu dem erwähnten auffallenden Knödelhut einen schwarzen Kittel mit zahl­reichen Falten, einen breiten Schurz, ein buntes, rund herum tief aus­geschnittenes, vorn ganz offenes und mit bunten Schnüren oder Gold­borten verschnürtes Mieder, das unter dieser Verschnürung einen herzförmigen, farbigen Brnstfleck mit Goldstickereien sehen ließ; um den Hals eine große, faltige, weiße Leinwandkrause, dann eine enge, längere, vorn ganz offene, schwarze oder dunkelblaue Tuch­joppe; als Schmuck trugen sie nebst langen goldenen Ohrringen und mehreren Fingerringen eine elfreihige Halsschnur kleiuer, dunkler Korallen, und schließlich kam bei festlichen Ge­legenheiten noch als ausfallendste Zierde ein schwar­zer, mit einer Menge kleiner Metallblättchen behangener Sammetgurt mit eiuem breiten, gegliederten, schief an die rechte Seite herab­hängenden Me- lallgurt hinzu, an dem ein meist versilbertes Be­steck, zahlreiche Seidenbänder und symbolische Anhängsel be­festigt waren.

essant waren die alten Hochzeits­züge; voran die Musikanten mit Schwegelpfeife,

Klarinette, Fidel,

Baßgeige und Hörnern, dann die Kranzl- jungser und ihr Begleiter, hier­auf die Braut mit Führer, der Bräutigam mit dem feinigen und schließlich alle Eingeladenen, sämtlich in der

bunten, reichen Festtracht, die Mädchen mit dem Kranze auf dem Kopse. In ganz alten Zeiten trug auch der Bräutigam einen Kranz aus Immergrün auf dem Kopfe oder Hut. Waren die Brautleute aus wohlhabenden

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Familien, so erschienen sie wohl auch beritten. Im Winter fanden diese Hochzeitszüge stets auf Renn­schlitten statt, die Pferde mit Bän­dern und Sträußen ansgeputzt uud mit Schellen behängen. Natürlich wurde auch fleißig aus Pistolen geschossen. Nach der Messe begaben sich die Kranzljungfer und ihr Be­gleiter von der Kirche aus in die Sakristei, und die Kranzljungfer ver­teilte aus ihrem Körbchen Sträuße an die Ministranten und band den Geistlichen, die als Ehrengäste stets an dem Hochzeitsmahle teilnahmen, einen Kranz um den Arm. Schon beim Verlassen der Kirche nach der Kopulation spielten die am Portal harrenden Musikanten den ersten Tanz und begleiteten den Hochzeits­zug zum Wirtshause, wo die Wirts­leute am Hausthor harrten und den Teilnehmern Glühwein spendeten. Man begab sich dann zu Tische, wo ein mehr reichliches als feines Mahl, insbesondere mit vielerlei gebackenen Mehlspeisen, aufgetragen wurde. Beim Aufträgen des Geselchten mit Sauerkraut wurde der erste Tauz gemacht, den man Krauttanz hieß; die Braut mußte mit jedem Gaste wenigstens einmal tanzen. Während des Mahles wurde der Braut, ge­wöhnlich von Masken, auf einer Torte eine Wiege in Miniatur überreicht. Erst am Abend wurden die Eltern der Braut von ihrem Hause zum Mahle abgeholt, und zu einer bestimmten Stunde zogen die Brautleute mit den Eltern, unter den Klängen einer bestimmten alten Weise, ab und begaben sich nach Hause, wo der Braut die Haus­schlüssel eutgegeugebracht wurden, zum Zeichen, daß nun sie als Hausfrau zu schalten und zu walten habe.

Indessen wurde im Wirtshause flott weiter getanzt. Den Tag nach der Hochzeit wurden die Gäste der Neuvermählten mit Spiegeleiern be­wirtet.

Nun kam das Aushändigen der Mitgift der Braut von seiten ihres Vaters, was meistens in Gegenwart von Zeugen geschah, und schließlich das Uebersühren der Braut­ausstattung, wobei es wieder hoch herging. Den ersten

Sonntag nach der Hochzeit mußten die Neu­vermählten nach dem Nachmit­tagsgottesdienst im festlichen Staate vorn Kirchplatze ans mit ihren Hoch-

Wirtshaus ziehen zu eiuem Glase Wein, und erst hiermit en­deten die Feier­lichkeiten.

So Franz Moroder in sei-

lichen Buche, das zum Studium der Sitten und Gebräuche in Gröden aufs wärmste empfoh­len werden kann. Leider sind viele der früheren Sit­ten verschwunden und die alten, farbenprächtigen Kostüme znm großen Teil von bedeutend ein­facheren und zum Teil unschönen Gewändern ver­drängt worden. Dennoch hängt der Grödner sehr