Heft 
(1889) 07
Seite
123
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7. Deutschland. Säte

wollte sagen: bei dem Atelier Ihres Herrn Gemahls . . . vor über. . . Seine Stiefel wahre Meisterstücke! O bitte, es

ist kein Kompliment! Ich meine es aufrichtig! Von einer Kraft der Charakteristik! Bon einer Originalität der Auffassung! Cr muß wirklich tiefe Blicke in das Innere der Stiefel ge- than haben! Meine Damen, ich kann Ihnen den Besuch dieses Ateliers auf das wärmste empfehlen! Und diese Feinheit in den Details! In der Individualisierung der Hühneraugen kommt ihm keiner gleich! «In Arthur,: Eine solche Bemerkung « wird Frau Berger wohl als eine besonders zarte Aufmerksam- > keit empfinden? Meinst Du nicht auch? !

Arthur «schweigt). )

Elise «fortsahrend, wie oben«: Und was machen die lieben ! Kinderchen? . . . Ich höre, Sie wollen Ihr jüngstes bereits ! an den Gebrauch von Taschentüchern gewöhnen... O, thnn ! Sie das nicht! Die Kinder müssen heutzutage ohnehin so viel ^ lernen! Und die Kleine ist ja erst zehn Jahre alt! Da hat ^ sie doch Zeit genug, Taschentücher zu gebrauchen! Ich weiß ^ nicht, ob ich nicht meine kleine Mary ganz damit verschonen ! werde . . . Mein Mann meint wenigstens, das sei auch so ! ein Bornrteil, von dem man sich emaneipieren müsse. ... '

Arthur «unwillig): Ich hatte Dich nicht für so hochmütig gehalten ... Du wirst sogar unästhetisch!

Elise: Tn, die soziale Revolution muß doch noch für ein paar Wochen verschoben werden! «Hell auflachend.> Frau Berger hat soeben mit den Fingern ins Salzfaß gegriffen!

Arthur: Eine soziale Revolution wäre es in der That gewesen! Diese Dichter-Denker haben in der That das Be­dürfnis nach geistiger Befreiung geweckt. Und man ist sich darüber klar geworden, daß wir die geistige Freiheit nicht er­langen können, so lange uns die Gleichheit unerwünscht und die Brüderlichkeit ein Greuel ist. Man ist ernster geworden, sogar in der guten Gesellschaft. Uber kurz oder lang wird auch diese Frage gestellt werden . . . morgen, übermorgen. . . Eine andere Dame, kühner, weitblickender als Du, wird sich ihrer bemächtigen, irgend ein volltönendes Schlagwort dafür prägen: Amalgamierung der Gesellschaftsklassen, Zusammenschluß aller moralischen Elemente . . . irgend etwas derartiges . . . und diese Dame wird sich eine führende Stellung in der Ge­sellschaft erobern!

Elise «nähert sich ihm, forschend): Du meinst wirklich?

Arthur: Ja, ja! Ich habe mich darum auch zu dem Einfall beglückwünscht! Ich rechnete sicher darauf, daß Du ans meine Anregung Angehen würdest! Und ich stellte es mir so schön vor: Man wird eines Tages, sagte ich mir, unter den Reformatoren der Gesellschaft neben Ibsen, Tolstoi, Zola auch Elise Hartmann nennen . . . Aber natürlich, das Salzfaß . . .

Elise: O, ein Prinzip darf ins Salzfaß greifen! «Resolut»: Wir empfangen Frau Berger! «Johann kommt.)

Johann: Gnädige Frau, die Frau unseres Schusters ist da . . .

Elise: So! «Johauu anblickend, der mir mühsam das Lachen verbeißt): Was haben Sie denn?

Johann: Die gute Frau ist so komisch hcrausgeputzt . . . Sie hat ein altmodisches Seidenkleid an. . . Ringe an allen Fingern «lacht), und diese Frisur . . . und ans dem Kopf eine ungeheure Schleife . . . so . . . wie eine Windmühle «lacht).

Elise «lacht unwillkürlich mit).

Johann: Und dabei behauptet sie steif und fest, gnädige Frau hätten sie Ungeladen ... Die würde sich gut ansneh­men neben den Herrschaften...

Elise «Arthur anblickend): Nun? «Zu Johann): Sagen Sie der guten Frau, ich sei nicht zu Hanse. . .

Johann: Sehr wohl. «Ab.,

Arthur: Und die soziale Revolution?

Elise «erregt): Alles recht schön . . . Freiheit . . . Men­schenwürde . . . Aber inan kann sich doch nicht vor seinen Domestiken lächerlich machen!

Die Puluersrsge.

Bon

Haupimauu Lirncna.

^Hene Mischung ans Salpeter, Schwefel und Kohle, die man 04 Pulver nennt, zeigt als charakteristisches Merkmal, daß bei ihrer Entzündung die in den hochgespannten Gasen ent­stehende treibende Kraft zu plötzlicher, einmaliger Wirkung kommt. Mischungen ähnlicher Art, wie sie zur Herstellung von Fenerwerkskörpern dienen, waren schon im Altertum bekannt, und die Nachrichten von Fällen, in denen durch Explosionen jener Mischungen unerwartet große Wirkungen entstanden, gaben wohl Veranlassung zu dem irrigen Glauben, daß den Alten das Schießpulver bekannt gewesen sei. Wenn auch nachge­wiesen ist, daß die Chinesen zuerst den Salpeter zu Feuerwerk verwendeten und die bei seiner Verbrennung mit Schwefel und Kohle entstehende bekriegende Kraft erkannten, so ist für Deutsch­land doch bekanntlich erst die Erfindung des Freiburger Mön­ches Berthold Schwarz zu Anfang des 14. Jahrhunderts (1.MO) von maßgebendem Einflüsse geworden. Unbestimmter ist der Zeitpunkt, an welchem es znm erstenmal zu Kriegszweckelt Ver­wendung fand.

Bald genügte das Pulver in seiner ursprünglichen Be­schaffenheit nicht mehr den an dasselbe gestellten Anforderungen; auch hier glaubte der Mensch immer Vollkommeneres erreichen zu sollen; die Frage null, ob und inwieweit es gelang, ein besseres, geschoßtreibendes Mittel herznstellen, und in welcher Beziehung diese Verbesserungen noch anznstreben sind, werden wir in der nachfolgenden Betrachtung zunächst zu erörtern versuchen, um dann die jüngste epochemachende Erfindung auf diesem Gebiet, das sogenannte rauchlose Pulver, einer näheren Betrachtung zu unterziehen.

Verwandelt sich ein Körper in Gas, so muß das Gewicht der Gasmenge ebenso groß sein, wie das Gewicht des Körpers, ans dem sich die Gase entwickelten. Im erstell Moment wer­den sie auch denselben Raum einnehmen, wie der Körper; dann müssen sie auch dasselbe spezifische Gewicht haben. Bekannt ist aber, daß alle Gase ein viel geringeres spezifisches Gewicht als alle sonst bekannten Körper haben. Hieraus folgt, daß sie ihrer Natur nach sich nicht mit dein Raum eines solchen be­gnügen können, sondern sich ausdehnen müssen, soweit es die Natnrverhültnisse gestatten. Dieses Bestreben dokumentiert sich alsSpannung der Gase." Fragt man sich, wie weit dieses Bestreben reicht, so ergiebt sich, daß, unserer Kenntnis nach, die Gase sich bis ins Unendliche ausdehnen würden, wenn kein entgegengesetzter Zwang vorhanden ist. So ist anznnehmen, daß auch die Pnlvergase, wie alle anderen, sich so lange ans­dehnen, bis sie ebenso dicht sind, wie es die Luft ist.

Nach dieser nur scheinbar abweichenden kurzen Betrach­tung bleibt zunächst festznstellen, welche Anforderungen an einen Körper, der für Kriegszwecke Verwendung finden soll, zu stellen sind, und inwiefern das Pulver denselben entspricht. Zu­nächst muß ein Körper, der als Pulver wirken und sich in Gase verwandeln soll, hinlängliche Kraft, d. h. möglichst großes Ansdehnnngsbestreben der Gase haben. Dazu gehört, daß der betreffende Körper vorher möglichst dicht und schwer ist, und daß weiter die entstehenden Gase möglichst leicht sind: natürlich wird sich die Beschaffenheit der Gase nach der Natur des Körpers richten. Durch Wärme können aber alle Körper spezifisch leichter werden und müssen sich dann ansdehncn. Entwickelt sich nun bei der Zersetzung eines Körpers eine große Menge Wärme, so entsteht eine um so plötzlichere und größere Ausdehnung «die Temperaturerhöhung von je 100 Grad ver­anlaßt ungefähr die Vergrößerung des ursprünglichen Volumens um ein Drittel.) Kann diese Ausdehnung wegen irgend eines Hindernisses nicht eintreten, so entsteht Spannung. Ein zwei­tes Erfordernis ist die Gleichmäßigkeit der Wirkung, d. h. die Spannung und die Geschwindigkeit, welche das Oieschoß durch dieselbe erhält, soll unter gleichen Bedingungen gleich bleiben.