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Elise: Und da kündigte sie sich an, vielleicht gar, während sie Dir in Vertretung ihres Mannes das Maß nahm?
Arthur «ruhig): In . . . Wir kamen dabei ins Gespräch, und sic sagte, sie habe schon oft gehört, Tn seist eine so liebenswürdige Dame, sie hege schon lange den Wunsch, Dich kennen zu lernen ... Da meinte ich, nichts sei leichter als das, heute sei ohnehin Dein Jour, sie solle nur kommen!
Elise «starr»: Wie? . . . Du selbst . . .!
Arthur «nickt): Ja . . . «Ans und ab gehend): Ansrichtig
gesagt, es entfuhr mir nur so, und es hat mich nachträglich ein wenig gereut . . . Aber nun bin ich recht froh . . . Nach dem, was Du mir soeben gesagt hast, glaube ich Dir so recht ans der Seele gesprochen zu haben! «Lick» ihr nähernd): Aber es scheint nicht . . .!
Elise: Nicht wahr, Du hast doch nur gescherzt?
Arthur: Ganz und gar nicht!
Elise: Also Wirklich! «Mit ans einen Ltnhl, hysterisch
schluchzend): Ja, willst Du mich denn unmöglich machen?
Arthur: Kind, sie ist doch eine brave, anständige Frau! Durch und durch anständig! Bei der bist Du der Mühe überhoben, Mienen und Gebärden zu beobachten! Die hat nichts zu verbergen! Und arbeitsam ist die Iran, arbeitsam! Die Hände sollst Tu mal angreifen! Wie Leder!
Elise: Wirklich?
Arthur: Ja! Kurz, ich sehe nicht ein . . . Eder hast
Dn etwas Nachteiliges über sie gehört?
Elise Urne geistesalnvesend): Nein . . . nein . . .
Arthur: Dann begreife ich wirklich nicht . . .!
Elise «springt aus, erregt): Du begreifst ganz gut! Ich kann doch keine Schnstersfran empfangen..! Frau Regierungs- rat Schlosser . . . Frau Doktor Felder . . . Frau Konsul Buschmann . . . Fran Kommerzienrat Horst und imit einer ironischen Verbeugung) Frau Schuster Berger! «gering lachend): Haha! Frau Schuster Berger! Es ist zu nett! Mein Herr Gemahl hat mir da wirklich eine allerliebste Überraschung zugedacht!
Arthur «sarkastisch): Hm, da stünden wir also noch! So, so! Ja freilich, eine Schnstersfran empfangen - welch entsetzlicher Gedanke! Ja, wenn der Alaun wenigstens Stiefel <m Arn^ erzeugte und sich Schnhwarenfnbrikant schimpfen ließe, dann wäre es vielleicht doch schon denkbar! Denn es ist klar, daß das größere oder geringere Ouantum Stiesel, das er erzeugt, auch das größere oder geringere Maß gesellschaftlicher Achtung bedingt, das wir ihm entgegenbringen! Oder wenn er sich darauf beschränkte, das Leder zu den Stiefeln zu liefern! Ein Lederhündler . . . hm . . . der kann unter Ümständen ganz salonfähig sein! Natürlich, wenn er, statt Stiefel und Leder zu verkaufen, einfach und großartig die dazu gehörigen Ochsen züchtet — ein Landwirt, ein Großgrundbesitzer — das ist der Gipfel bürgerlicher Vornehmheit! Kurz, man könnte das Gesetz ansstellen: Die Wertschätzung, deren wir uns als Menschen erfreuen, steigt in dem Maße, als sich unsere Thätigkeit der Viehzucht nähert! Es ist gerade so einleuchtend wie eines der vielen anderen Gesetze, nach denen sich die ständische Gliederung der modernen Gesellschaft richtet! Nud davor beugt sich auch ein Geist, der die Realisten und Naturalisten zu dem Zwecke studiert, um frei, frei, frei zu werden!
Elise (mürrisch): Das hat doch nichts mit meiner Lektüre zu schaffeu!
Arthur: Doch, doch!
Elise «wie oben): Ich wüßte nicht wie!
Arthur: Du sagtest, daß Tu Dich bestrebst, in Deinem Bekanntenkreis die Urbilder zn den Gestalten, die in den realistischen Romanen nnd Dramen geschildert werden, anfzn- sinden. Nennst Dn diese Urbilder auch bei ihrem wahren Namen?
Elise: Ich denke wohl!
Arthur: Gut, daun sag' mir, als was bezeichnest Du denn zum Beispiel den Herrn Konsul Buschmann?
Elise: Konsul Buschmann ist meiner Ansicht nach ein charmanter Lebemann: ich wüßte aber nicht . . .
Arthur: Natürlich ein charmanter Lebemann! Tenn
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wie allen Angehörigen der guten Gesellschaft ist auch Dir die Falschmünzerei im Sprechen zur zweiten Natur geworden. Ein charmanter Lebemann! Wie harmlos das klingt! Harmlos? O, schmeichelhaft, anerkennend! Wenn Tu aber Deiner Erkenntnis die Ehre geben willst, weißt Dn, wie Dn diesen Herrn Konsul heißeu mußt?
Elise: Nun?
Arthur: Einen Wüstling.
Elise: Aber Arthur!
Arthur: Ein unfeines Wort? Ja, die Wahrheit ist immer unfein. Deshalb gehört sie auch nicht in die gute Gesellschaft. Aber da Du naturalistische Romaue liest, darf ich schon (vagen, das Wort ansznsprechen. lind so darfst Tu auch uicht Frau Kommerzienrat Horst, die das Geld, das ihr Mann so schwer erwirbt, znm Fenster hinauswirst, eine elegante Weltdame nennen! Nein, das ist einfach eine pflichtvergessene Frau! Und Herr Berger — der Hosrat, nicht der Schuster — ist nicht ein strebsamer Beamter, sondern ein schurkischer Streber! Die gute Gesellschaft hat eben eine besondere Sprache, wo es sich um ihre Mitglieder handelt. Von der mußt Du Dich ein für allemal emancipieren! Denn nur das wahre Wort befreit.
Elise: Gut! Aber wohin führt das?
Arthur: Zuuächst dazu, daß Tu Dich Vvu solchen Leuten langsam zurückzieheu müßtest, wenn sie auch Konsuln und Hofräte sind! Aber das möchtest Du wohl uicht . . .
Elise: Vielleicht . . . Aber es führt uicht dazu, daß ich iu Zukunft mit Krämern nnd Handwerkern verkehren würde!
Arthur: Dn willst es also einfach nicht, — wenn Dn auch ihre moralische Integrität anerkennen mußt!
Elise: Ihre moralische Integrität in allen Ehren; - aber ich kann es nicht!
Arthur (ironisch): Natürlich! Sie schneiden ja das Brot mit dem Messer!
Elise: Ja! . . Und haben hundert andere unerträgliche Gewohnheiten!
Arthur: Da Hütten wir also wieder die Falschmünzerei im Sprechen. Zn sagen, daß wir mit Leuten in geringer gesellschaftlicher Stellung nicht verkehren (vollen, das getrauen (vir uns nicht. Wir haben ja nicht den Mut unseres Hochmuts! Also muß ein Vorwand her! Wir unterscheiden daher gewissenhaft zwischen Menschen, die die Gabel mit der Linken, nnd solchen, die sie mit der Rechten halten, nnd sagen: die ersteren können nicht mit den letzteren verkehren, — denn ihre Nerven vertragen nicht den Anblick einer Gabel iu der Rechten. Sie können nicht, — das schneidet jede Diskussion ab. Nach der Aristokratie vom Schwerte — die Aristokratie von der Gabel! Wie steht aber die Sache iu der That? Wir müssen eine Menschenklasse unter uns haben, da wir die Brutalität nnd den Dünkel der Menschenklasse über uns zu ertragen haben. Wir selbst sind nur Menschen zweiter Klasse. Aber was (nacht das, da es doch noch Menschen dritter Klasse giebt? Jst's nicht so? Gesteh es wenigstens mir gegenüber!
Elise: Ja, ich gestehe es! Und ich will noch weiter gehen!
A r t h u r l gespannt >: Nämlich ?
Elise: Ich will mich auch von diesem Vorurteil befreien!
Arthur «sehr erstaunt): Du wolltest wirklich!
Elise: Nur mußt Du mir ein wenig beistehen!
Arthur: Sehr gern!
Elise: Gut. Halten wir also eine kleine Generalprobe ab. Stellen (vir uns vor, Frau Berger wäre schon da. (Geht zur Thür, als ob sie jemanden begrünen wollte.) Ach, Fran Berger. . . bin sehr erfreut . . . bitte, nehmen Sie doch Platz . . . hier, ans dem Sofa . . . <gu Vrthnr): Dn, jetzt bin ich schon mit meinein Gesprächsstoff zu Ende!
! Arthur: Wovon sprichst Du denn mit Fran Doktor Felder?
Elise: Von den Büchern ihres Mannes!
Arthur: Na, dann sprich mit Fran Berger über die Stiesel ihres Mannes. Der Unterschied ist nicht so bedeutend!
! Elise: Es ist wahr! «Thut, als ob sie mit jemandem spräche.) i Ich ging da neulich bei dem Laden Ihres Mannes. . . ich
Deutschland.