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Verhalten der Leiter und Nichtleiter gegen elektrische Strahlen besser verstehen.
Bekanntlich haben Körper, die für das Licht durchsichtig sind, die Eigenschaft, den eindringenden Lichtstrahl aus seiner ursprünglichen Richtung abznlenken. Man sagt dann, der Strahl wird gebrochen. An jedem Glasprisma läßt sich dies leicht wahrnehinen. Werden auch elektrische Strahlen, wenn sie durch elektrisch durchsichtige Körper hindnrchgehen, von ihrer Richtung abgelenkt? Diese Frage drängt sich unwillkürlich auf. Hertz hat auch diese Frage beantwortet und zwar mit ja. Er ließ ein Prisma Herstellen ans einem nicht leitenden, also elektrische Strahlen hindurchlassenden Stoffe, nämlich ans Hart pech, einer asphaltartigen Masse. ES war ihm ans gewissen Gründen klar, daß die Dimensionen dieses Prismas groß gewählt werden müßten. Mit Rücksicht aus die Größe hatte er ein billiges Material gewählt. Sein Prisma wog etwa zwölf Eentner. Auf dieses ließ er die durch den Zinkhohlspiegel parallel gemachten elektrischen Strahlen fallen. Auf der andern Seite des Prismas wurde dann mit Hilfe des Resonators untersucht, wo elektrische Kraft vorhanden war und Ivo nicht. Um deutlichere Wirkungen zu erzielen, suchte Hertz die ausgetretenen Strahlen mit einem zweiten Zinkhohlspiegel, in dessen Brennlinie sich der Resonator befand. Zunächst ergab sich bei dieser Untersuchung, daß die elektrischen Strahlen beim Hindnrchgehen durch das Prisma ihre ursprüngliche Richtung nicht beibehalten hatten. Durch ein allmähliches, suchendes Hernm- führen des zweiten Hohlspiegels gelang es, eine Stellung zu finden, in welcher die Fünkchen des Resonators am hellsten waren. Dabei zeigte sich, daß die Ablenkung der elektrischen Strahlen bei dem betreffenden Versuche etwa 22 Grad betrug. Es konnte der Brechungsexponent für den Stoff, aus dem das Prisma gemacht war, auf 1,5 angegeben werden.
«-Schluß folgt.!
Neues über Lharlotte Meglitz.
Bon
^Ln dem ziemlich stenographischen Taschenkonversativnslexikon von Kürschner sogar sind dem Dichter Heinrich Stieglitz sichs kleine Zeilen gewidmet, welche alles Wissenswerte über ihn enthalten, und noch einiges mehr. Denn daß er zu Anfang des Jahrhunderts geboren wurde und Anno 49 in Venedig starb, das ist für die deutsche Litteratur ebenso gleichgültig, wie die Titel seiner poetischen Werke. Heinrich Stieglitz ist auf eine ganz neue Art berühmt geworden. Seine Frau Eharlotte hat sich am 29. Dezember 1854 mit einem Dolch umgebracht, der Legende zufolge, weil sie ihrem vergötterten Manne, durch die starte Gemütsbewegung, die ihr Selbstmord auf ihn ausüben mußte, eine heilsame Auffrischung seiner dichterischen Fähigkeiten verschaffen wollte. Stieglitz ist durch den Selbstmord seiner Frau freilich kein besserer Dichter geworden. Aber in die Literaturgeschichte ist das Ehepaar wirklich auf diesem Umwege hineingekommen und treibt sich darin, wie Pilatus im Credo herum, als ob sich der Ruhm wirklich erzwingen ließe. Zn diesem Erfolge haben verschiedene Umstünde beigetragen. Von den Frommen und anderen Litteratnrfeinden wurde der Selbstmord der unglücklichen Frau als ein Zeichen der Zeit betrachtet, und Wolfgang Menzel setzte ihre That keck auf das Schuldkonto von Goethe, Heine, der Rahel und der französischen Jnlirevolution. Trotzdem wäre ihr Andenken wieder erloschen, wenn ihr Gatte und ihre Freunde nicht in der widerwärtigsten Selbstbespiegelnng dicke Bücher über die „heroische That" der armen Charlotte herausgegeben hätten. Wie es zu allen Zeiten und auch heute noch sogenannte Dichter giebt, deren Reklamebedürfnis nicht einmal vor der Leiche des
Vaters pietütsvvll verstummt, so benützten Stieglitz und Theodor Mnndt die Leiche der schönen Charlotte — jede Umschreibung der Sache wäre eine Unwahrheit - zu Reklamezweckeu für sich. Aus dem „Denkmal" Mündts und aus der Selbstbiographie des Gatten klingt eine Verlogenheit heraus, in deren hohlen Redensarten jedes ehrliche Wort über den wirklichen Thatbestand verhallt. Der Gatte der Selbstmörderin nimmt die Pose Petrarkas an und läßt sich von seinen Freunden, ohne zu erröten, als den Dichter feiern, dem die sterbende Eharlotte den Weiheknß anfgedrückt hat. Theodor Mnndt verbreitet die Legende und schreibt in ihrem Dienst ein Buch, das gleichzeitig seiner persönlichen Eitelkeit schmeicheln und die junge dichterische Partei verteidigen soll. Wer mit skeptischen Augen die ganze kleine Litteratur gelesen hat, wird von Heinrich und Charlotte Stieglitz trotz aller Lügen doch ein ungefähres Bild gewonnen haben. Stieglitz ist ein unklarer Kopf mit allerlei poetischen Neigungen, im Leben ohne Ernst und ohne Kraft, gegen seine Frau ein Komödiant, an dem vielleicht nicht einmal die Anfälle von Schwermut echt waren. Charlotte ist der Typus der unverstandenen Frau, begabter, frischer, erfreulicher als ihr Alaun; aber auch sie wie ihre ganze Zeit unwahr in den Ansbrüchen ihres Gefühls. Gewiß ist, daß sie mit ihren Abschiedsworten zu der Legende von ihrem Dpfer- tode den Grund legte. Aber gewiß ist auch, daß nneingestan- denc Motive ihr den Dolch nach langer, verzweifelter Leideus- zeit in die Hand drückten. Die Berliner Zeitungen jener Tage, welche davon sprachen, daß Charlotte ihre Kinderlosigkeit nicht ertragen konnte, und darum kurz nach Weihnachten, dem Feste der Kinder, den Tod suchte, waren vielleicht von Freunden der Verstorbenen gut berichtet.
In dem soeben veröffentlichten Briefwechsel Gustav Kühnes* finden sich nun zahlreiche Briefe Theodor Mündts, welche zwar immer noch kein helleres Licht über die letzten Gründe des Selbstmordes darbieten, aber dafür die Wertlosigkeit von Mnndts „Denkmal" um so schlagender darthnn. Unwahr und eitel in jedem Wort erscheint der Freund Heinrichs, der Biograph EharlottenS. Am Tage nach dem furchtbaren Ereignis schreibt er an Kühne:
„ . . . Ich habe an ihr soviel verloren, daß ich es nicht sagen kann! Ich habe an ihr soviel besessen, als Tu nie ahnen tonntest! Das Verhältnis zu ihr, das schönste, herrlichste, edelste, erhielt mich ausrecht und heiter! Jetzt ist eine ganze Blütenstelle in meinem Menschen für immer verödet! Sie war die herrlichste Seele, die gelebt hat! Viele haben sie gekannt, wenige wie ich. Ich habe sie geliebt! Jetzt be- komme ich noch zu ihrem Andenken eine Gipsbüste von ihren edeln großartigen Zügen! Ich bin zerrüttet!"
Die vielen Ausrufungszeichen machen die Liebe des Alan neS verdächtig, der sofort nach dem Tode seiner Angebeteten an die Arbeit geht, den Dpfertod der „herrlichsten Seele" buch- händlerisch auszubeuten. Aber während er noch daran ist, die Legende zu verbreiten, kann er dem geckenhaften Kitzel nicht widerstehen, sich von anderer Seite als den Geliebten Char- lottenS, als die eigentliche Ursache ihres Todes der Welt verraten zu sehen. Er schreibt an Kühne im Jahre 1835 idas Datum des Briefes ist leider nicht angegeben).
„An meinem letzten Abschnitt über EharlottenS Tod ritze ich mir jetzt stündlich und an jeder Silbe das Herz entzwei. Die Schwierigkeit, die Aufgabe auf diesem Punkt zu lösen, ist für mich grenzenlos, um so mehr, da ich dabei notwendig un wahr werden muß. Denn mit dem „Dpfertod," den der uu selige und gottverlassene Stieglitz bereits zu einer Phrase gemacht hat, habe ich im innersten meiner Gedanken nie einverstanden sein können, und ich konnte es am allerwenigsten. Mein Verhältnis zu ihr kann und darf ich nicht darstelleu,
* tzinftav Kühne, Hu Leden-Wutd und Briefwechsel »nt geil genossen. .herau--gegeben von Edgar Pierson. Mit einein Vorworte von Wolfgang Kirchbach. <Dresden und Leipzig, E. Pierson-- Verlag.) — DaS Buch ist namentlich für die BezielnmgenKühnes zum hingen Deutsche land und zu Janny Tarnow aufschlußreich.