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Nr. 25.
Erscheint Sonnabends
und ist In der Post-Zcitnngsprcislistc unter Nr. 1738 eingetragen.
Berlin, den 22. Närz.
Abonnementspreis
bei der Post oder im Buchhandel vierteljährlich 3 Mark.
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Inhalt : Die talentvolle Frau. Novelle vvn Robert Misch. — Graf Snint-Siinon-Snndrieonrt, der Bater des Sozialismus. Von Arthur Kleinschmidt. (Schluß). — Das französische Offiziereorps von heute. Von Hanptmann a. D. Max Liinan. (Schluß). - Gedichte in Prosa. Von Ola Haussen. (Schluß.) — Über Neurasthenie. Von Gregor Rehmer.— Sterbende und werdende Biihncnpvesie. Von Paul Schlcnther. — Zolas neuester Roman. Vvn F. M. — Kleine Kritik.
re talentvolle Hsiait.
Novelle
von
Robert Misch.
id tönte die Orgel, als sie am Arm des Brüu- rs dem Altäre zuschritt. Um sie her summte flüsterte es: „Welch ein Glück sie macht!"
„Und dabei ist sie gar nicht hübsch!"
„Hübsch? Häßlich, häßlich ist sie!"
„Das kann ich nicht finden!" mischte sich ein Herr ins Gespräch, der unter der Menge stand. „Sie hat schöne und geistvolle Angen!"
Achselznckend wendeten sich die beiden Damen ab. Wie konnte man Asta Wenkhaus schön finden! Die ganze Stadt, zum mindesten der weibliche Teil derselben war darüber einig, daß sie es nicht war, sind daß die arme Professorenwaise ein außerordentliches, eigentlich unverdientes Glück gemacht habe.
Er war nicht inehr ganz jung, in den ersten Vierzigern, und die erfahrenen Mütter hatten ihn schon längst von der Liste gestrichen, aber immerhin noch eine begehrenswerte Partie. Gut — gut wie Brot nannte ihn die Geheimrütin Köberling, die noch drei ledige Töchter nnterzubringen hatte, — liebenswürdig und vor allem reich! Ullenins war der Inhaber des ältesten und solidesten Bankhauses der Provinz. Sein Äußeres passabel, durchaus stattlich! Wer verlangt mehr von einem Manne! Warum er nicht heiraten wollte, darüber hatten sich zehn Jahre früher, als die jungen Balldamen von heute noch ganz kurze Kleidchen trugen und mit Puppen spielten, alle Mütter und —- Töchter den Kopf zerbrochen. Die Romantischen behaupteten, weil er eine unglückliche Liebe im Herzen trage. Die anderen, darunter die meisten Männer, verwarfen das und nannten ihn ganz einfach ehescheu, was die Frauen mit „eingefleischter Junggeselle" übersetzten.
Und nun so Plötzlich diese Neigung, die schnell und unaufhaltsam ausbrach! Eines Tages war er nicht mehr im Kasino erschienen, wo er sonst regelmäßig von 4—6 Uhr sein Partie- chen zu machen pflegte. Als das andauerte, ging einer im Auftrag der Freunde zu ihm. Ullenins war ganz wohl, nur etwas verlegen und schützte dringende Geschäfte vor. Plötzlich tauchte die unglaubliche Mär auf, er sei täglicher Theegast bei der Professorin Wenkhaus. Man legte sich auf die Lauer: das Unglaubliche war eiu Faktum. Ehe man aber noch so recht zu munkeln begann, kamen schon die goldgeränderten Karten. Es war vor zwei Monaten; heute schritt er bereits zum Altar. Er hatte es eilig, meinten die Mütter; niemand würde ihm Asta streitig machen. Unter den Frauen fand sich auch nicht eine, die ihr „das Glück" gönnte, eher unter den Männern, von denen vereinzelte Querköpfe und Oppositionsmenschen sie sogar ein interessantes und geistvolles Mädchen nannten. Das allein hätte genügt, sie bei ihrem eigenen Geschlecht unmöglich zu machen, das sich zwar vor der Schönheit beugt, den Geist aber, solange er sich nicht in anerkannten, glänzenden Thaten knndgegeben hat, einem jungen Mädchen nie verzeiht.
„Sie will sich interessant machen! — O, das hat sie schon in der Schule verstanden!" sagten ihre „Freundinnen," wenn sie dann und wann einmal in ihren Gesellschaften erschien.
Für die Frauen war sie damit gerichtet, und auch die Mehrzahl der Mäuner zog es vor, ihren hübschen Freundinnen den Hof zu machen, statt sich mit der „ernsten, langweiligen Person" in gelehrte Diskussionen einzulassen. Die paar Gescheiteren ärgerte es höchstens, wenn diese impertinente, gelehrt sein wollende junge Dame ihre geistige Oberhoheit nicht anerkannte. —
Die Kutschen rollten davon. Ans war's, ganz aus!
Wieder einer weniger, auf den man doch noch im innersten Herzcnskümmerchen Hoffnungen gesetzt hatte!
Die Hochzeit wurde ganz still und klein begangen. So hatte es Asta gewünscht, so entsprach es auch seinen Neigungen. Nur wenige engste Freunde des Bräutigams; von ihr die