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Deutschland.
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einen ja förmlich dazu ... es ist mir unangenehm, sehr unangenehm, Dir das sagen zu müssen!"
Stillsried war blaß geworden. Sein Arm, den er in den seines Freundes geschoben, zitterte.
„Also man findet Asta nicht hübsch genug, um einen solch «dummen Streich» zu erklären? In der Thal, sie ist keine — «denutch» aber ihr Geist, ihre Liebenswürdigkeit! . . . Sie ist eine ungewöhnliche Natur und ragt weit über die platten Alltagsschönheiten hinaus!"
Der andere zuckte nur leicht mit den Schultern. „Gewiß, darin ist jeder sich selbst am meisten kompetent! Wenn Du sie liebst und glücklich bist, hast Du recht!"
Es war, als stachelte Stillfried ein Dämon, mehr zu erfahren.
„Nein, nein — so entschlüpfst Dn mir nicht! Ich will alles wissen, was man von uns sagt! Zwar auf ihre Moral pfeife ich!" . . . Dabei wies er nach der Richtung des Bahnhofes, als wenn dort Berlin vor ihm läge. „Aber als Poet, als Sammler der berühmten «menschlichen Dokumente» möchte ich genau erfahren, warum die Leute nicht begreifen, daß ich dieser Frau wegen alles im Stich ließ!"
Delarive warf ihm einen scharfen Seitenblick zu, ob er auch die Wahrheit spräche. Aber Stillfried pfiff inunter und vergnügt vor sich hin und wirbelte sein Stöllchen mit zwei Fingern um sich selbst herum — sein Lieblingsknnststückchen, das er nur bei guter Laune ansführte.
„Na, wenn Du durchaus willst! Man findet also Deine erste Frau nicht nur hübscher, sondern auch liebenswürdiger als — als Deine zweite! Asta ist durchaus nicht sehr beliebt in der Gesellschaft. Mau wirft ihr einen gewissen geistigen, ich möchte sagen Bildungshochmnt vor, der bei einer Frau doppelt verletzt."
„Asta hat Talent, sie hat —" Die Lüge, die Stillfried jetzt aus der Zunge schwebte, war ihm doch zu stark; er unterdrückte sie.
„Sie hat Reiseskizzen geschrieben, die nicht gerade sehr aufregend sind. Eben daß sie schreibt, macht in den Augen der Leute, meinetwegen der Durchschnittsmenschen, Deinen Schritt noch unbegreiflicher. Er sollte doch froh sein, sagen sie, wenn er knietief in der Tinte gewatet ist, ein tintenfreies Wesen zu Hause zu finden, das ihn liebkost, statt ihm ihren neuesten Roman ans die Brust zu setzen! Pardon, aber ixllntn retarro! Na, und die Materialisten — hierzu rechne ich mich auch ein wenig — begreifen nicht, daß Du ein solches Vermögen — es ist ja wohl ein halbes Milliönchen? — so mir nichts dir nichts wie 'n altes Oberhemd sortgeworfen hast! Donnerwetter, wenn man kein Vermögen hat und aus seine Feder angewiesen ist wie Tn! . . . Sapperlot, man findet doch das Geld heutzutage nicht auf der Straße! Wenn mich Deine verlassene Ariadne wollte, ich heiratete sie ans der Stelle, das nette, kleine Weibchen mit dein netten halben Milliönchen!"
Delarive kam nun öfters. Mit der Gewandtheit des Weltmannes ignorierte er das Verhältnis Astas zu seinem Freunde und behandelte sie als dessen rechtmäßige Gattin. Die Kleinheit und Einfachheit der Wohnung fand er „gemütlich" und „famos." Zum erstenmal seit langer Zeit brachte er einen sonnig-heiteren Ton irr das Leben der beiden. Der Dichter konnte über die satirischen Ausfälle und oft gewagten Scherze
Delarives herzlich lachen, und auch Asta hörte seinem munteren, nicht geistlosen Geplauder, das allerdings nur die Oberfläche der Dinge streifte, mit Vergnügen zu. Es war ein Abglanz
ihrer Berliner Tage. Delarive sprach nur von der Reichshauptstadt, dessen lebendige ollroillgue sonnckrllouss er war. Hatte er jedes Thema erschöpft, so machte er Zauberkunststücke wie ein Mann von Fach, oder spielte nicht übel Klavier.
Stillfried lauschte ihm gierig. Hier floß ihm eine Quelle der Anregung und der Stvsswelt zu, die er schwer vermißt, und er gestand dem Freunde bald, daß er sich in Wiesbaden wie in der Verbannung fühle. Asta atmete auf. Gleich einem schwarzen Schleier hatte es über ihr und ihrem Leben gehangen. Seitdem Stillfried wieder lachte und fröhlich war, zog auch das Glück von neuem in ihre Seele ein. Er war jetzt gütig und freundlich wie ehedem — sie glaubte wieder an seine Neigung. Der Gedanke, diese Liebe zu verlieren, hatte an ihrem Herzen genagt, und der Kummer und die Sorgen, die sie nachts ruhelos auf ihrem Lager nmherwarfen, bleichten die Röte ihrer Wangen und raubten dem feurigen Auge den Glanz. Der schönheitsdurstige Dichter blickte sie durchaus nicht mehr mit Wohlgefallen an, das bemerkte sie wohl. Ängstlich befragte sie jeden Tag den Spiegel, ob sie ihm denn jung und hübsch genug sei. Sie lebte geradezu von seinen freundlichen Worten. Je mehr ihr Stolz durch die Außenwelt gebeugt wurde, die die davongelausene Frau verachtete, desto mehr war sie in dieser Liebe aufgegangen. Alles hatte sie diesem Alaune geopfert. Er war ihr letztes, ihr einziges Besitztum, und sic hütete es ängstlich.
Er bedurfte jetzt auch der ganzen, verzeihenden Liebe, mit der ein Weib die Schwächen des Mannes übersieht und vor sich selbst verhüllt. Seit Delarives Ankunft hatte er nicht einen einzigen Federstrich mehr gethan. Er entschuldigte sich damit, daß man das geistige Produzieren nicht gewaltsam erzwingen könne. Einen ansgesogenen Acker ließe man auch einige Zeit brach liegen. In seines Freundes Gesellschaft trieb er sich jetzt den ganzen Tag auswärts herum. Der elegante Redakteur und Reserveoffizier, der ein glänzendes Einkommen bezog, traf hier alte Bekannte und sammelte bald einen Kreis von reichen Lebemännern um sich: beurlaubte Offiziere und junge Nichtsthner, die hier dauernd wohnten oder die Kur gebrauchten. In diese lustige Gesellschaft brachte Delarive den Freund, und da der Dichter, wenn er nnter guten Kameraden beim Weine saß, sehr unterhaltend und witzig sein konnte, so nahm man ihn mit Freuden ans. Man ignorierte natürlich, was man von ihm und Asta wußte, und behandelte ihn so, wie er sich gab, als fidelen Junggesellen. Das Geld dazu streckte ihm Delarive vor.
Dabei lachte er, während Ttillsried grimmig an der Unterlippe nagte. „Aber sie will mich nicht, will für jetzt auch keinen anderen!" fügte er, immer noch lachend, hinzu. „Bewerber genug Erben für Deinen Nachlaß! Sie trauert dem Gatten nach! Ja, ja, sic hat Dich verdammt gern gehabt! Na, nach der Scheidung wird das schon anders werden! Ah, pni-ib.n . . . aber da Du eine andere liebst, kann es Dir ja jetzt ganz gleichgültig sein . . . nicht wahr?" Wieder lachte er. Die Situation, daß er so ungeniert von der Gattin znm Gatten reden dürfe, kam ihm pikant und komisch vor.
„O total gleichgültig!" erwiderte Stillfried, während er nervös die Finger zusammenkrampste.