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Deutschland.
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für seine Forderung an „ausgelegtem" Gelde (das Auslegen ist selbstverständlich jedoch säst regelmäßig nur bildlich und formell zu nehmen) ein Pfandrecht an dem betreffenden Papiere, und das Handelsgesetzbuch selbst ermächtigt ihn, unter — stets leicht zu schaffenden — Umstünden das Papier zu verkaufen. Und damit ist dann der „Kunde" sein Geld ein für allemal los, — ja er kam: von Glück sagen und hat es mit einem besonders „noblen" Charakter von Bankier zu thnn, wenn er nicht noch persönlicher Schuldner desselben wird.
Es leuchtet ein, daß auf diese Weise jahraus, jahrein Millionen voll schwer erarbeitetem Gelde mühelos, einzig durch die Ausbeutung der Schwäche der betreffenden Kreise, ihr geringes Vermögen vermehrt zu sehen, in die Tasche der Finan- eiers gleiten, und wer da weiß, welch geradezu mit satanischer Bosheit und Raffiniertheit ausgesonnene Kniffe benutzt werden, um das große Publikum durch Presse, Reklame n. s. w. ans ein Unternehmen hinzuweisen und dasselbe zu ködern, wer je Gelegenheit gehabt hat, einen Blick hinter die Cvulissen zu werfen oder einer Konferenz im Privatcomptoir solcher angehender Millionäre beizuwohnen, der kann sich nur mit Entrüstung von diesem gesamten Getriebe abwenden. Am sozinlgefährlichsten aber, weil sie den kleinen Mittelstand völlig aussaugen, mit dein sie durch die unglaublichsten Mittel in Verbindung zu treten wissen, sind, wie gesagt, die kleineren und kleinsten „Häuser," und es ist nicht zu viel gesagt, daß neunzehntel der Inhaber derselben mindestens täglich eine Handlung begehen, die sie nicht nur nach der allgemeinen Moral, sondern auch, wenn ihre gesamten Begleit- und Nebenumstünde bekannt werden würden, vor den Strafgesetzen mit den höchsten Strafen zu belegen erscheinen lassen. Nicht zu unrecht wird das Aussaugen des Mittelstandes durch das mobile Kapital auf diese Pest znrück- geführt.
Diese Schuld aber wird zu einer geradezu unverantwortlichen, wenn man das so geschilderte Treiben in Beziehung setzt zu dem vierten, dem eigentlichen Handnrbeiterstande, soweit derselbe in Aktienunternehmungen beschäftigt wird.
Wie haben oben gesehen, daß bei den Gründungen die Unternehmer, welche den Gegenstand der Gründung bilden, regelmäßig weit über ihren Wert hinaus bezahlt werden. — Natürlich aber wollen die Aktionäre auch eine Rente haben und zwar eine Rente entsprechend allermindestens dem landläufigen Zinsfuß; aber diese Rente wird nun nicht bemessen nach dem eigentlichen Wert des Unternehmens, von dem die Aktie einen soundsovielten Teil repräsentiert, sondern entweder von dem Pari- oder gar von dem Erwerbsknrse. Und dies letztere ist naturgemäß das gewöhnliche Verlangen. — Ein Aktionär, der das Papier zum Kurse von zweihundert gekauft hat, will natürlich auch eine Dividende von allerwenigsten zehn bis zwölf Prozent haben, und verlangt nach seiner Ansicht mit Recht von der Verwaltung, daß sie ihm diese Rente herauswirtschafte. — Dabei wird nun natürlich zweierlei ganz übersehen: einmal daß das Emissionshaus resp. der Vorbesitzer des Papiers ihm dasselbe um hundert oder sei es auch weniger Prozent über Pari „aufgehängt" hat, wie der Börsenausdruck lautet, und sodann, daß schon dieser Pari-Wert der Aktie ein um soundsoviel zu hoch geschraubter war, damit durch die Gesamtzahl der auszugebenden Aktien die Gründnngssnmme gedeckt werden konnte. Es soll nun also eine dreifache Wertsteigerung des Unternehmens durch die Einkünfte desselben verzinst werden.
Naturgemäß kann dies nur geschehen durch möglichst sparsame Wirtschaft der Verwaltung. Und diese Sparsamkeit geht ebenso natürlich in erster Linie auf Kosten der Arbeiter resp. der Aufwendung für die Arbeitskräfte, die möglichst billig beschafft werden sollen und müssen. Und hier liegt einer der schwersten sozialen Schäden, an denen wir leiden. Nicht mit Unrecht sieht nämlich fast regelmäßig der in dem Betriebe eines Aktiennnter- nehmens beschäftigte Arbeiter in der Verwaltung und dem für ihn in demselben repräsentierten Kapital seinen geschworenen Feind, dem er so gut wie völlig machtlos in die Hände gegeben ist, falls er sein tägliches Stück Brot für Weib und Kind, und sei
es auch nur das kärgste und dürftigste, verdienen und weiter behalten will. Und je höher durch günstige Konjunkturen und sparsame Wirtschaft die Dividende steigt, desto grimmiger wird natürlich sein Haß gegen das „Kapital." Denn er sagt sich zweierlei: einmal, daß die hohe Rente in der Hauptsache mit geschaffen wird durch seine Arbeit, durch welche das Kapital allerdings überhaupt erst befruchtet wird, und zweitens, daß trotz dieses Erfolges seiner Arbeit ihm kein Anteil an demselben zufüllt, derselbe vielmehr stets darauf beschränkt bleibt, ihm diejenigen Mittel znm Unterhalt zu gewähren, welche genügen, ihn gerade weiter arbeitsfähig zu erhalten. Denn daß ein Handarbeiter selbst bei größtem Fleiß, falls er eine Familie durch seine tägliche Arbeit zu ernähren hat, keine auch nur irgend nennenswerten und znm Sparen ermutigende Überschüsse erzielen kann, ist auch dem schwächsten Rechner kein arithmetisches Geheimnis, wenn er seinen eigenen Etat und die eigenen Einnahmen und Ausgaben und Bedürfnisse mit denen des Arbeiters und der zahlreichen Familie desselben unparteiisch und gerecht vergleicht.
An all den geschilderten Mißstünden, die nicht znm unwesentlichsten Teile die soziale Krise hcraufgeführt haben, vor deren Lösung wir nunmehr stehen, ist, wie wir nachgcwiesen zu haben glauben, zu einem nur zu großen Teile die Börse schuld und deren Kostgänger: die privaten und Aktien-Bankinstitute. Sie ziehen tagaus, tagein den wahren Ertrag aller Arbeit mühelos an sich und verbreitern damit die Kluft zwischen arm und reich zum Abgrunde. Auf welche Weise die Spannung, die zum guten Teile ans diese Weise mit heranfbeschwvren ist, gelöst werden wird, steht noch dahin; — eines aber ist mit der absoluten Sicherheit des Schicksals voransznsagen: nicht nur der Unternehmergewinn und die Rente, sondern auch die durch die Börse repräsentierte sogenannte „Arbeit des Geldes" werden wesentliche Veränderungen erfahren und zwar Veränderungen einschneidendster Art im Sinne der wirtschaftlichen und sozialen Gerechtigkeit. Und auch das anscheinende Sphinx-Rätsel des „Wie" geht, wenn nicht alles täuscht, seiner endgültigen Lösung entgegen. Die Lösung aber wird bestehen in der Bll düng großer Arbeiter- und Produktions-Genossenschaften, welche die Ertrüge schwerer Arbeit auch demjenigen sichern, der dieselbe im Schweiße seines Angesichts errungen, und welche verhindern, daß eine verhältnismäßig kleine Anzahl von Individuen sich in den Besitz setze von denjenigen Gütern, welche ihre Mitmenschen unter Not und Entbehrungen schwerster Art zur Erreichung einer höheren Kulturstufe und znm allgemeinen Besten erzeugen helfen.
Berthold von Regensburg^
ein Sozia l ethiker des Mittelalters.
Von
IN. Maximilian Kohn. (Tchlus:.)
Weislich ist, daß Berthold auch gewissen Kollegen zn- Mns) weilen gründlich den Kopf wäscht. Corpsgeist kannte er nicht. Er erinnert in dieser wie in manch anderer Beziehung an Abraham von St. Klara, der etliche Prediger mit den Eulen vergleicht, welche das Öl nächtlicherweile aus den Lampen schlürfen und so von der Kirche erhalten werden, sonst aber nichts nützen. Wie rückt Berthold — wir stehen im dreizehnten Jahrhundert — dem Ablaßkrümer zu Leibe, ohne sich viel zu kümmern, ob höchste Prälaten, in deren Aufträge doch jene Pfennigprediger sprachen, über sein geharnischtes Wort die Stirne runzelten.
„Pfennigprediger, dem Teufel einer der liebsten Knechte, denn er führt aus unter die einfältigen Leute lind predigt und ruft, daß alles weint, was vor ihn: ist. Und er sagt, er habe