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Deutschland.
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viele an der Arbeit sich beteiligen zu lassen. Außerdem sind ja doch auch die gerade nicht mit der lauten Übersetzung des betreffenden Satzes beauftragten Schüler nicht unthätig, indem ein jeder für sich mitübersetzt und so im Verlaufe das ganze vorgenommene Stück. Es ist jedenfalls auch in den neueren Sprachen äußerst wünschenswert, die Zahl der schriftlichen Übungen auf das geringste zulässige Maß zu beschränken und dafür die Zahl der mündlichen thunlichst zu erhöhen. Ferner ergiebt sich, daß man wohl daran thut, den Beginn des Ex- temporaleschreibens zu Anfang einer neuen Sprache möglichst hinansznzögern, bis durch mündliche Übung allgemein eine gewisse Sicherheit in der Anwendung der Formen erzielt ist.
Doch wenden wir uns zum Lateinischen und Griechischen zurück, um nunmehr den wichtigeren Einwand gegen die Beseitigung der schriftlichen Übungen hier zn prüfen, daß nämlich diese durch praktische Bethütignng das Gefühl der Fremdartigkeit und Eigentümlichkeit der alten Sprache gegenüber der Muttersprache fördern sollten, und daß die strengere Logik des Lateinischen und Griechischen das Denken des Schülers schürfen solle. Bezüglich der letzteren, so oft einseitig hervorgetriebenen Behauptung von der strengeren Logik der alten Sprachen und der Schulung des Denkens durch sie ist zn bemerken, daß diese vereinzelte Logik einzelner Formen und Satzverknüpsnngen völlig belanglos und unwesentlich für das moderne und eigentliche Denken ist, ja daß jene uns heute mehr als Zwang, denn als etwas ans Ünklarheit Befreiendes erscheinen. Noch niemand hat sich auf Grund des lateinischen oum tmn^orrllo oder griechischen veranlaßt gesehen, dafür entsprechend im Deutschen „wann" zu gebrauchen und z. B. zn schreiben „wann er angekommen sein wird" statt des weniger strengen aber üblichen und verständlichen „wenn er ankommt;" er wußte, daß er damit nur einen steifen Satz erzielt Hütte, und selbst die größten Philosophen haben den deutschen Satzban, wie er jedem geläufig ist, für logisch und bestimmt genug gehalten, ihre tiefdringendsten Gedanken durch ihn anszudrücken. Und andererseits hat die behauptete strengere Logik namentlich des Lateinischen bekanntlich den Klassiker dieser Sprache, Cicero, nicht verhindert, oft das Unlogischte von der Welt zn schreiben. Auch der größte Gelehrte in den alten Sprachen hat nie durch die strengere Logik derselben ein auch nur im geringsten schärferes Denken erhalten; wer nicht von Natur mit der nötigen Verstandesschärfe begabt wurde, ist auch als Professor ein Esel geblieben. Und zudem dürfte es wirklich nicht schwer sein, denjenigen Auffassungen der alten Sprachen, in denen abweichend vom Deutschen etwas pedantischer logische Form herrscht, ebenso viele ans unserer Sprache entgegenzusetzen. Endlich sagt man bekanntlich auch den neueren Sprachen, besonders dem Französischen und Englischen, strengere Logik der Formen und einzelner Satzverknüpfnngen nach, deshalb also können uns die alten Sprachen wenig ihnen allein Eigentümliches bietein Von dieser Seite betrachtet hat überhaupt die Beschäftigung mit einer fremden Sprache, also auch die mit dem Lateinischen und Griechischen, kaum den geringsten nennenswürdigen Wert, wie ja auch die vollendetste und eingehendste Kenntnis der logischen Gesetze auch die durchdringendsten Denker z. B. der Philosophie, Aristoteles, Kant, Fichte, Hegel nicht vor öfteren Denkfehlern geschützt hat.
Ein anderes ist es jedoch, wenn man behauptet, daß die schriftliche Übung in einer Sprache ein Mittel sei, das fremde Sprachbewußtsein zu stärken durch praktische Bethütignng einer theoretischen mehr oder minder klaren Einsicht. Allerdings tragen auch schriftliche Übungen, Extemporalien und Exercitien, dazu bei, aber nich weil sie niedergeschrieben werden, sondern weil übersetzt wird. Daraus aber folgt, daß je mehr übersetzt wird, desto kräftiger wird das Sprachgefühl; von dieser Seite sind also gleichfalls jene schriftlichen Übungen unnötig, sie sind nur mehr oder weniger orthographisch wichtig, im Lateinischen auch hier am wenigsten. Diktate würden denselben Erfolg haben können. Am meisten verdienten dabei noch die Aufsätze in fremden Sprachen verteidigt zn werden. Denn hier
hat der Schüler die Möglichkeit, sich von fast jedem stofflichen Zwange frei so auszudrücken, wie ihm sein Gefühl für die fremde Sprache an die Hand giebt. Verhält sich dies aber
so, so ist nicht zu verstehen, warum nicht auch griechische Aufsätze wie lateinische, französische, englische eingerichtet sind.
(Schluss folgt.»
Das neue soziale Drama.
(Familie Sclicke.)
Von
E>ustclv Landauer.
s ist meines Erachtens ein höchst erfreuliches Zeichen, daß das litterarische Interesse sich in den letzten Jahren mächtig gehoben hat. Freilich sind wir mit der Fixigkeit, die nun einmal unserer Zeit eigen ist, auch auf diesem Gebiete sehr rasch schon unglaublich nervös und verbittert geworden. Nur das hat cs ermöglicht, daß in kürzester Frist Schulen und Sippen ans dem Boden schossen — von regelrechtem Wachstum kann kaum die Rede sein, — die sich gegenseitig heftig bekämpfen. Aber trotz aller Auswüchse wird schließlich auch dieses Aufeinanderprallen der Meinungen und Stimmungen nur von gutem sein. — Werden diese Streitigkeiten erörtert, so schwirren vor den Ohren des Lesers sofort Wörter wie Idealismus, Realismus, Naturalismus, Zola, Zote, Unsittlichkeit u. s. w. Der Umstand, daß man diese selben Sachen immer und immer wieder anfgetischt bekommt, legt einem unbefangenen Beurteiler schon die Ansicht nahe, daß es sich vermutlich der Hauptsache nach um etwas anderes handeln muß.
Der Gegensatz zwischen Idealismus und Realismus, wie er vor allem im Drama sich ansgebildet hat, beruht auf einem höchst bemerkenswerten Unterschied in der dramatischen Technik, im Aufbau des Stückes, in der Führung des Dialogs und in der Kunst zn motivieren und charakterisieren. Typisch ausgeprägt ist dieser Gegensatz etwa in Schiller und Ibsen. Aber füllt es denn einem unter zwölf Litteraten, die Ibsen bekämpfen, ein, sich um diesen Gegensatz zn kümmern und Ibsen wegen des unzweifelhaften Fortschrittes, den er in dieser Hinsicht gemacht hat, anzngreifen? Trotzdem aber ist fortwährend von Idealismus und Realismus die Rede, besonders eben, und das ist das Schlimmste, weil das Wort Idealismus in einer ganz anderen Bedeutung auf die Gesinnung geht, und man nun, wenn man „Nicht-Idealist" genannt wird, nichts besonders Schmeichelhaftes empfängt.
Dann spielen in neuester Zeit Schlagwörter wie „schön, häßlich, roh, abstoßend, ekelerregend, naturalistisch, unsittlich" eine große Rolle. Wer behauptet, der Gegenstand, der einen ästhetischen Eindruck hervorbringt, sei immer und notwendig schön, der erweitert entweder in ungehöriger Weise den Begriff des Schönen oder verengert den des Ästhetischen. Schiller allerdings in seiner unnachahmlichen Konsequenz verhehlte nicht, daß ihm die Bilder der Holländer mißfielen, eben weil sie nicht schön sind. Wir aber entziehen uns dem ästhetischen Eindruck der Werke Ostades und ähnlicher Meister nicht, obwohl wir ruhig zugeben: schön sind sie nicht. Nun hat man wohl versucht, neben dem Schönen das „Charakteristische" ins Gebiet der Ästhetik zu schmuggeln. Das ist aber ein gewaltiger Fehler, denn damit erklärt man das Schöne für das Nicht-Charakteristische, was falsch ist. Dieses nicht-charakteristische „Schöne," das allerdings existiert, möchte ich nach dem Vorbild von süßlich und ähnlichen Worten mit dem Namen des Schönlichen belegen. Im übrigen aber wird das Schöne immer auch gleichzeitig charakteristisch sein. Was ist denn nun aber schön in der Bedeutung, in der es gewöhnlich verwandt wird? Ans objektiven Eigenschaften heraus wird sich kein absolut feststehender Begriff des Schönen anfstellen lassen; dagegen kann man