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Erscheint Somiabrnds
. und ist in der Post-Zeitungsprcislistc unter Nr. 1738 eingetragen.
Berlin, den ^7. Mai.
Aboiiliementspreis
bei der Post oder im Buchhandel vierteljährlich 3 Mark.
1890
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Inhalt : Hexeufaug. Lustspiel in einem Akt von Haus Hopfen (Fortsetzung). — Der 1. Mai 1890. Von A. Eschenbach (Schluss. - Das neue italienische Strafgesetzbuch und die Todesstrafe. Von Egon Malherbe. —Vier Briefe. Ein Lebensbild. Von Theodor von Sosnvsky. —Über die Bedeutung des Kochsalzes. Von S. Taubcs-Barladu «Schluß,. Ter „Kreutzer-Sonate" zweiter Teil. Aus dem Manuskript übersetzt von Heinrich Kana. — „Der Scharfrichter von Berlin." Von F. M. — Kleine Kritik.
Den Bühnen gegenüber Manuskript. Alle Rechte Vorbehalten.
HerMlfsny.
Lustspiel iu einem Akt von Kerns Köpfen.
. (Fortsetzung.)
7 . Seerie.
Man sieht Mir Dächer und Türme der Stadt/ vom Monde beleuchtet, und hört wie aus der Ferne
die Stimme des Albertus (unsichtbar). Wie nah' der Moud! Die Stimme Rebekkas (ebenso). Hui! welch ein Flug!
Die Theresias (ebenso,. Welch seltsam roter Wolkenzug! Die des Albertus (ferner? Wo?
Die Theresias «ebenso). Dort!
Die des Albertus. Wie kraß!
Die Rebekkas. Was kraß, was rot, was Wolke!
Die Hahnenfeder ist's mit ihrem Volke!
Hei, tanz' mit mir!
Die Theresias «eifernd). Mit mir!
Die des A lber t u s. Hier in der Luft? (Man sieht
die dreie, die sich bei den Händen halten, ganz oben über Dächern und Türmen, vom umwallten Blond beleuchtet, vorüber fliegen.,
Die lachende der Rebekka. Haha!
Die Theresias «ferner). Hui! welch ein Flug!
Die Rebekkas (ferner). Gleich sind wir da!
Die des Albertus «immer ferner). Die Erde klafft!
Die Rebekkas. Der Himmel hängt voll Geigen!
Die des Albertus. Welch Schauervolk!
Die Rebekkas (verhallend, aber noch verständlich). Jetzt ansgespielt zum Reigen!
Es wird auch oben wieder ganz finster. Der Wind heult lauter und bricht dann auf einmal ganz ab.
8 . Soene.
Mariens Stimme lim Dunkeln, klingt wie aus dem Schlafe geschreckt,. Was ist?! . . . Mich dünkt, die Mutter spricht? ...
Sb's nur der Wiud? . . . Db's doch die Mutter war?
(Sitzt im Bette auf.,
Am klügsten ist, ich mache Licht.
Wie sie das Licht ansteckt, verbreitet sich eine runde Helle um sie. Das übrige Theater bleibt ganz finster. Kein Dekorationswechsel. Man sieht nur Marie in ihrem Bett aufsitzen, dahinter ein Heiligen bild und eine Wanduhr, deren Pendel schwingt und tickt.
Ach nein, die Gute rührt sich nicht.
Wie wohl thnt ihr die Ruh' nach all der Pein! . . . Sie schläft so sanft . . . (Aufatmeud.) außer Gefahr! Das dank' ich ihm! . . . (Horcht.) Sie regt sich? (Leise und zärtlich.) Mutter mein?
Stimme der Mutter (aus dem anderen Bett, unsichtbar, sanft und leise). Was willst?
Marie. Wie ist Dir?
Stimme der Mutter (aufatmend). Wunderbar!
Marie (die Hände faltend). Gelobt sei Gott! . . . Sie schläft schon wieder eilt...
Ich kann nicht schlafen . . . Ich muß immer denken, Wie gut er war. . . und doch wie garstig auch!
Mein Gott, das ist so großer Herren Brauch,
Wohlthat mit vollen Händen zu verschenken Und dabei doch durch Hochmut uns zu kränken. Gleichviel, er hat sic mir gesund gemacht! . . .
Was er wohl treibt? . . . Gar stürmisch ist die Nacht, Und Kobus hatte seltsame Gedanken. . . Walpurgisnacht verwacht' er nicht bei Kranken,
Sagt' er . . . Wo denn? . . . Maria, voll der Gnaden, Behüt' ihm Leib und Seel' vor allem Schaden!
Und wenn er auch gesündigt ab und an,
Er hat den Armen so viel Gut's gethan!
Drum hilf ihm, heilige Jungfrau, hilf, erbarme Des lieben Sünders Dich und führ' ihn heil zurück. . .
(Ihr Kopf sinkt aufs Kissen, sie streckt die Arme gen Himmel, über denen die Hemdärmel zurücksalleu.)
Zurück ... zu mir . . . in diese meine Arme!
(Schüttelt nochmals den Schlaf ab- betrachtet schalkhaft ihre Arme, ohne den Kopf vom Kissen zu heben.)
Sind sie nicht schon und weiß und voll und rund?
Du dummer Jung', wo schwärmst Du denn zur Stund"?... Ich schenkte Dir so gern mein ganzes Leben . . .
Was brauchst Du alten Hexen nachzustreben!
(Legt sich links um, mit dem Gesichte dem Zuschauer zugewendet.)