Seite 546. Deutschland. nU 33
Pfui Du! (Sehr schläfrig.) Es heult der Sturm . . . die Diele kracht. . .
Wo Du auch weilst, mein Liebliug, gute Nacht!
(Sie bläst das Licht aus. Man hart wieder Wind und zwischen den einzelnen Stößen die Äolsharfen in der Finsternis. Gleich darauf zeigt die Buhne wieder die alte Dekoration wie in der 5. und 6. Scene und brennen alle Lichter.»
9. Krene.
Die Bühne bleibt einen Augenblick leer. Dann hört man von oben des Albertus S tim nie. Hierher, meiu Schatz! ... Da wird uicht ansgekniffen!
(Er fahrt mit Theresia und Rebekka an der Hand durch den Schlot
auf den Herd.)
Theresia (im Einfahren). Herr, es ist spät! . . .
Rebekka. Sei uicht so ungeschliffen!
Albertus. Wirst wieder grob?
Rebekka. Zu welchem Ende
Zwingst Du uns denn noch einmal hier herein? Theresia. Da hat sie recht. Laß fahren unsre Hände! Albertus. Hier drinnen? Sei's!
Rebekka (sich zum Fortgehen anschickend). Leb' wohl!
Theresia. Gedenke meiu!
Rebekka. Und mein!
Albertus. Ihr glaubt, ich ließ' Euch lausen?
Rebekka. Wir haben kaum mehr Zeit uns zu verschnaufen. Theresia. Meiu Weg ist ziemlich weit. . .
Rebekka. Es ist sehr spät!
Theresia. Ach, daß Walpurgisnacht so rasch vergeht! Albertus. Mich selber dünkt, ich sei kaum ausgefahreu, Und was erlebt' ich, seit der Sand verrann!
Theresia (zärtlich zu Albertus). Leb' wohl!
Rebekka (zu Theresia, sie von Albertus wegstoßend).
Laß setzt Dein zärtliches Gebaren! (Zu Albertus.) Und Du schass' etwas, draus mau reiten kann!
Theresia. Auch mir! Flink!
Albertus. Nicht im Schlafe denk' ich dran.
Rebekka. Was sagst Du da?
Theresia. Mich täuschten wohl die Ohren!
Rebekka. Ob er im Fliegen den Uerstaud verloren?
Dergleichen kam schon vor.
Theresia (dringender). Herr, schaffe Rat!
Albertus. Geduld!
Theresia. Bedenk', beim ersten Hahnenkraht
Muß ich daheim in meiner Zelle sein.
Rebekka (dringend und dringender zu Albertus). Rühr' Dich! Du weißt, beim ersten Dümmerschein Ist unser Besenritt nicht mehr geheuer.
Zu Ende ging das Frühlingsabenteuer.
Der Spaß ist aus. Drum gieb uns Urlaub. Albertus. Nein!
Theresia (herumsuchend). Herr, einen Besen!
Rebekka (gleichfalls). Meister, einen Stock!
Theresia. Nur eine Latte!
Rebekka. Sessel!
T h e r e s i a. Schmu ei!
Rebekka. Pflock!
Theresia. Wär's nur ein Holzscheit, noch so unbequem! Rebekka. Nur irgend etwas!
Albertus. Nichts von alledem!
Theresia. Recht grausam ist der Scherz!
Albertus. Ich scherze nicht.
Rebekka. Der Teufel Hot' ihn, wenn er ernsthaft spricht! Theresia. Was willst Du denn von uns?
Albertus. Euch hier behalten.
Rebekka. Zn welchem Zweck?
Albertus. Ihr sollt im Hanse walten,
Durch Eure Schönheit meinen Tag verschonen,
Mein Ohr erfren'n mit holden Zanbertönen,
Und kommt die Nacht, den Becher mir kredenzen Und mit der Liebe feuerroten Rosen Mein Herz umschlingen und mein Haupt bekränzen. Rebekka (für sich). Verrückt!
Theresia (ans Fenster eilend). Mich dünkt, ich sehe Frühlicht glänzen.
Rebekka (zu Albertus). Sehnst Du Dich wirklich, noch mit uns zu kosen?
Albertus. Genau betrachtet, nein. Doch könnt's mich reuen, Wünscht' ich Euch später her und hielt' Euch jetzt nicht fest.
Ein Heplein, das man sich entschlüpfen laßt,
Fängt man nicht leicht zum andernmal von neuen. Theresia. Ich komm' heut' nacht zurück!
Rebekka. Und übermorgen ich!
Albertus. Schon recht. Doch weit entfernt ist gut vor
Hieb und Stich.
Rebekka. Bist wirklich solcher Weiber noch nicht satt,
Wie ich eins bin und diese Uleine?
Albertus. Zu rasch gewöhnt der Mensch sich ans Gemeine —
Besonders, wenn es solche Reize hat . . .
Rebekka (ihn unterbrechend). Mein Reiz ist fatsch!
Theresia (wieder am Fenster). Mich dünkt, die Hähne kräh'n.
Albertus (barsch). Und endlich will ich meine Macht erproben. Was ich befehle, soll gescheh'n!
Ihr sollt gehorchen und den Meister loben!
Rebekka (mit Entschiedenheit). Jetzt, Base, gilt es Hals und Uragen!
In wenigen Minuten muß es tagen. (Leiser.»
Dort steht die Flasche noch. Wir wollen uns bestreichen. Dann können wir, znm Trutz ihm, doch entweichen.
Theresia. Welch wunderbarer Einsall ohnegleichen! (Beide eilen zum Herde.)
Albertus (der ihnen znvorgekommen ist und die Flasche ergriffen hat». Haha! (Zerschellt die Flasche auf dein Herd.) Wie leicht ist solch ein Glas zerschlagen!
Da liegt die Scherbe und Rer Saft verdampft! Theresia sznsammenknickend). Das ist mein Tod!
Rebekka (ebenso). Jetzt bin ich ganz verloren!
Theresia. Wie wird mir! Ach! (Hüllt sich in ihren grauen Schleier und kriecht dicht an den Herd heran.)
Rebekka. Mein Herze krampst
Sich jämmerlich zusammen, wie mein Leib! (Wickelt sich in ihren Shawl und drückt sich neben den Herd.)
Theresia. Verwünschte Lust!
Rebekka. Verfluchter Zeitvertreib!
Theresia (aufschreiend). Es kräht der Hahn! (Berkriecht sich
zwischen dem Herd und dem Tisch davor links.)
Rebekka (außer sich). Das Frührot läßt sich sehen!
Albertus (während man ans verschiedener Entfernung Hahnenkraht vernimmt). Fürwahr, es kräht!
Rebekka und Theresia. Nun ist's um uns geschehen!
(Sie verbergen ihr Angesicht ans dem Boden und verkriechen sich hinter dem Herde. Es dämmert. Während der ff. Worte des Albertus er lischt eine Lampe nach der anderen, lautlos versinkt etwas später das Tischlein deck' dich. Fahles Licht. Biele Hähne krähen rundum.)