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Deutschland.
Seite 547.
Albertus. Versinke, Freudenmahl! Löscht ans, ihr Lichter! Im Werktagskleid erscheine, stille Kammer!
Es graut der Lag. Es kommt der Katzenjammer. Macht nicht zu grämliche Gesichter!
Steht ans! Seid froh! Fern bleibe Ren' und Leid! Und da Ihr, schon als Weiber, eitel seid,
Trost' Euch die Überlegung notgedrungen:
Wär't Ihr nicht schon und reizend alle beid',
Ich hätt' Euch hier zu bleiben nie gezwungen.
Rebekka < kommt hinter dem Herd hervor mit ganz verändertem Gesicht, ein dickes, ältliches Weib, und koinmt auf ihn zn).
Das könnte wirklich mir zum Trost gereichen!
Albertus. Gerechter Gott, was ist das für'n Gesicht!
(Th. — Alb. R.)
Rebekka. Missfällt Dein Schätzchen Dir bei Tageslicht? Albertus. Das war der blödeste von meinen Streichen! Theresia (erhebt sich gleichfalls, nicht alt, aber fahl, hohläugig, leichenhaflm Ich weiß noch immer nicht, was Liebe sei.
Albertus (entsetzt zurücktaumelnd). Heilige Mutter Anna, steh' mir bei!
Theresia «dicht an Albertus herantretend,. Dem starken Herrn gehorcht die Magd, die schwache.
Doch srent sie sich der selbstgeschasf'nen Rache (lacht). Albertus (sich von einer nach der ander:: abkehrend). PsmU . . . Pfui!
Rebekka. Du darfst, wenn erst die Hähne krähen,
Der Hexe nicht mehr ins Gesichte sehen!
Albertus. Hol' Euch der Satan! Fort, verwünschte Wesen! Ich dnld' Euch nicht! Da, hier ein Stock, ein Besen! Ihr könnt noch reiten, macht Ihr Euch dies falbe, Däinm'rige Zwielicht rasch zn Gunsten.
T he re sia (am Herd). Ich sah den letzten Tropfen Deiner Salbe Aus diesem Stein zerfließen und verdunsten.
Hast Du noch mehr, als hier verraucht?
Albertus. Weh' mir! Ter letzte Borrat ward verbraucht! Rebekka. So brau' sie neu!
Albertus. Das fordert mehr als Wochen.
Rebekka (finster). So ist das Urteil für uns drei gesprochen. Theresia (zudringlich). Ich bleibe gern . . . weil ich in Dich verliebt.
Rebekka. Ich, weil ich muß! . . . (Giebt ihn: einen Stoß.) Schass' mir ein Kleid von Seide,
Ich bin's gewöhnt! Auch Perlen und Geschmeide! Theresia (will sich an Albertus schmiegen). Mit den: zufrieden, was die Liebe giebt,
Verlang' ich Liebe nur zn allen Tagen.
Liebst Du mich noch?
Albertus. Der Teufel hol' Euch beide!
Könnt Ihr nicht reiten mehr, so fahrt zn Wagen!
Ich send' Euch heim.
Rebekka. Soll mich mein Mann erschlagen?
Theresia. Soll inan auf offnem Markte mich verbrennen? Rebekka (in Thränen). Du schlechter Mensch!
Theresia (ebenso). , Du Schuft!
Albertus. Hört auf zn flennen!
Rebekka. Was nimmst Du Dir für einen Ton heraus? Respekt vor mir, ich bin die Frau vom Haus!
Theresia (ihr entgegen). Die Frau bin ich!
Rebekka (schreiend). Was?
Theresia (ebenso). Die Gebieterin!
Rebekka. Verlaufne Dirn', Dir zeig' ich, was ich bin! Theresia. Man sieht's ja, was Du bist, Du alte Bettel! Rebekka. Tu Zuchthausbesen, lebst schon lang' vom Bettel!
Albertus (zwischen beide). Wollt Ihr wohl still sein?! Rebekka (zu Albertus). Diesen blonden Fetzen
Mußt Du, mein Schatz, gleich vor die Thüre setzen.
Albertus. Seid still!
Theresia (die Gelassene spielend).
Ich bin ja still. Die Bettel, dick und alt,
Stellst Du, mein Freund, das weiß ich, heut' noch kalt.
Rebekka. Was? Mich?!
Theresia. Ja, Dich!
Rebekka (ergreift einen Stecken). Das geht Dir an den Kragen! Theresia (entreißt ihn ihr). Den Stecken her! Jetzt wirst Du totgeschlagen! (Rebekka nimmt einen anderen. Beide gehen auseinander los und schlagen zu.)
Albertus. Gebt Ruh'!
Rebekka. Han hin!
Theresia. Han her!
Rebekka. Da nimm!
Theresia.
(Geraufe und Getöse.)
Da hast!
10. Scene.
Die Vorige». Kobus. Es tagt. Volksgeräusch noch leise von
draußen hörbar.
Kobus (eilt durch die Thür herein, zwischen den zuschlagenden Hexen hindurch auf Albertus zu). Verzeih', wer ist denn heut' bei Dir zn Gast?
Albertus. Du hier?
Kobus. Glaub' nicht, daß ich ans Neugier spüre!
Es wälzt sich her ans allen Gassen,
Die Leute sammeln sich vor Deiner Thüre.
Man guckt, man horcht, man stellt sich auf die Zehen, Man raunt sich zu, hier sei der Teufel kos Und drohe Dir den Nacken umzudrehen.
Albertus. O, lieber Kobus, meine Not ist groß!
Kobus. Herr, Deine Not ist größer als Du denkst.
Wenn Du nicht jene (nach den Hexen winkend) durch den Ranchfang schwenkst,
Wird Dir der Pöbel (nach außen deutend) gleich das Dach abdecken,
Das Hans an allen vier Enden anstecken.
Theresia (auf Kobus losgehend). Was will denn der?
Kobus. Die sieht ja scheußlich ans!
Rebekka. Hinaus, Du Lump!
Kobus. Die da, verfettet und verzwergekt!
Die dort wie ansgeronnen, abgemergelt . . .
Theresia. Ich herrsche hier!
Rebekka. Ich bin die Frau vom Hans! (Hauen
auf ihn ein.)
Kobus (flüchtend, zu Albertus). Du hast Dir ja was Feines ausgesucht!
Theresia (ihn verfolgend). Du Schinderbraten!
Rebekka (ebenso). Galgenfrncht!
Kobus (flüchtet zum Herde, zn Albertus). Herr, hilf mir!
A lbertn s. Wehre Dich!
Kobus. Nimm einen Stecken!
Albertus. Ich Hab' sie selber ja ins Haus gebannt!
Kobus (um sich schlagend). Zwei alte Weiber sollen uns nicht schrecken!
Rebekka (Kobus überwältigend). Na, wart' Du!
Theresia. Schlag' ihn tot, den Gecken!
Rebekka (während sie den Kobus festhält, zu Theresia). Den Bratspieß flink ihm durch den Leib gerannt!