Heft 
(1889) 33
Seite
548
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Seite 548.

Deutschland.

33.

Theresia (zu Rebekka). Heb' ihn zum Herd! Gleich ist der Hund verbrannt!

(Sie wälzen ihn auf den Herd. Er hält sich am Rande festz um nicht in die Glut gerollt zu werden- da bleiben ihn: zwei Backsteine in den

Händen.)

Kobns (schreiend). Zu Hilf'!

Albertus. Das ist zu viel! «Packt die beiden Weiber.)

Theresia. Er soll uns büßen!

Rebekka. Und brennen!

Albertus. Schweigt und sinkt zu meinen Füßen!

(Es geschieht.)

Kobns (ans den: Herde, in jeder Hand einen der Steine, die er zur Berteidigung abgebrochen hat». O Herr, was hast Du nun vom Hexensang!

Mir war umsonst nicht um Dich bang.

Leicht lockt die Hexe man ans seinen Schoß;

Doch klebt sie erst, wird man sie schwerlich los. «Stärkeres Getöse vor den: Hause.)

Rebekka (springt auf,. Was ist denn das?

Kobns. Das Volk wird ungeduldig.

Theresia. Weh' mir!

Rebekka. Weh' uns!

Albertus (sinkt auf einen Stuhl). Weh' dem, der schuldig! Stimmen des Volkes (von drangen>. Wollen uns an die Feilster schwingen

Das geht nicht zu mit rechten Dingen

Hörte sie schelten

Wie sie sich balgen

Laßt sie's entgelten

Jawohl, am Galgen!

Rebekka. Hörst Du, sie wollen uns alle hängen!

Volk. Brennen und sengen!

Sengen und brennen!

Theresia. Könnten wir nur von dannen rennen!

«Mau hört über dein Murren des Volkes Glockengeläut«: und heiligen

Gesang.)

Rebekka (erschrickt noch mehr). Was ist nun das?

Theresia. Mich dünkt, das ist Gesang.

Rebekka. Was soll uns der?

Theresia. Ah, auch noch Glockenklang!

Rebekka. Äh! Weihranchduft belästigt meine Nase!

Theresia. Weihwasser auch! Bedeck' mich, liebe Base!

(Kauern sich ängstlich vor den Herd, auf dein Kobns sitzen blieb. Man hört daS Krachen eingeschlagener Pforten und das Brausen des Volkes.)

«Schlus; folgt.)

Der I. Mai 18S0.

Bon

A. KschenScrch. «Schuch,,

III. Die Lehren des 1. Mai.

enn alles in allen: genommen an einen: Tage rund eine Million arbeitender Menscher: die Arbeit nicderlegt, um damit einem Gedanken Ansdruck zu geben, und zwar zugleich in Verbindung mit dem Opfer des Verzichts ans Erwerb für diesen Tag, so ist das immerhin eine Kundgebung, mag sie auch noch viel gewaltiger gewollt und möglich sein, die auch den oberflächlichsten Kopf zum Nachdenken zwingen wird. Und in der That können denn auch sowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer aus dem Verlauf des Tages der Lehren Hülle und Fülle ziehen.

Zunächst steht für die Arbeitgeber die eine gar nicht ge­nug zu schätzende Thatsache fest, daß mit Ruhe gepaarte Ener­gie auch selbst heute ihren Eindruck ans die Massen durchaus

nicht verloren hat. Ein glänzender Beweis hierfür ist der Er­folg des durch einige besonders weitblickende Fabrikinhaber in­augurierten Beschlusses der Berliner Eisenindustriellen, jeden nicker Kontraktbrnch feiernden Arbeiter sofort zu entlassen und vor Ablauf einer bestimmten Frist innerhalb des Verbandes keinenfalls wieder anzunehmen, ein Beschluß, ohne den zweifellos ganz andere Scenen vorgekommen sein würden, als es so glücklicherweise der Fall gewesen. Es kann nimmermehr den Arbeitgebern verdacht werden, wenn auch sie ihrerseits das Koalitionsrecht ausüben, wie es den Arbeitern zugestanden ist und auch bleiben soll, und desgleichen sind die Industriellen nur einfach in ihren: Recht, wenn sie auch ihrerseits vom Ar­beiter die Anerkennung einer gewissen Verpflichtung dem Eta­blissement gegenüber fordern und sich nicht damit einverstanden erklären, sich einfach zum Spielball der Launen ihrer Arbeiter machen zu lassen. Ferner kann die Arbeitgeber der Umstand nur mit bester Zuversicht erfüllen, daß die Besonnenheit bereits so tief in den Kreisen der Arbeiter heimisch ist, daß sie die Gelegenheit, in mehr oder minder turbulenter Weise ihre Wünsche znm Ausdruck zu bringen, in weitaus überwiegender Mehrzahl energisch abgewiesen und denFührern" zu verstehen gegeben haben, daß sie als blinde Werkzeuge zu dienen nichts weniger wie gesonnen sind. Aber auch nach der andern Seite hin dürfen die Arbeitgeber der Bewegung gegenüber die Äugen nicht des­halb verschließen, weil dieselbe glücklicherweise so verlaufen, wie es geschehen. Mit vollstem Recht warnte ein leitendes Blatt der Hauptstadt am Tage nach dem Feste vor eine»: solchen Beginnen. Denn darüber ist auch nicht die geringste Täuschung möglich, daß man den Kampf und das Ringen nach besseren Existenzbedingungen seitens der Arbeiter nach wie vor bei jeder Gelegenheit weitersühren und vor allein allerdings auf die Herabsetzung der effektiven Arbeitszeit weiter bestehen wird. Und je eher man sich auf dieses, allem Anschein nach für die Dauer doch unabwendbare Geschehnis praktisch einrichtet, desto besser; die Thatsache der Verkürzung der Arbeitszeit in den ineisten Betriebe:: fast aller Länder um fast die Hälfte der Dauer seit den letzten acht bis nenn Jahrzehnten scheint dafür zu sprechen, daß allerdings ei:: stetiges Sinken der Arbeitszeit historisch berechtigt und begründet ist, - eine Annahme, die dadurch um so gerechtfertigter erscheint, als sic ziemlich genau mit der Entwickelung des Maschinenwesens konform zu gehen und mit derselben zusammenznhüngen scheint, lind in der That kann die Forderung: acht Stunden Arbeit, acht Stunden Er­holung und acht Stunden Schlaf, an sich nicht als ganz un­begründet abgewiesen werden, wein: inan das Tagewerk der nicht-handarbeitenden Klassen niit dieser Forderung vergleicht. Gesetzt, der Arbeiter beginnt nin sechs Uhr auf der Arbeits­stelle zu arbeiten, eine Annahme, die durchschnittlich zutreffei: wird, so muß er durchschnittlich eine Stunde vorher aufstehen, da er neben Anzug, Frühstück n. s. w. meist, und zwar na­mentlich in den größeren Städten, einen halbstündigen Weg zurückzulegen hat. Nachdem er drittehalb Stunden gearbeitet hat, ruht er eine halbe Stunde, um alsdann bis zur Mittags­zeit drei Stunden weiterznarbeiten. Nach ein- bis anderthalb- stündiger Mittagspause beginnt er um eil: bezw. cinhalb zwei Uhr wieder sein Tagewerk, um es durch drittehalb bezw. drei Stunden hindurch zu Ende zu führen und sich gegen den Spät­nachmittag auf den Heimweg zu machen. Alsdann würde er, will er acht Stunden Schlaf genießen, noch bis nenn Uhr Zeit haben, um dieselbe seiner Familie oder einer nebenherlaufenden Beschäftigung zu widmen. Dieser an sich zweifellos die Billigung jedes gerecht Denkenden findende Zeitplan leidet allerdings an zwei Hauptmängeln: einmal, daß zahlreiche Ar­beiter einen außerordentlich große:: Teil ihrer Zeit in der: Kneipen zubringen und zweitens, daß die meisten allerdings ein sic fesselndes Heim nicht haben, bezw. unter der: heutigen Verhältnissen leider nicht haben können. Und hier spielt eben in diese Frage die fernere derFrauen- und Kinderarbeit" mit hinein. So lange es noch zahllose Industriezweige giebt, welche die in ihnen beschäftigten Männer und Familienhäupter