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Spieler nicht aus seiner Haut herauskann und in der heimatlichen Mundart mit ihren charakteristischen Kehllauten verbleibt. Wenn ein solcher Sprecher etwa sagt: „Das ischt meini Pfliacht!" so trifft er dabei ganz vorzüglich den eindringlichen Ton der festen Entschiedenheit. Sonst aber haben die Hauptspieler — auch der vielgerühmte Christnsdarsteller, der jetzt im achtundvierzigsten Jahre steht und znm drittenmal den Christus giebt, sei nicht ausgenommen — die Neigung, was in ihnen ganz deutlich zur schlichtesten Auffassung drängt, zu durchbrechen, als schämten sie sich ihrer ursprünglichen Einfülle. So wird der milddemütige Jesus manchmal zu einem theatralisch-schmerzhaften, die Maria, diesmal von der Tochter des Bürgermeisters Lang, des künstlerischen Leiters der Passionstragödie, dargestellt, zu weinerlich, und der Judas (Maler Zwink) fehlte derart gegen die Regeln Hamlets, daß es nicht allein uns Leuten von der Feder, , die wir zur Hauptprobe geladen waren, störend anffiel, sondern daß auch das nachbarlich- bäuerliche Publikum, wie ich bemerkte, verstohlen zu kirchern begann. Vorzüglich gewandte Sprecher giebt es aber auch, wie der Sprecher des Nathaniel (Sebastian Lang) einer ist. Aller Drill kann eben nicht das stärkere und geringere Maß von Begabung zur gleichen Durchschnittsleistung zwängen. Wo bei den Ammerganern das „verhältnismäßig" für mich aufhört, da beginnt ein niedrigeres Gebiet der Kunstpflege. Wo sie lebende Bilder stellen dürfen, da offenbaren sie wirklich, daß in dem ganzen Körper, der Hunderte von Personen umfaßt, ein echter Sinn für plastische Wirkungen, für Schönheit und Charakter steckt. Nicht alle Bilder sind gleich gelungen, aber einzelne bauen sich wirklich mit ihren Kinder-, Frauen- und Männergrnppen zu voller Lebendigkeit ans, so die Bilder: Der Herr giebt dem Volke das Manna und die Weintrauben ans Kanaan, oder das Bild vom verspotteten Hiob und vom verhöhnten Samson. Die Abendmahlscene und die Kreuzabnahme zeigen in der Anordnung eine Ähnlichkeit mit den Meisterwerken da Vineis und Rembrandts. Seltsam sind mitunter auch im einzelnen die Widersprüche in der Darstellungsweise. Wird die Geißelung Christi in idealisierender Zartheit angedentet, so wird in der Kreuzabnahme ganz entgegengesetzt gearbeitet. Der Landsoldat stößt dem Gekreuzigten die Lanze ins Herz und ans dem Behälter in der Lanze spritzt die blutrote Flüssigkeit hervor, die sich über das Trikotgewand des Spielers ergießt; und die zartesten Dämchen, die sonst nicht genug über die Peinlichkeit in der modern-realistischen Kunst plaudern können, werden bei diesem Schauspiel nicht vor Entsetzen die Hände über den Kopf znsammenschlagen.
Weltklng haben die Ammergauer diesmal noch mehr als früher dem internationalen Zug nach blendender Ausstattung der Schauspiele nachgegeben. Zwar sind ihre Kostüme nicht so stilecht, wie die der Meininger; wenn inan es sagen könnte, so möchte ich aussprechen, sie sind „verhältnismäßig" echt, das heißt, sie zeigen das Streben nach Pracht und Treue. Die Dekorationen, von Burkhardt in Wien gemalt, wären ähnlich zu beurteilen. Das Theater selbst ist ein Holzbau, wie die früheren auch. Der Znschauerraum zeigt eine einfache gedeckte Halle, an die sich zur Bühne absteigend die Sitzbänke unter freiem Himmel anschließen. Man sieht gut und man hört gut, wenigstens bei so sonnigem Wetter wie in diesen Tagen. Die Bühne, von Herrn Lautenschläger ans München aufgebaut, erscheint für die Passionsspiele glücklich angeordnet. (Die Zn- sammenwürfelung der Stile darf man nicht zu streng nehmen.) Der Mittelbau hat die Form eines korinthischen Tempels, daran schließen sich römische Thorbogen, die Einblick in die Straßen Jerusalems gestatten und durch die das Volksgetümmel sich auf das Proseenium erweitern darf. Daran reihen sich die Häuser des Pilatus und des Hohenpriesters Annas, so daß die Vorstellungen Christus vor Pilatus uud vor Annas in aller Massenhaftigkeit sich entfalten können, da das weite und breite Proseenium für das Volkstoben Raum genug gewährt. Kolonnaden, von denen ans der Chor aufs Proseenium tritt, machen den Abschluß. Im ganzen etwas Shakespeare-Bühne
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nach Münchener Recept verquickt mit den Ideen der Nachbildung der antiken Bühne. Der Text ist der alte, von dem Benediktiner Ottmar Weiß 1815 neu gegebene und von Draisen- berger 1860 umgearbeitete geblieben. Än den Chören hat man verschiedentlich gebastelt; neue Versfüße geformt, manche Trivialität, leider auch manches ganz naive Wort ausgemerzt. Aber die Handlungen sind zu wortreich geblieben, sie leiden an zu langen Monologen und zu vielen Wiederholungen einzelner Motive. Das Spiel wird dadurch bis zur äußersten Abspannung der Zuhörer in die Länge gezogen und der alte Gedanke, den Gang der Begebnisse und ihre symbolische Bedeutung für den Weltlanf so eindringlich, als möglich, zu predigen, hat heute seine Berechtigung verloren, da man zum großen Teile vor einem internationalen, moderner: Publikum spielt und der Vorwand, man wolle kein Schaustück, kein ästhetisches Kunststück darbieten, sondern der Andacht eine Stütze leihen, unhaltbar geworden ist. Die Andacht braucht keine Stütze, wenn sie über einen Menscher: kommt, und die ästhetische Erbauung setzt möglichst vollkommene Kunstübnng voraus. Die drei Abteilungen sind bekanntlich in siebzehn Vorstellungei: eingeteilt, davon jede einzelne parallel ein Bild und eine Handlung zeigt, das Symbol und den dramatischen Vorgang. Die Symbole sind aus den ergrübelten und erzwungenen Erklärungen der Scholastiker hervorgegangen. Der Chor beispielsweise tritt vor und singt von der trauernden Sulamith, die um ihren verlorenen Bräutigam weint, wie die Kirche nach ihrem Erlöser sich sehnt. Während des Chorgesanges teilt sich der Vorhang und man sieht die Scene aus dem Hohenlied als lebendes Bild. Dann folgt das korrespondierende Drama Christus zu Bethania. So reiht sich in gleicher Folge eine Beziehung aus dem alten Testament auf einen gesprochenen Vorgang aus dem neuen, wodurch der lehrhaftpredigende Zug des ganzen Spiels zun: Schaden freier ästhetischer Wirkung besonders lebhaft hervortritt. Über Spiel, Publikum und Spieler noch einiges in einen: nächsten Aufsatz.
In eigener Sache.
Frau engedanken über Tolstojs „Krentzersonate."
Voll
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allerlei —isten die sogenannte „neue Kunst" ent- deckt haben, beschäftigt sich auffallenderweise die Mehr- zahl der Schriftsteller beinahe ausschließlich mit Ehe- fragen und Frauenschicksalen.
Ibsen predigt die „wahre Ehe," Björnson die unbedingte Keuschheit, Strindberg die unbedingte Unkeuschheit, und Tolstoj die völlige Abtötung des Fleisches.
Mit aller Gewalt möchte man uns durch verschiedene, mit mehr oder weniger Talent entwickelte Theorieen glücklich machen, und jeder dieser freundlichen Theoretiker glaubt seine Methode Preisen zu dürfen als alleinseligmachend und jedes Mißverständnis zwischen Weib und Mann vollkommen aufhebend.
Wäre es nicht richtiger zu versuchen, uns, die Meistbeteilig- ten, selbst um unsere Meinung zu fragen? Wir besitzen allerdings nur einen bescheidenen Frauenverstand und können keine geistreichen Kritiken und schönklingenden Phrasen machen; aber schließlich sollte es doch jedem gestattet sein, in seiner eigenen Sache ein Wörtlein mitzureden.
So dachte ich, während ich das kleine und doch so inhaltsschwere Buch Tolstojs — die Kreutzersonate — las. Und dann griff ich zur Feder um meine bescheidenen Gedanken niederzuschreiben, auf die Gefahr hin, von den Männern ausgelacht zu werden. Allein, was macht das ans? Die Frauen — die Mehrzahl der Frauen wenigstens — werden mich sicherlich verstehen und mit mir fühlen.
Deutschland.