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Deutschland.
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so wehren sie sich bis auf den letzten Mann;" wie ergötzlich wirkt es, wenn eben dieser Tutu der Prinzessin Zoraide den väterlichen Rat erteilt: „Zoraide, geh', mach' der G'schicht ein End' und nimm ihn, denn sonst bleibst am End' doch sitzen. Es ist noch allen so gegangen, die gar so herumg'sucht haben;" unwiderstehlich aber wird die Komik, wenn im „Mädchen aus der Feenwelt" von den Geistern nicht nur gewienert, sondern gar noch — geschwübelt wird.
Bei solchen verkappten Wiener Geisterkönigen fühlen sich natürlich echte Wiener Kleinbürger ganz heimisch. Sie erstaunen wohl anfangs über manches Fremde, was sich ihren Blicken bietet, aber hernach sind sie im Geisterreich wie zu Hause; sie treiben ihr Wesen, wie sie's daheim nicht anders thun könnten und bezeugen in jedem ihrer Worte, daß wienerisch Blut in ihren Adern fließt. Diese Wiener, die zu den Geistern verschlagen werden, sind von Raimund unübertrefflich charakterisiert, dem wahren Leben auf das glücklichste entnommen und nachgebildet. Bei ihnen atmet alles Naturwahrheit und Frische; mit allen 'Fehlern und aller: Tugenden der Wiener sind sie behaftet; ein paar Worte von ihnen genügen, um uns Wiener Leben und Wiener Art vor die Augen zu zaubern. Jetzt geben sie sich leichtsinnig und jetzt unerschütterlich treu, bald sind sie habgierig, bald herzensgut; immer aber bleiben sie lustig und fidel, niemals machen sie sich viel Skrupel über das Leben, sondern nehmen es, wie es gerade kommt; über Sorgen helfen sie sich mit einem Scherzworte hinweg, zu allen Zeiten haben sie eine wienerische Redensart zur Hand; sobald sie sich aber einmal des Hochdeutschen bedienen und gleichsam aus ihrer eigenen Haut herausfahren, büßen sie ein gut Teil Originalität und Liebenswürdigkeit ein: ihre Natürlichkeit geht verloren, sie werden geschraubt und geziert.
Und damit ist die Grenze von Gelingen und Mißlingen der Kunst Raimunds überhaupt gesteckt. Er kann stets da seines Erfolges sicher sein, wo er das Leben schildert, welches er selbst gelebt und wahrhaft geschaut hat; aber seine Kraft versagt, wenn er sich in Sphären bewegt, die ihm fern liegen; meisterlich sind die sämtlichen Figuren, die nichts anderes vorstellen sollen, als eingeborene Wiener; aber schwach und farblos sind die Personen, die ein gewühltes Deutsch sprechen und einen Anflug von unnatürlicher Feinheit und Vornehmheit haben. Deshalb stehen unter seinen Werken auch diejenigen voran, in denen das wienerische Element überwiegt; deshalb erscheinen uns die drei Stücke, in welchen die Handlung mehr den Geistern als den Menschen zugehört, als die wenigst gelungenen: „Die gefesselte Phantasie," „Moisasurs Zauberfluch" und „Die unheilbringende Krone." Von ihnen haben denn auch die wenigsten etwas gehört; aber die echten Wiener Volksstücke: „Der Barometermacher auf der Zauberiusel," „Der Diamant des Geisterkönigs," „Der Bauer als Millionär," „Der Alpenkönig und der Menschenfeind" sind vielen eine Quelle reinsten Genusses gewesen, und wer gar den „Verschwender" in guter Darstellung gesehen hat, ist sicherlich ein aufrichtiger Verehrer Raimunds geworden.
Man kann den Weg genau verfolgen, den Raimund zurück- gelegt hat, um von den Anfängen seiner Kunst bis zu dem glücklichen Ende zu gelangen. Denn was im „Verschwender" erreicht ist, sehen wir in den früheren Stücken angebahnt; eine bestimmte Reihe bestimmter Wiener Volkskinder führt uns zu dem Höhepunkt Raimund scher Charakteristik, zum Valentin und seinem Rosel; eine leicht übersehbare Gruppe von gleichen Motiven ist in seinen ersten Stücken wie in seinen letzten wieder- zufiuden; aber was dort vorgebildet war, wird hier vollkommen gemacht und ausgestaltet. Die Elemente sind dieselben geblieben, aber ihre Zusammensetzung ist eine andere geworden. Ein voller Beweis der schöpferischen Kraft Raimunds ist damit gegeben: trotzdem die Werke der zwanziger Jahre gegen das letzte zurückstehen müssen, vermögen sie doch neben dem Meisterstück in größten Ehren sich zu halten, sind sie doch von eindringlicher Wirkung. Die Lebenskraft, die ihnen inncwohnt, kann nicht schwinden, weil sie durch den Kern von Raimunds
Lebenslehren gebildet wird. Diese aber sind eins mit dem, was was Volk denkt und für gerecht erkennt: daß man ein treu Gemüt uud kräftigen Verstand über alles andere im Leben setze und dafür in gutem Bewußtsein seinen Lohn finde. Treue und Ehrlichkeit im Kampfe gegen böse Mächte, Tugend und Liebe, die durch Marterqualen und Prüfungen den Weg zur Erlösung und zum Glück finden, Schlechtigkeit und Niedertracht, die von Herzensgüte und Edelmut verdrängt werden - um sie dreht sich die Handlung von Raimunds sämtlichen Stücken, die doch niemals bei ihrer alltäglichen Moral: „Tugend findet froh den Lohn" platt oder gar langweilig werden.
Bewegt sich „Der Barometermacher auf der Zauberinsel" noch vorwiegend im reinen Märchenstil, so sehen wir schon im „Diamant des Geisterkönigs" die Handlung ans jene Motive zngespitzt; um eine diamantene Statue — also äußerlichen Besitz — zu erlangen, zieht der Zauberersohn Eduard mit seinem Diener Florian aus; um sie bittet er den Geisterkönig. Als er aber dann für die Statue seine geliebte Amine hingeben soll, will er von dem diamantenen Gute nichts mehr wissen, wendet sich voll Wut gegen das erstrebte Kleinod — bis er erkennt, daß der Diamant des Geisterkönigs das Mädchen selbst ist: und so wird innerer Reichtum, die reine Liebe eines keuschen Geschöpfes als der köstlichste Edelstein gepriesen. Mit entzückender Liebenswürdigkeit ist diese einfache Geschichte durchge- führt, und Raimunds Humor feiert in den Gestalten von Florian Waschblau und dessen Mariandl bereits einen vollen Triumph; Florians Treue ist mehrfach rührend; er verläßt, um mit seinem Herrn durch dick und dünn zu gehen, sein geliebtes Mariandl, „sein Zuckerkandl," und scheut nicht davor zurück, einen gefahrvollen Zauberberg zu ersteigen; hier wird ihm seine Treue znm Verhängnis: als er sich umfchaut, weil er glaubt, die Stimme Mariandls zu hören, wird er in eine Tiergestalt verwandelt; als treuestes Tier, als Pudel, spriugt er an seinem Herrn empor, dem es endlich gelingt, den Bann zu lösen. Nun wird Florian vom Geisterkönig selbst znm ferneren Begleiter Eduards bestimmt; jedem Mädchen, dem sie begegnen, soll Florian die Hand reichen: hat dasselbe noch nie gelogen, so wird über Florian ein Wohlgefühl der Seligkeit kommen, ist es aber nicht mehr rein, soll Florians Hand zucken und schmerzen. Da giebt es nun die possierlichsten Scenen, wenn Florian immerfort Zuckungen in seiner Hand verspürt und immer wieder in gespaßigen Reden über die Verderbtheit und Verlogenheit des weiblichen Geschlechts Klage führen muß.
Die Treue und die aufopferungsfähige Liebe hat Raimund auch im „Mädchen aus der Feenwelt" verherrlicht. Wie im „Diamant des Geisterkönigs" wird in diesem unter dem Namen „Der Bauer als Millionär" bekannt gewordenen Stücke die Wahl zwischen Besitztum und Liebe eröffnet; aber während dort nur eine Person in die Versuchung geführt wird, Reichtum über inneres Glück zu stellen, bieten sich hier drei Menschenkindern aus der einen Seite reiche Schütze, auf der anderen Zufriedenheit und behaglicher Wohlstand. Glücklich besiegt das Liebespaar Karl und Lottchen die lockende Stimme, die ihnen zuruft, ihre Treue zu brechen und ihre Liebe dem Gelde zu opfern; widerstandslos zeigt sich dagegen der Bauer Fortuna- tus Wurzel; er hat ein frohes, stilles Leben geführt, ist aber dann durch einen glücklichen Zufall zu Reichtum gelangt und verliert nun, weil er die Bescheidenheit außer acht läßt, die rechte Freude am Dasein. Erst, als er durch bitteres Elend gegangen ist, wird er geläutert und wieder glücklich; durch und durch ist diese Gestalt der Kunst und der Weltanschauung des echten Humoristen entsprungen, welcher Ernst und Heiterkeit zu amnlgamieren versteht. Wie der plötzlich reichgewordene Bauer, der über seinen Reichtum die Liebe zu seiner Pflegetochter erkalten läßt, mit Schwelgereien seine Tage verbringt und eine Schar elender Schmarotzer um sich versammelt, mit einemmal seine Schätze und seine Jugend zugleich einbüßt und nun als grauhäuptiger Aschenmann durch die Dörfer zieht mit dem eintönigen Ruf: ,,eiu' Aschen" — das ist ganz genial erfunden