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Nr. 44 .
Erscheint äonnabrnds
und ist in der Pvst-Zeitungsprcisliste unrer Nr. 1738 eingetragen.
Berlin, den 2. August.
Abonilkmeiltspreis
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Inhalt: Ein anstößiges Verhältnis. Die Geschichte zweier reinen Seelen. Skizze von E. von Wald-Zcdtwitz (Fortsetzung). — Zur Reform des medizinischen Studiums in Deutschland. Bon Mediens- — Die Meineide in Deutschland. Von Ludwig Fnld. — Frcmdenpolizei. Von Heinrich Kana. — Lebensgemeinschaften. Von iw. Theodor Jaensch (Fortsetzung). — Über Popularisierung der Wissenschaften. Von vr. Paul Otto Schmidt. — Ein Vorläufer Ibsens. (Söven Kierkegaard.) Von Franz Servaes. — Das Ober- ammcrgau der Hillern. Von F. M. — Kleine Kritik.
Die E»e schichte zweien meinen Seelen.
Skizze
von
G. von Mald-Zedtrvih. (Fortsetzung.)
II.
kam der Sommer. Für die beiden Dobenecks de- stand sein hauptsächlichster Reiz darin, daß sie nicht mehr so viel Geld für Holz, Kohlen und Petroleum auszugeben brauchten und daß Christa, da sie nicht mehr gezwungen war die Ofen zu besorgen, weniger Arbeit hatte.
„Das ist ein doppelter Nutzen, Mutter, wir geben weniger aus, und ich verdiene mehr."
Die Pastorin sah über ihre große Hornbrille zu ihrer Tochter hinüber.
„Du darfst Dich nicht so anstrengen, Christa."
„Nein, nein."
Frau Dobeneck ging mit einem großen Gedanken um. — Sie Hütte Christa gern einmal eine Zerstreuung im Freien gegönnt. Wie sollte sie es nur anfangen, sie dazu zu bewegen? — Halt, jetzt wußte sie's.
„Nun haben wir wieder Mai, Christa. Bei uns hier oben merkt man zwar nicht viel davon."
Christa sah nach den Blumen im Fenster. „Doch, Mutter, die Myrte macht junge Triebe, und mein Geranium sproßt die ersten Knospen."
„Ach — ich weiß nicht, mich erfaßt manchmal ein Sehnen, ich möchte mir den lieben Mai einmal draußen im Freien betrachten," entgegnete Frau Dobeneck, zum blauen Himmel blickend.
Christa nickte, sagte aber nichts, sondern berechnete im stillen, wie viele Arbeitsstunden ihr dadurch verloren gingen.
„Ihr könntet mich nächsten Sonntag —"
„Ihr?" schwebte Christa auf der Zunge. Frau Dobeneck wußte ihren fragenden Blick richtig zu deuten.
„Ich meine Dich und Herrn Berthold."
„Ja, so." Christa stichelte fleißig weiter.
„Herr Stein — eben sprechen wir von Ihnen," fuhr die Pastorin erschrocken auf, denn derselbe trat in diesem Augenblick ins Zimmer und brachte — welche Freude — zwei kleine Blumensträuße.
„Hier, Frau Pastorin! — darf ich Fräulein Christa?"
„Ach, das sind Maiglöckchen!" rief letztere so laut und so freudig, wie Berthold sie noch niemals hatte reden hören. „Ich danke Ihnen. Wo haben Sie denn die herbekommen?"
„Ein Knabe bot sie mir zum Kaufe an."
„Die muß man sich selber suchen, sie wachsen in den Wäldern — jetzt gerade — im Mai."
„Im Mai. — Richtig, wir haben ja Mai." Wie Sehnsucht lag es auf Bertholds Gesicht, und Christas Züge trugen denselben Ausdruck.
„Mutter, ja — wir wollen den Frühling besuchen-
und wenn Sie uns begleiten wollten, Herr Berthold — — davon sprachen wir eben."
„Christa!" — Er streckte ihr die Hand entgegen, aber er zog sie, wie über seine Kühnheit erschrocken, wieder zurück. „Und ich wollte — —" Er errötete wie ein Knabe. „Ich dachte am Sonntag — —"
„Ja, ja, laßt es mich nur machen. Alles fügt sich meinen Anordnungen," jubelte Christa, der Zustimmung der beiden andern sicher. — Schon am Sonnabend wirtschaftete Christa geheimnisvoll in der Küche herum, sie war auf dem Markt gewesen und mußte am Abend noch einmal einen Gang in die Stadt thun. Nun brach der Sonntag an. Die Sonne strahlte ins Zimmer, kein Wölkchen stand am Himmel, er lachte der fröhlichen Christa ins Gesicht und ins Herz.
„Es ist Zeit, Herr Berthold. Erst gehen wir in die Kirche und dann-wir werden heute im Walde speisen."