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Deutschland.
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Er kennt das gleiche sinnende Beobachten, er hat die gleiche kunstvoll ausgeprägte Art, die winzigsten Bewegungen und Äußerungen als Merkmale starker innerer Erregung, tiefen Leidens darzustellen.
In der Erforschung des Leids finden sich bei Kierkegaard der Ethiker und Ästhetiker, die sich so andauernd befehdet hatten, schließlich zusammen. Was die Moral forderte, konnte die Kunst gewähren: eine von warmem Mitgefühl durchbebte und hierdurch vertiefte Schilderung des Menschen. Kierkegaard hat sich oft über die Gegensätze in seiner Natur hinwegzuwitzeln gesucht und hat auch die Gegensätze, die die Welt ihm bot, gern satirisch beleuchtet, aber was er von einer seiner poetischen Gestalten sagt, das gilt auch von ihm: „In Spott gehüllt und darum täuschend, ist er in seinem Innersten ein Schwärmer." Um der Wahrheit nahe zu kommen und die Welt zu beglücken, hat er kein Bedenken getragen, sein eigenes Blut zu befragen und zu plagen, und er hat es schließlich dargebracht. In einem Kampf, den er für den „wahren" Christus gegen pfüffische Entstellung führte, hat er sich zuletzt derart aufgerieben, daß er in das Krankenhaus gebracht werden mußte, wo er nach wenigen Wochen starb. Sein beträchtliches Vermögen war bis auf weniges aufgezehrt; ein umfassender Wohlthätigkeits- betrieb hatte es so rasch znsammenschmelzen lassen.
^igrawme.
Von
Alfred Weis.
Auf das Heute folgt das Morgen, Drüber mußt' ich oft schon lästern: Warum folgt dem Heut' voll Sorgen Niemals doch das frohe Gestern?
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Der Lauer, er nennt's Unterhaltung, Wenn einer den andern beim Sell rafft; Des Neides, der Bosheit Entfaltung, Das nennt die Noblesse — Gesellschaft.
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poetisch schwärmten wir fürwahr Nicht so für Sonne, Mond und Sterne, N)är' dieser Himmelskörper Schar Sür uns nicht — unerreichbar ferne.
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Was man noch gestern sah verehr'n. Muß heut' am Scheiterhaufen lodern. Und was noch heute ist modern.
Läßt man gewiß schon morgen modern.
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Sie sprechen auch Wahrheit, obwohl sie sonst lügen.
Ls läßt sich auch so vortrefflich betrügen.
Wenn uns die Freundschaft schmählich auch betrogen.
Wir können wohlgemut zur Tröst'rin Liebe eilen;
Doch nimmermehr, wenn Liebe uns belogen,
Giebt's einen Lreund, der ein gebroch'nes Herz kann heilen.
Die Priesterkollegen.
Geist'ge Getränke verbieten die Hüter des Korans, doch wißt, es Eifern auch Rabbi und Mönch wider --- die geistige Kost.
Sanctum und Sanctissimum.
Vor dem Sanctum der Kirche betet in Andacht so mancher,
Daß sein Sanctissimum ihm, daß ihm der Geldschrank gedeih!
Kleines Hindernis.
Sicherlich fände so mancher den Lohn für sein redliches Streben, Müßt' er — erleben nicht auch dieses so herrliche Ziel.
Freie Bühnen unü Volksbühnen.
Von
I- M.
<^n Berlin scheint das goldene Zeitalter für das Drama endlich angebrochen zn sein. Anßer den Dutzend-Bühnen, welche schon seit Jahren den Ansschank von dramatischer Knnst betreiben, von echter und unechter, von dunkler Kunst und von Weißkunst, giebt es nun mindestens vier Gesellschaften, welche sich in irgend einer Weise mit der Hebung des Dramas beschäftigen. Der Neid, welcher im Erwerbsleben so hübsch die Konkurrenz heißt und welcher in Berlin vielleicht deutlicher als in andern Großstädten an den einander nachahmenden Firmenschildern aller Straßenecken zu sehen ist, der schöne Neid auf die ersten Erfolge hat manche große Berliner Bühne ins Leben rufen Helsen, er hat auch bei Gründung der Reformbühnen mitgewirkt. So wie ein glücklicher Lnstspieldichter oder ein viel beklatschter Virtuose sich eines Tages sagten (ein jeder zu sich selber): „Das Deutsche Theater verdankt seine großen Einnahmen nur mir, ich werde darum meine eigene Bühne bauen, den ganzen Gewinn einstreichen und außerdem noch den Hervorruf oder die Ehre davon haben" — so meinten auch mancherlei Kreise, in welchen seit Jahren von der Reform der deutschen Kunst, bald zu laut und bald zn leise, geredet worden war, die etwas zerzausten, daher um so ehrenvolleren Lorbeerkränze der „Freien Bühne" gehörten eigentlich ihnen, und die kühnen Schöpfungen mit edlen Namen wuchsen empor wie Pilze nach dem Regen. Jede dieser Kunstgründnngen hat irgend einen guten Kern, und im Interesse der Sache wäre ihnen allen Glück zn wünschen, wenn die Aufnahmefähigkeit des Publikums hierfür groß genug wäre. Ich fürchte nur, wer sich aller dieser jungen Wesen zugleich annehmen wollte, dem würde es schließlich gehen, wie einer vornehmen Dame, welche einer bekannten Anekdote nach in ihrer Herzensgüte allen vier Teilnehmern einer Whistpartie Glück wünschte. Mindestens einer pflegt aber immer zu verlieren.
Der Vergleich hinkt allerdings ganz erbärmlich, weil die Thütigkeit unserer vier Reformbühnen nicht notwendig ein Kampf aller gegen alle sein müßte, weil in der That alle vier Glück haben und Glück bringen können. Die Gruppierung aber, in welcher wir allmählich die beiden freien Bühnen und die beiden Volksbühnen zu einander treten sehen, läßt die Befürchtung aufkommen, daß da aus zufälligen Gründen Gegnerschaften und Kartelle geschlossen werden, wie das wohl den Gesetzen des gemeinen und des diplomatischen Kartenspiels entspricht, nicht aber den künstlerischen Zielen, welche in allen diesen 'Bestrebungen vor Gott und den Menschen verfolgt werden.
Der Hanptgegensatz liegt darin, daß von der einen Seite eine künstlerische Reform des deutschen Dramas durch rücksichtslose Aufführung gewagter dramatischer Versuche angebahnt wird, während die andern Gesellschaften einen Beitrag zur sozialen Reform dadurch bieten wollen, daß sie den festen Besitz des deutschen Dramas den weitesten Volkskreisen für die kleinsten Eintrittspreise zugüngig machen. Diesen Unterschied muß man sich klar machen und ihn festhalten, wenn man sich von den konfusen Reden nicht verwirren lassen will, welche jüngst bei der Begründung der neuen Volksbühne gehalten worden sind.