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Deutschland.
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Daß bei den Störungen durch die Witterung die ganze Durchführung unseres Arbeitsprogramms, abgesehen von Mehrbedürfnissen auf der einen und Minderverbranch auf der anderen Seite, auf Schwierigkeiten mancherlei Art stieß, darf nicht wunder nehmen; wir werden in der Kommission Mitteilungen über die Einzelheiten dieser Schwierigkeiten machen, hier muß ich, um Ihre Zeit nicht über die Dauer des Normalarbeitstages in Anspruch zu nehmen, zu dem zweiten Teil meiner Rede übergehen, in welchem ich leider Ihnen Mitteilungen machen muß, die auf eine unserem Staatswesen drohende Gefahr hindeuten, welcher wir mit aller Energie entgegentreten müssen.
Es hat sich nämlich in verschiedenen Teilen unseres Vaterlandes eine Unlust und ein Widerwillen bei einigen Mitbürgern gezeigt, indem sie die ihnen aufgetragenen Arbeiten nicht ausführen, sondern in anderen als den ihnen zugewiesenen Geschäfts- und Industriezweigen beschäftigt sein wollten. Wenn Sie, meine lieben Mitbürger, von solchen Vorgängen bis jetzt noch leine Kenntnis haben, so verdanken wir dies einzig und allein der vortrefflichen Organisation unseres Nachrichtenwesens und unserer Presse. Unsere mit großer Vorsicht für das Zeitungswesen ausgewählten Mitbürger veröffentlichen nichts, was auch nur den kleinsten Schatten auf unser Staatswesen werfen könnte, und gerade bei diesem Hervortreten individualistischer Neigungen, welche wir für immer aus den Grenzen Deutschlands verbannt glaubten, waren sie doppelt vorsichtig; denn das alte Wort, daß böse Beispiele die guten Sitten verderben, könnte sich auch hier bewahrheiten, und die Pest der Individualität könnte um sich greifen und unseren Staat ernstlich gefährden. Die Thatsache aber, daß sich an einzelnen Orten solche individualistische Gesinnung bemerkbar gemacht hat, ist nicht fortzuleugnen, und wir werden uns ernsthaft mit der Frage beschäftigen müssen, wie wir der darin für unseren Staat liegenden Gefahr werden begegnen können. Wir werden Ihnen Vorschläge in dieser Beziehung machen, und hoffen wir auch aus ihrer Mitte Ratschläge zu erhalten, wie dem Übel am besten zu begegnen sein wird, ob durch Milde oder durch Strenge.
Weiter aber scheint sich noch eine andere Störung in unserem Staatswesen vorzubereiten, auf welche Sie aufmerksam zu machen ich mich als verpflichtet erachte, wenn ich auch bis jetzt, trotz der Anstrengungen der mit der Überwachung der Gesinnung beauftragten Beamten, noch nicht bestimmte Personen bezeichnen kann, welche sich des Verbrechens, von dem ich jetzt sprechen werde, schuldig machen.
Es hat sich nämlich eine, wenn auch bis jetzt nur noch geringe Störung in dem Umlauf der Arbeitszettel bemerkbar gemacht. Obgleich der Konsum für jeden unserer Bürger streng vorgeschrieben und ganz dem Arbeitsverdienst entsprechend geregelt ist, so daß am Schluß des Jahres sich alle im Laufe des Jahres ausgegebenen Arbeitszettel wieder in der Staatskasse vorfinden müssen, so ist dies doch nicht der Fall gewesen, und es entsteht die Frage, wo diese geblieben sind. Die mil- destgesinnten Mitglieder der Verwaltung sind nun allerdings der Meinung, daß es sich dabei nur um Zufälligkeiten handle, daß vielleicht der eine oder der andere Zettel durch Zufall vernichtet tvorden sei, daß auch vielleicht hier und da einer der zum Rauchen beauftragten Bürger seine Pfeife oder Cigarre aus Versehen mit einem Arbeitszettel angezündet habe, kurz, daß der Abgang an Zetteln ebenso zu erklären sei, wie früher in den kapitalistischen Staaten der Abgang von Papiergeld bei längerem Umlauf; aber dieser milden Ansicht konnte sich die Mehrheit der Verwaltung nicht anschließen. Sie muß — und ich bin beauftragt, Ihnen dies mitzuteilen — ihre Ansicht dahin aussprechen, daß darin ein Auftauchen kapitalistischer Neigungen zu sehen ist, durch welches Auftauchen unserem Staate die ernsthafteste Gefahr droht. Es haben offenbar verschiedene unserer Mitbürger, die sich noch nicht ganz frei gemacht haben von den Anschauungen, welche die glorreiche Versammlung zur Herstellung unseres rein sozialistischen Staates für absolut falsch und verderblich erklärt hat, sei es durch Ein
schränkung im Selbstverbrauch, sei es durch Erschleichung, von Genossen eine Anzahl von Zetteln anfgesammelt und so den Grundstock zu einem Privatbesitz und zu einer Kapitalsaufspeicherung gelegt, wie solche durch die Artikel 6 und 74 unserer glorreichen Staatsverfassung auf das strengste verboten ist.
Noch haben wir allerdings die Hoffnung, daß es bei dem schüchternen Versuch bleiben wird, daß die Übelthäter — wir möchten fürs erste allerdings noch den Ausdruck Verbrecher vermeiden — in sich gehen und ihr gemeingefährliches Vorhaben aufgeben werden; aber auf jeden Fall und in weiser Vorsicht möchten wir Sie doch bitten, uns gleich und ohne Verzug die Erlaubnis zu gewähren, die Zahl der Gesinnungsforscher zu vermehren, damit wir endlich denen auf die Spur kommen, welche sich durch Aufsammkung der Arbeitszettel zu einer- bevorzugten Stellung in unserem Staate aufzuschwingen gedenken.
Weiter haben uns die mit der Beobachtung des öffentlichen Verkehrs beauftragten Bürger berichtet, daß einzelne unserer Mitbürger den Versuch machen, sich durch Anbringung von allerhand Verzierungen an der vorgeschriebenen Normalkleidung ein sie gleichsam auszeichnendes Ansehen zu geben und so durch eine stillschweigende Demonstration sich eine besondere Stellung in unserer Gesellschaft anznmaßen. Natürlich haben diejenigen Bürger, welche mit der Beobachtung der öffentlichen Sitte beauftragt sind, solche Versuche sofort im Keime erstickt und die Übelthäter auf den rechten Weg der gleichmäßigen Einfachheit zurückgebracht; als Symptom einer immer noch vorhandenen Erinnerung an den glücklich beseitigten kapitalistischen Staat ist aber auch dieses Gebaren einzelner nicht unbeachtet zu lassen.
Wir haben also, und dies bitte ich bei den bevorstehenden Verhandlungen nicht außer Augen zu lassen, mit dem Auftreten individualistischer Neigungen, mit den Versuchen zur Kapitalbildung und mit dem Hervorbrechen persönlicher Eitelkeit zu kämpfen, und wir werden unsere ganze Aufmerksamkeit darauf richten müssen, wie wir solche gemeingefährlichen Versuche gleich im Keime ersticken, ehe sie für unser Staatswesen eine Gefahr werden. Die Verwaltung hofft, bei Ihnen eine bereitwillige Unterstützung für alle dazu notwendigen und geeigneten Maßregeln zu finden; sie wird Ihnen ihre Vorschläge machen, ist aber auch gern bereit, von Ihnen Vorschläge in Empfang zu nehmen.
Mit diesen Worten schloß der Minister seine mit achtungsvollem Schweigen aufgenommene Rede. Vereinzelte Bravorufe fanden kein Echo in der Versammlung, und man trennte sich in trüber Stimmung, in der Vorahnung einer dem rein sozialistischen Staatswesen drohenden Gefahr. Ob es den Maßnahmen der Verwaltung gelang, diese abzuwülzen, ob und wann der Riesenbau, welcher ganz Deutschland in ein großes Treibhaus verwandeln sollte, vollendet wurde, können wir leider unseren Lesern nicht mitteilen. Der Rück-Telegraph, eine der letzten Erfindungen des zusammenbrechenden kapitalistischen Staates, welcher uns die beiden hier veröffentlichten Reden mitgeteilt, ist leider bald darauf durch ein Natur-Ereignis zerstört worden, und so sind wir ohne Nachrichten über das fernere Schicksal des Sozialistenreiches Alldeutschland.
Die 63. Versäumt««- der „Gesellschaft deutscher Naturforscher «ad Arzte."
Von
Emil Schiff.
ls im vorigen Jahre zu Heidelberg, wo die seit siebzig Jahren, seit der Begründung der deutschen Naturforscherversammlung durch Lorenz Oken in ihrer ehrwürdigen Schlichtheit erhaltenen und bewährten alten Statuten unter dem starken Einspruch eines Virchow, Helmholtz und