Damals lebte der „tüchtige Kriegslieddichter" als obskurer Feuilletonist und Trivialromancier in Altenburg. Kurz danach siedelte er nach Berlin über, wo er ab September 1848 der Kreuz-Zeitungs-Redaktion angehörte. Louis Schneider führte ihn gleich in den Tunnel ein, wo er den reaktionären Flügel merklich stärkte. Seine Aufnahme signalisierte eine größere Toleranz der Parteidichtung gegenüber, denn etwas anderes konnte Hesekiel gar nicht schreiben. Das war ein erster Schritt in die Richtung der Politisierung des Vereins.
Die Pflege der patriotischen Folklore tendiert im Nachmärz immer mehr zur Förderung der reaktionären Sache. Die volkstümliche Ballade á la Fontane oder Scherenberg wird von ihren Nachahmern unmißverständlich in den Dienst konservativer Parteipolitik gestellt. Die Entwicklung, die man durch Hesekiels Preußenlieder-Bändchen 1846, 1848 und 1849 verfolgen kann, kennzeichnet den größten Teil der dichterischen Tunnelproduktion dieser Zeit. Das patriotische Preußenlied kippt nach 1848 ins Politische um. Es ist weniger vergangenheits- als gegenwartsbezogen. Es dient kaum noch oder nur beiläufig der Popularisierung der preußischen Geschichte und der Konstituierung einer vaterländischen Bezugsthematik. Die Helden der Freiheitskämpfe 1813-15 weichen in Hesekiels drittem Preußenlieder-Bändchen den Märtyrern (Fürst Lichnowsky und Hans v. Auerswald) und Bezwingern (Prinz Wilhelm und General von Wrangel) der Revolution. Der Förderer und Freund des jungen Fontane, Kammergerichtsrat von Merckel, stellt in einem seiner Gedichte,1 0 die er 1848-1849 unter dem Eindruck der politischen Ereignisse schrieb, General von Wrangel als Aufräumer der Berliner Straßen und als die Reinkarnation des „General Vorwärts" dar und besingt ihn in volkstümlichen, pseudo-naiven Strophen:
„Den roten Dänenröcken Hast Du genug getan.
Jetzt sieh' Dir mal die Roten In meinen Marken an!"
Juchheissassa! Die Preußen sind da!
Die Preußen sind lustig, sie rufen Hurra!
Herr Wrangel zog den Degen Und steckt' ihn wieder ein: „Den werden wir nicht brauchen.
Das wird kein Feldzug sein!
Ein erster Trommelwirbel Macht mit dem Unfug Schicht Und unterm Eisenhelme Ein ruhig Angesicht!" 11
Die historischen Ereignisse und Gestalten der preußischen Vergangenheit for- d er n zum Vergleich mit der ruhmlosen Gegenwart auf. An vergangener Größe Bemessen, erscheint die zeitgenössische Misere noch verwerflicher. Die klas-
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