stärken!" und im Anschluß an das Gedicht fortfährt: „Lieber Storm, groß sind Sie als Dichter, aber größer sind Sie als Herausgeber." Fontane dankt Storm sodann für ein Exemplar des soeben erschienenen Märchens Hinzelmeier. Heiligenstadt, wo Storm damals lebte, war Hauptort des streng katholischen Eichsfelds, daher das Wortspiel mit „heil'ge Stadt". - An und über viele Literaten und Dichter hat Fontane Gedichte geschrieben. Freunde wie Paul Heyse, Franz Kugler, Bernhard von Lepel, Wilhelm von Merckel, Theodor Storm empfingen wiederholt Verse oder sahen sich in Toasten gefeiert. Genannt seien ferner Berthold Auerbach, Bettina von Arnim, Hugo von Blomberg, Georg Herwegh, George Hesekiel, Hermann Kriege, Otto Roquette, Walter Scott, William Shakespeare, Wilhelm Wolfsohn. Zuweilen eignet den Gedichten ein jugendlicher, vom Dichter später ironisierter Bekenntnischarakter wie in An Georg Herwegh und in An Hermann Kriege. („Als Phrasengedicht ganz gut" und „alles waren Worte, Worte, Worte" heißt es dazu in Von Zwanzig bis Dreißig, HF III, 4, S. 254 und S. 267). Andere sind durch ein erzählerisches Element bestimmt wie Walter Scotts Einzug in Abbotforä áund Walter Scott in Westminster-Abtei . Zumeist handelt es sich um Gele genheitsgedichte. (Nachweis in HF I, 6, S. 1123 ff., „Gedichttitel und -an- fänge".) Die Aufbau-Ausgabe hat den im Druck erschienenen Bestand der Gelegenheitsgedichte noch vermehrt und bietet darüber hinaus ein Verzeichnis von Hinweisen auf nicht erhaltene Gedichte. So erzählt Fontane in Von Zwanzig bis Dreißig: „Einmal kam ich in großer Aufregung zu ihm [Max Müller, H. N.J und sagte: ,Müller, ich muß dir etwas vorlesen.' Er lachte ganz unheimlich und als ich etwas verblüfft drein sah, setzte er begütigend hinzu: ,Du wunderst dich. Aber da ist nichts zu verwundern. Lenau, so hab ich neulich gelesen, ist verrückt geworden. Und du hast natürlich gleich ein Gedicht drauf gemacht.' Es war wirklich so [...]" (HF III, 4, S. 263).
13 HF I, 6, S. 325. - Bereits Albert Soergel hat den programmatischen Charakter dieses Gedichts hervorgehoben (A. S., Dichtung und Dichter der Zeit. Eine Schilderung der deutschen Literatur der letzten Jahrzehnte. Leipzig 1911). Das aus dem Nachlaß publizierte Gedicht Auch ein Stoffwechsel thematisiert das Problem in vergleichbarer Weise: „Im Legendenland, am Ritterbronnen,/ Mit Percy und Douglas hab' ich begonnen,-/ Dann hab' ich in seiner Schwadronen Mitten / Unter Seydlitz die großen Attacken geritten l (...) / Jetzt ist mir der Alltag ans Herz gewachsen [...]' (HF I, 6, S. 344). In etwas abweichender Weise behandelt das ebenfalls aus dem Nachlaß stammende, unfertige Gedicht Im Grünen den ,Stoffwechsel' des Autors: er hat in seinen „Gedichten geblättert" und „halb freudig, halb mit Beschämen bemerkt, daß alle sich „in Extremen" bewegen. „Mal Douglas und mal Nante Strümp." (HF I, 6, S. 336; Aufbau, Bd. 2, S. 506 f. mit einigen weiteren unvollständigen Verszeilen). Vgl. zum Problem der Alterskunst auch den Aufsatz von Karl Richter, Die späte Lyrik Theodor Fontanes. In: Fontane aus heutiger Sicht. Hrsg, von Hugo Aust. München 1980, S. 118-124, sowie die weiterführenden Überlegungen Richters in seiner Veröffentlichung Lyrik
134