Vorwort
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Immer wieder von Neuem gibt es Untersuchungen zum Vorwissen und zu Eingangskompetenzen von Grundschulkindern. Ist da vor allem mit Blick auf die Schulanfänger nicht schon alles geklärt? Kann es da noch Neues geben, was herauszufinden ist?
Uns fasziniert diese Problematik immer noch und wir denken, dass noch lange nicht alles über das mathematische Vorwissen von Schulanfängern bekannt ist; zumal es uns als wichtig erscheint, Vorwissen immer wieder von Neuem zu erkunden, Veränderungen zu erforschen und sıch den Ursachen für Unterschiede zu nähern.
Bestärkt werden wir in unserer Auffassung durch eine Stellungnahme der DFG zur strukturellen Stärkung der empirischen Bildungsforschung:
„Der Wandel des gesellschaftlichen Qualifikationsbedarfs wie auch der Bedingungen für Qualifikations- und Bildungsprozesse führen zu neuen Fragestellungen für die empirische Bildungsforschung. Diese Fragestellungen betreffen z.B.(...) die Heterogenität der Bildungsvoraussetzungen(...).
Im Zuge dieser Entwicklungen hat sich die Bildungsforschung nach langen Jahren der Abstinenz wieder als ernst genommener Partner der Bildungspolitik etabliert.(...) Von der einschlägigen Forschung wird kompetente Beratung, Ausbildung, Fort- und Weiterbildung erwartet— und als Grundlage all dessen das Aufgreifen der sich ergebenden neuen Forschungsfragen sowie deren Bearbeitung auf international konkurrenzfähigem Niveau.‘(Stellungnahme zur strukturellen Stärkung der empirischen Bildungsforschung‘ 2002, S. 2)
Uns geht es darum, Instrumentarien zu entwickeln, mit deren Hilfe die Lehrerin/der Lehrer die Lernausgangslage ihrer/seiner Kinder erfassen kann, um dann daran im Unterricht anknüpfen zu können. Wir wollen mit den Ergebnissen unserer Untersuchungen aufzeigen, wo Veränderungen notwendig sind und, ganz im Sinne des oben aufgeführten Zitats, die gewonnenen Ergebnisse ın Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern nutzen.
Es ist ein wichtiges und auch bedrückendes Ergebnis unserer Forschungen, dass es ganze Klassen von Schulanfängern gibt, die in den Lernvoraussetzungen ihren Altersgefährten gegenüber erheblich benachteiligt sind, zumal Ergebnisse der PISA-Studie zeigen, dass in Deutschland die Schullaufbahn ganz entscheidend durch die Herkunft und das soziale Umfeld bestimmt wird.
Daraus ergibt sich für uns die Schlussfolgerung, dass Benachteiligungen durch unterschiedliche Lernvoraussetzungen so früh wie möglich erkannt werden müssen, um Gegenmaßnahmen einleiten zu können, damit alle Kinder optimale Entwicklungschancen in der Schule erhalten. Das führte uns auf immer wieder neue Fragen im Zusammenhang mit den Lernvoraussetzungen der Kinder bezogen auf die mathematischen Lerninhalte der Grundschule.
Im Folgenden wollen wir nun Ergebnisse einer Untersuchung zu den mathematischen Kompetenzen von Schulanfängern vorstellen, die zu Beginn des Schuljahres 2001/02 durchgeführt wurde. Erfasst wurden bei dieser Untersuchung 830 Schulanfänger aus 40 Klassen in den Bundesländern Berlin, Brandenburg und Nordrheinwestfalen. Darüber hinaus wurden Lehre
' Die Stellungnahme wurde in einem Rundgespräch der DFG am 29. Oktober 2001 vorbereitet. Teilnehmer waren Wissenschaftler aus den betroffenen Disziplinen sowie hochrangige Vertreter der Bildungs- und Wissenschaftsadministration. Eine Arbeitsgruppe bestehend aus Teilnehmern des Rundgesprächs hat nachfolgend den Text der Stellungnahme verfasst. Ihr gehörten an: Rainer Bromme, Bernhard Nauck, Manfred Nießen, Elke Sumfleth, Ewald Terhart und Elmar Tenorth.