Teil eines Werkes 
Teil 1 (2002) Kinderleistungen - Lehrererwartungen
Entstehung
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Kinderleistungen

1 Untersuchungen zur Lernausgangslage 1.1 Anliegen

Seit der Veröffentlichung der Ergebnisse der TIMS- Studie wird aller Orten von Qualitätssi­cherung des Unterrichts, auch bezogen auf die Grundschule, gesprochen. Diese Diskussion hat seit bekannt werden des Abschneidens deutscher Schülerinnen und Schüler bei der PISA ­Studie noch zugenommen, obwohl in beiden Fällen die Grundschulen nicht beteiligt waren und die Ergebnisse einer entsprechenden internationalen Studie für die Grundschule noch ausstehen. Bei all diesen Diskussionen werden Überlegungen zur Lernausgangslage der Kin­der ungenügend berücksichtigt. Qualitätssicherung muss aber damit begonnen werden, dass das Wissen der Kinder, ihre informellen Lösungsstrategien, möglichst genau erkundet wer­den, um dieZone der nächsten Entwicklung bestimmen zu können und auf dieser Grundla­ge Lernangebote unterbreiten zu können, die allen Kindern eine ihrem Niveau entsprechende Weiterentwicklung ermöglichen. Ernstmachen mit der Umsetzung der grundschulpädagogi­schen Forderungdie Kinder dort abholen, wo sie sich befinden setzt voraus, dass wir die Standorte der Kinder möglichst genau kennen.

Das Wissen der Kinder zu erkunden, um daran im Unterricht bewusst anknüpfen zu können, ist ein ganz wesentlicher Aspekt der Verbesserung des Unterrichts. Wo stehen nun Schulanfänger bezogen auf mathematisches Wissen und Können?

Bereits in den 80er Jahren hatten Schmidt und Weiser* erhebliche arithmetische Kompeten­zen von Schulanfängern festgestellt. In den 90-er Jahren wurden diese Untersuchungen fort­geführt, wobei in den Niederlanden entwickelte schriftliche Tests verwendet wurden.

Zu Beginn des Schuljahres 2001/02 haben wir noch einmal das mathematische Vorwissen von 830 Schulanfängern in einem schriftlichen Test erfasst. Ergänzt wurden die schriftlichen Tests durch Interviews, die mit den Kindern zweier Klassen durchgeführt wurden.

Die Aufgaben unseres Testes umfassen inhaltlich ein deutlich breiteres Spektrum als die Auf­gaben, die den bisherigen Tests zugrunde lagen. Insbesondere wurden Aufgaben zu geometri­schen Inhaltsbereichen und zur Entwicklung der Raumvorstellung aufgenommen.

Dadurch, dass wir die Untersuchungen in Berlin, Potsdam und Umgebung sowie Münster und Gelsenkirchen durchführen konnten, haben wir Kinder aus ganz unterschiedlichen sozialen Umfeldern erfasst, was sich in den Ergebnissen auch niederschlägt.

Wir wollten u.a. auch folgenden Fragen nachgehen:

Hat sich in den letzten Jahren etwas an der Struktur des(Vor-) Wissens der Schulanfänger geändert?(Häufig hört man die Meinung, dass die Kinder, was ihr Wissen und ihre kogniti­ven Fähigkeiten betrifft, immer schlechter werden.)

Kann die im Ergebnis der zu Beginn des Schuljahres 1994/95 durchgeführten Untersuchun­gen getroffene Feststellung, dass Jungen und Mädchen gleiches Wissen in die Schule mit­bringen, aufrecht erhalten werden?

Zunächst stellen wir die Aufgaben und die mit ihnen überprüften Fähigkeiten genauer vor.

*? Vgl. Schmidt, S. Weiser, W.(1982): Zählen und Zahlverständnis von Schulanfängern,... In: Journal für Didak­tik der Mathematik H. 3/4 S. 227- 263

* Vgl. Heuvel Panhuizen, M. van den(1996): Assesment and realistic mathematic education, Freudenthal Institut Utrecht

Selter, Ch.(1996): Die Fiktivität derStunde Null im arithmetischen Anfangsunterricht. In: Mathematische Unterrichtspraxis; H. 2 S. 11 19

Grassmann, M. u.a.(1995): Arithmetische Kompetenzen von Schulanfängern Schlussfolgerungen für die Ges­taltung des Anfangsunterrichts. In: Sache Wort Zahl H. 7 S. 302/303 und 314- 321