Teil eines Werkes 
Teil 1 (2002) Kinderleistungen - Lehrererwartungen
Entstehung
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Lehrererwartungen

2 Lehrerbefragung zum Mathematikunterricht in der Grund­schule 2.1 Einleitung

Parallel zur Überprüfung der Vorkenntnisse der Kinder wurde eine Befragung der beteiligten Lehrerinnen und Lehrer durchgeführt. Als Ziel hatten wir dabei die Beantwortung der folgen­den Fragen im Auge:

1. Welche Erwartungen haben Lehrerinnen und Lehrer an das aufgabenspezifische Vorwissen ihrer Kinder?

2. Worauf beruhen die Erwartungen, die an das Vorwissen der Kinder gestellt wer­den? Werden Erwartungen speziell für die eigene Klasse formuliert, oder sind die Lehrerinnen und Lehrer in der Lage Erwartungen für eine ganze Jahrgangs­stufe zu formulieren? Wenn Erwartungen für die eigene Klasse formuliert wer­den, sind Zusammenhänge zu den wirklich gezeigten Leistungen zu prüfen. Das Verhältnis von Erwartungen an die eigene Klasse und generelle Erwartungen kann Auskunft darüber geben, wie die eigene Klasse in eine Gesamteinschät­zung der Jahrgangsstufe eingeordnet wird(Habe ich eine gute oder eine schlech­te Klasse?). Woran orientieren sich Lehrerinnen und Lehrer bei der Einschät­zung der Schwierigkeit einer Aufgabe? Stimmen die Merkmale mit denen über­ein, die bei der Konstruktion der Aufgabe für uns im Mittelpunkt des Interesses standen?

3. Welche psychologisch-didaktische Auffassung vom Erwerb mathematischer Kompetenzen vertreten die einzelnen Lehrerinnen und Lehrer? Gibt es Zusam­menhänge zwischen diesen Auffassungen und den Erwartungen an das Vorwis­sen der Kinder? Wie wird die Bedeutung von Vorwissen der Kinder für die Ges­taltung des Unterrichts eingeschätzt? Werden Vorkenntnisse bewusst herausge­fordert und im Unterricht genutzt?

4. Gibt es unterschiedliche Erwartungen an Jungen und Mädchen? Wenn ja, worin liegen diese begründet?

Alle Fragen, die in direktem Zusammenhang mit den Aufgaben stehen, die den Kindern ge­stellt wurden, und den Leistungen, welche die Kinder bei diesen Aufgaben zeigten, wurden zusammen mit der Darstellung der gefundenen Vorkenntnisse der Schulanfänger im ersten Teil dieses Heftes beantwortet. Das sind im Wesentlichen die Fragen zu erstens, zweitens und viertens. Im vorliegenden zweiten Teil sollen die Fragen zu drittens im Mittelpunkt stehen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Einstellungen von Grundschullehrerinnen und Grundschullehrern zum Mathematikunterricht und zu Vorkenntnissen im Mathematikunter­richt der Klassenstufe 1.

Der Fragebogen, der für diese Untersuchung entwickelt worden ist, ist als Anhang beigefügt. An der Befragung haben alle Lehrkräfte der an der Untersuchung beteiligten Klassen teilge­nommen. Hinzu kamen vier Lehrerinnen, deren Klassen aus technischen und personellen Gründen nicht in die Analysen mit einbezogen werden konnten, obwohl dies ursprünglich so geplant war. Außerdem wurde der Fragebogen Lehrkräften aus Thüringen im Rahmen einer Lehrerfortbildung vorgelegt. Von diesen haben ihn zehn Lehrkräfte ausgefüllt an uns zurück

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