24 Strategisches Personalmanagement
im Laufe der Zeit analog zu anderen menschlichen Gemeinschaftsformen einen kulturellen Code erarbeitet, der handlungsleitend wirkt. Dieser kulturelle Code bestimmt die relevante Innen- und Außenwelt eines Systems, umreißt und konzipiert die ideale Zukunft, umfaßt Vorstellungen, Normen und Werte“(Gilbert J. B. Probst und Ralph W. Scheuss). Substantielles Lenken und Gestalten wirkt auf diesen kulturellen Code genauso ein, wie die Dramatik und Dichte der Erlebnisse von Erfolg und Mißerfolg in der Stabilität und Konnektivität menschlicher Gemeinschaften, die zu einer„spontanen“ Eigenentwicklung kultureller Prägung von Unternehmungen führt.
Probst und Scheuss fassen Versuche der Beeinflussung dieser Entwicklungen zum Konzept eines symbolischen Managements zusammen:„Symbolisches Gestalten dient der Vermittlung oder Erfassung von Sinn, der Stützung und Legitimierung von Handlungen, der Mobilisierung von Mitarbeiterpotentialen, der Herstellung und dem Verständnis einer konsequenten Zielorientierung und der Implementierung von Neuerungen und Veränderungen... Die Gestaltung symbolischer Phänomene beziehungsweise geistig-sinnhafter Prozesse hat weit stärker die Funktion, die hohe Ungewißheit, Komplexität und Unsicherheit in komplexen und sozialen Systemen für den Mitarbeiter zu reduzieren und ihm das ganze Geschehen sinnvoll zu machen oder sinnvoll erlebbar aufscheinen zu lassen.“
Die derzeit viel diskutierten Sinnaspekte sozialer Systeme fallen in diesen Bezugsrahmen:„So kann wohl mit guten Gründen behauptet werden, daß die Unternehmen in Zukunft noch mehr als heute gezwungen sein werden, sich mit Sinnfragen auseinanderzusetzen, ihren Mitarbeitern und ihrer Umwelt Sinn zu vermitteln bzw. Angebote zur Sinnfindung zu machen... Wer in der Lage ist, das... Sinndefizit wenigstens teilweise abzubauen, hat beste Chancen, Erfolge auch und gerade im ökonomischen Bereich zu erreichen“(Dieter Hartfelder). Sinn kann für die Träger von Aufgaben in einer Unternehmung nur dann entstehen, wenn nicht nur die Harmonisationsprobleme zwischen Umwelt und Unternehmung als Interstabilisierungsfunktion, sondern in der Intrastabilisierung der sach-rationalen Elemente und Beziehungen, die das Management zu lenken und zu gestalten(Hans Ulrich) hat, untereinander und vor allem mit den sozio-emotionalen Entwicklungen weitgehend als gelöst akzeptiert werden.
Substantielles und symbolisches Management erscheinen in dieser Sichtweise spiegelbildlich miteinander verknüpft: Substantielles Handeln schafft im sozialen Bereich über sprachliche und artefaktische Kommunikation(Edgar Schein) Konstruktionen von Wirklichkeiten(Paul Watzlawick) in den Perzeptionen der humanen Elemente sozialer Systeme, die deren kulturellen Code bestimmen oder individuelles wie kollektives Verhalten beeinflussen. Ein symbolisches Management kann dann zweierlei bedeuten: