58 Konzeptionen des Strategischen Personalmanagements
d) Handlungsempfehlung zur Gestaltung des Strategischen Personalmanagements in multinationalen Unternehmen
Der INSEAD-Ansatz sieht eine differenzierte Analyse der möglichen Anpassungen des internationalen Unternehmens an heterogenen Produktmärkten und an heterogenen sozio-kulturellen Bedingungen vor. Es stellt sich die Frage nach der Vereinbarkeit der verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten des SPM und nach den Bedingungen höchstmöglicher Effizienz. Die Handlungsempfehlung des INSEAD-Ansatzes zielt auf interne Konsistenz aller strategisch orientierten Managemententscheidungen und-instrumente, die sich primär am ökonomisch begründeten Integrationsbedarf orientieren sollte. Dies bedeutet konkret,„... that it is the product-market logic that dictates which socio-cultural adaptic strategy should be chosen.“ Nach dieser Entscheidungsregel ist im Falle der ökonomisch begründeten Zentralisierung des SPM und anderer Managementaktivitäten auf der Unternehmensebene die„global“ Anpassungsstrategie und das„global“ SPM gegenüber den sozio-kulturellen Umweltbedingungen situationsgerecht. Dagegen ist im Falle einer ökonomisch begründeten Dezentralisierung die „polyzentrische“ Anpassungsstrategie und das„polyzentrische“ SPM zu bevorzugen.
4 Der Beitrag des INSEAD-Ansatzes zur Weiterentwicklung des Strategischen Personalmanagements
Gegenüber dem Michigan-Ansatz bedeutet der INSEAD-Ansatz in verschiedener Hinsicht eine Weiterentwicklung:
(1) An die Stelle der Aufgabenorientierung(„was ist zu tun?“) tritt die Zielorientierung(„wozu?“,„zu welchem Zweck“?);
(2) die ausschließliche Orientierung des SPM an der jeweils verfolgten Unternehmensstrategie wird durch eine differenzierte Betrachtung möglicher strategischer Ziele abgelöst. Erstmals wird auf die Bedeutung der Flexibilität und der Innovation sowie der Integration als Effizienzkriterien des SPM aufmerksam gemacht; die Organisationskultur wird als ein wesentlicher Einflußfaktor des SPM erkannt.’ Aus der Sicht des INSEAD-Ansatzes hat der Michigan-Ansatz implizit die Organisationskultur der„marktorientierten“ Organisation als dominant unterstellt, während andere Organisationskulturen, wie z. B. die„bureaukratische“ Organisation und die„Clan“-Organisation, vernachlässigt wurden; die Institutionalisierung des SPM im Unternehmen und ihre Verankerung auf verschiedenen Hierarchieebenen wird erstmals problematisiert; mit der Analyse des SPM in multinationalen Unternehmen hat der INSEADAnsatz ein neues, zukunftsträchtiges Forschungsgebiet erschlossen.