Konzeptionen des Strategischen Personalmanagements 59
Nicht zu übersehen ist, daß sich die Terminologie der beiden Ansätze z. T. beträchtlich unterscheidet. Dies gilt z. B. für die Definition des SPM und für die jeweils verwendete Typologie der Unternehmensstrategie. Auch bestehen unterschiedliche Auffassungen über die Hauptträger des SPM im Unternehmen. Während der Michigan-Ansatz implizit die Rolle der Personalleitung und der Personalabteilung betont, sieht der INSEAD-Ansatz das SPM primär als funktionsübergreifende Aufgabe des„General Managers“ auf verschiedenen Hierarchieebenen.
Der INSEAD-Ansatz ist ebenso wie der Michigan-Ansatz auf die Gestaltung, nicht auf die Erklärung des SPM gerichtet. Ein wesentlicher Ansatzpunkt der Kritik ist vor allem die mangelnde theoretische Fundierung. Beide Ansätze haben sich bislang wenig darum bemüht, empirisch prüfbare Hypothesen zu formulieren und in der Realität zu testen.
IV Der Stuttgarter Ansatz
Der Stuttgarter Ansatz ist im Gegensatz zum Michigan- und INSEAD-Ansatz ein empirischer Ansatz, der auf der Grundlage empirisch geprüfter Hypothesen Handlungsempfehlungen für die Gestaltung des SPM abzugeben versucht. Dieser Ansatz entstand 1982/83 im Rahmen eines DFG-Forschungsprojekts am Betriebswirtschaftlichen Institut der Universität Stuttgart und wurde seitdem durch zusätzliche Befragungen fortentwickelt.37
1 Personalstrategien als Grundmuster in personalpolitischen Einzelentscheidungen(funktionale Strategien)
Grundbegriff des Stuttgarter Ansatzes ist die Personalstrategie, nicht das Strategische Personalmanagement. Der Zusammenhang besteht darin, daß die Planung und Implementierung von Strategien zu den Kernaktivitäten des Strategischen Managements gehören. Von einer„Strategie“ wird dabei in Anlehnung an Mintzberg dann gesprochen, wenn im fortdauernden Strom von Entscheidungen eines Unternehmens ein Grundmuster(„pattern“) sichtbar wird, gleichgültig, wie dieses Grundmuster zustande gekommen ist:„... The strategy-maker may formulate his strategy through a conscious process before he makes specific decisions, or a strategy may form gradually, perhaps unintentionally, as he makes his decisions one by one.“ Eine Personalstrategie ist demnach ein beabsichtigtes oder unbeabsichtigtes Grundmuster in personalpolitischen Einzelentscheidungen eines Unternehmens. Dieser Strategiebegriff ist deutlich weiter gefaßt als der traditionelle, auch vom Michigan- und INSEAD-Ansatz verwendete, der sich ausschließlich auf bewußt geplante Strategien bezieht.