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Humanität und Rationalität in Personalpolitik und Personalführung : Beiträge zum 60. Geburtstag von Ernst Zander / hrsg. von Helmut Glaubrecht und Dieter Wagner
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Konzeptionen des Strategischen Personalmanagements 59

Nicht zu übersehen ist, daß sich die Terminologie der beiden Ansätze z. T. be­trächtlich unterscheidet. Dies gilt z. B. für die Definition des SPM und für die je­weils verwendete Typologie der Unternehmensstrategie. Auch bestehen unter­schiedliche Auffassungen über die Hauptträger des SPM im Unternehmen. Während der Michigan-Ansatz implizit die Rolle der Personalleitung und der Personalabteilung betont, sieht der INSEAD-Ansatz das SPM primär als funk­tionsübergreifende Aufgabe desGeneral Managers auf verschiedenen Hierar­chieebenen.

Der INSEAD-Ansatz ist ebenso wie der Michigan-Ansatz auf die Gestaltung, nicht auf die Erklärung des SPM gerichtet. Ein wesentlicher Ansatzpunkt der Kritik ist vor allem die mangelnde theoretische Fundierung. Beide Ansätze ha­ben sich bislang wenig darum bemüht, empirisch prüfbare Hypothesen zu for­mulieren und in der Realität zu testen.

IV Der Stuttgarter Ansatz

Der Stuttgarter Ansatz ist im Gegensatz zum Michigan- und INSEAD-Ansatz ein empirischer Ansatz, der auf der Grundlage empirisch geprüfter Hypothesen Handlungsempfehlungen für die Gestaltung des SPM abzugeben versucht. Die­ser Ansatz entstand 1982/83 im Rahmen eines DFG-Forschungsprojekts am Be­triebswirtschaftlichen Institut der Universität Stuttgart und wurde seitdem durch zusätzliche Befragungen fortentwickelt.37

1 Personalstrategien als Grundmuster in personalpolitischen Einzel­entscheidungen(funktionale Strategien)

Grundbegriff des Stuttgarter Ansatzes ist die Personalstrategie, nicht das Strate­gische Personalmanagement. Der Zusammenhang besteht darin, daß die Pla­nung und Implementierung von Strategien zu den Kernaktivitäten des Strategi­schen Managements gehören. Von einerStrategie wird dabei in Anlehnung an Mintzberg dann gesprochen, wenn im fortdauernden Strom von Entschei­dungen eines Unternehmens ein Grundmuster(pattern) sichtbar wird, gleich­gültig, wie dieses Grundmuster zustande gekommen ist:... The strategy-maker may formulate his strategy through a conscious process before he makes specific decisions, or a strategy may form gradually, perhaps unintentionally, as he ma­kes his decisions one by one. Eine Personalstrategie ist demnach ein beabsich­tigtes oder unbeabsichtigtes Grundmuster in personalpolitischen Einzelentschei­dungen eines Unternehmens. Dieser Strategiebegriff ist deutlich weiter gefaßt als der traditionelle, auch vom Michigan- und INSEAD-Ansatz verwendete, der sich ausschließlich auf bewußt geplante Strategien bezieht.