Konzeptionen des Strategischen Personalmanagements 61
2 Identifizierung und Messung von Personalstrategien
Kann man Personalstrategien messen? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um dieses Problem zu lösen. Der Stuttgarter Ansatz verwendet eine Methode, die zwar relativ aufwendig ist, dafür aber den Vorteil bietet, mit einem Minimum an
Prämissen auszukommen. Die Methode sieht eine vierstufige Vorgehensweise
vor:
Stufe 1: Erstellung eines Katalogs von personalpolitischen Entscheidungsvariablen(insgesamt 25 Einzelvariable), die alle wesentlichen Teilfunktionen des Personalmanagements, wie z.B. Personalplanung, Personalbeschaffung, Personalentwicklung, Entlohnung etc. abdecken;
Stufe 2: Operationalisierung der einzelnen Entscheidungsvariablen durch ein oder mehrere Items(insgesamt 116 Items), die verschiedene Ausprägungen haben können. Diese Ausprägungen werden durch vorgegebene 7-Punkte-Skalen gemessen;
Stufe 3: Durchführung der Befragung zur Messung der tatsächlichen Ausprägung der Items in der Stichprobe. Befragt wurden ausschließlich die für den Personalbereich zuständigen Vorstandsmitglieder und Führungskräfte;
Stufe 4: Aggregierung der Befragungsergebnisse und Auswertung mittels Faktoranalyse(Hauptkomponentenmethode).
Die Methode ist bereits an anderer Stelle im Detail dargestellt worden und soll hier nicht weiter interessieren. Nach dem Stuttgarter Ansatz werden in der Unternehmenspraxis vier verschiedene Personalstrategietypen verwendet:
(1) die Personalentwicklungs-Strategie
Es wird intensive Aus- und Weiterbildung betrieben. Die Personalplanung ist langfristig angelegt. Offene Stellen werden soweit wie möglich aus den eigenen Reihen besetzt. Müssen Stellen durch Einstellung vom externen Arbeitsmarkt beschafft werden, dann erfolgt dies nach intensiver Personalwerbung und eingehender Personalauswahl;
(2) die Personalbeurteilungs-Strategie
Der Leistungsbeurteilung fällt eine Schlüsselrolle zu. Sie bildet die Grundlage für leistungsbezogene Entlohnung und für die Personalentwicklung. Dagegen fehlen typischerweise Arbeitsbeschreibungen und analytische Arbeitsbewertungsverfahren. Es wird aktive Personalwerbung betrieben, aber die Auswahlverfahren sind weniger streng als z. B. bei der Personalentwicklungs-Strategie;