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Humanität und Rationalität in Personalpolitik und Personalführung : Beiträge zum 60. Geburtstag von Ernst Zander / hrsg. von Helmut Glaubrecht und Dieter Wagner
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Führungslehre Abschied vom Modelldenken

5 Organisationstechniken

Von den Organisationstechniken wurden zwei mit in die Untersuchung einbezo­gen, und zwar die Führungsgrundsätze und die Stellenbeschreibung.

5.1 Führungsgrundsätze

Im September 1986 schreibt Gottschalk in der Zeitschrift ‚Management-Wis­sen:Grundordnung und Leitsätze sollen den Managern die Führungsaufgabe erleichtern. Kein größeres Unternehmen scheint ohne sie auskommen zu kön­nen, Er stellt gleichzeitig eine Reihe von Kernausagen aus den Führungsgrund­sätzen bekannter deutscher Großunternehmen vor.

Die Leitidee ist einfach. In den Unternehmensgrundsätzen werden die Leitlinien für unternehmerisches Handeln festgelegt, aus denen die Führungsgrundsätze abgeleitet werden, die die allgemeinen Regeln für die Zusammenarbeit, Informa­tionen usw. enthalten und die Grundlage für die Führungsorganisation, die Füh­rungsinstrumente und die Personalführung bilden.

Vergleicht man die verschiedenen Kernsätze aus den einzelnen Führungsgrund­sätzen, so lassen sich sehr starke Ähnlichkeiten feststellen. Mehr Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten als man geneigt ist, bei den unterschiedlichen Organisa­tionen und Unternehmenskulturen der Unternehmen anzuerkennen.

Als zusammenfassendes Resümee der Untersuchung von 28 Unternehmen, die Führungsgrundsätze eingeführt haben, lassen sich als Anhaltspunkte feststellen:

® Etwa die Hälfte hat sich von der Einführung eine stärkere Motivation der Mitarbeiter und etwa ein Viertel eine Verbesserung des Betriebsklimas und des Führungsverhaltens erwartet. Die überwiegende Zahl der Führungsgrundsätze enthält verbindliche Vorga­ben für ein bestimmtes Führungsverhalten. Knapp die Hälfte bekennt sich zum Delegationsprinzip, etwa ein Viertel zur Vorgabe von Zielen und fast ein Drittel zu einer Kombination von beiden Formen. Der Bekanntheitsgrad der Führungsgrundsätze wird bei den Mitarbeiter in unteren betrieblichen Hierarchieebenen zunehmend geringer. Auswirkungen auf das Führungshandeln durch die Einführung von Füh­rungsgrundsätzen sind kaum feststellbar. Führungskräfte der unteren Ebenen haben erkennbar Probleme, die abstrak­ten Regeln in die betriebliche Praxis umzusetzen. Bei einem großen Anteil wurden Führungsgrundsätze als unglaubwürdig und im Widerspruch mit dem Verhalten der oberen Führungsebene bezeichnet. Die vorgefundenen Schwächen lassen sich auch nicht generell durch Beteili­gung von Mitarbeitern beim Aufstellen der Grundsätze oder durch Schu­lungsmaßnahmen beheben.