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Humanität und Rationalität in Personalpolitik und Personalführung : Beiträge zum 60. Geburtstag von Ernst Zander / hrsg. von Helmut Glaubrecht und Dieter Wagner
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246 Führungslehre Abschied vom Modelldenken

das statische Element, das jede Stellenbeschreibung in die Organisation bringt, mit der Dynamik der laufenden Veränderungen, die durch zusätzlich neuauftre­tende Aufgaben unvermeidlich werden, in Übereinstimmung zu bringen.

Je exakter und genauer die einzelnen Bereiche beschrieben werden, um so rascher werden die Festlegungen von der laufenden Entwicklung überholt. Dies um so schneller, je dynamischer ein Unternehmen geführt, je schneller es sich entwickelt und je stärker markt- und gesellschaftliche Kräfte auf das Unterneh­men einwirken. Der Änderungsdienst, der als wesentlicher Bestandteil eines je­den Stellenbeschreibungssystems gefordert wird, erfordert Zeit und Kosten.

Beschränkt man sich bei der Abfassung von Stellenbeschreibungen auf relativ wenig detaillierte, allgemein gehaltene, abstrakt formulierte Aussagen, so behal­ten die Festlegungen zwar für längere Zeit ihre Gültigkeit, haben aber nur noch sehr eingeschränkten Wert als Hilfsmittel zur Strukturierung der Führungsorga­nisation, sowie als Grundlage für Leistungsbeurteilung zur Stellenbesetzung oder zur Klärung von Kompetenzstreitigkeiten.

Die laufende Untersuchung zeigt, daß fast ausnahmslos alle in die Untersuchung einbezogenen Unternehmen irgendwann einmal versucht haben Stellenbeschrei­bungen einzuführen. Nur in wenigen Ausnahmefällen, bei denen die Anforde­rungen an die Stellenbeschreibung nicht allzu hoch gestellt wurden, wurde die Aktion auch konsequent durchgeführt. Der Änderungsdienst war überwiegend unvollständig. Meist jedoch wurde festgestellt, daß alle Aktivitäten nach einer kurzen euphorischen Startphase versandet sind.

Der Bekanntheitsgrad des Inhalts der Stellenbeschreibung ist bei den Betroffe­nen in der Regel gering. Die Frage nach dem Zeitpunkt und dem Anlaß, bei dem die Stellenbeschreibung in der letzten Zeit zur Lösung eines Problems herange­zogen wurde, konnte nur vereinzelt beantwortet werden und dann überwiegend in der Form, daß die Stellenbeschreibung als Alibifunktion oder zur Rechtferti­gung dienen mußte.

Die Untersuchung zeigt auch deutlich, daß die Stellenbeschreibung, die lange Zeit als das Allheilmittel angesehen wurde, große, arbeitsteilige und als komple­xe Organisation zu führen, ihrer Aufgabe vom System her gar nicht gerecht wer­den kann.

Probleme in einem Unternehmen sind nur in Ausnahmefällen individuelle Pro­bleme eines Mitarbeiters. Wird der Mitarbeiter seinen Aufgaben nicht gerecht, erkennt man dies nicht anhand einer Stellenbeschreibung, sondern nur durch die Personalbeurteilung. Probleme in einem Unternehmen sind in aller Regel Pro­bleme der Zusammenarbeit. Hierfür kann eine Stellenbeschreibung, die auf eine einzelne Stelle fixiert ist, wenig Hilfestellung geben. Als ein besseres organisato­risches Hilfsmittel, wäre das Funktionendiagramm anzusehen.