Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
Seite
143
Einzelbild herunterladen

s-sZ

ein gleiches Bauwerk in seiner bevorzugten Residenz zu haben. Auch wählte er, wenn er nicht einen augenblicklichen Einfall zu Papier gebracht hatte, aus den Skizzen seiner Baumeister,1) die er oft auf weite Studienreisen sandte, Geeignetes aus, oder er ließ sich von ihnen Entwürfe für bestimmte Aufgaben machen. So sind die verschiedensten Einflüsse in Potsdam zusammengekommen, ohne daß dabei etwas Unzusammen­hängendes oder Unkünstlerisches hervorging. Das Geheimnis der Kunstwirkung lag in dem Taktgefühl der Baumeister und in der ausgezeichneten Handwerksüberlieferung, die für alle einzelnen Bedürfnisse ihre Formen hatte, die sie oft rein schematisch, aber mit sicherem Gefühl für die Wirkung, nie aber unsinnig anwenden hieß. Für einen ober­flächlichen Beobachter, der mit stilistischen Voraussetzungen oder mit einer, durch kritische Bevormundung stumpf gewordenen Empfindung an die Potsdamer Bauten herantritt,

Abb. 124. Marktplatz in Potsdam.

äußert sie sich vielleicht zunächst nur als starre Einförmigkeit, für andere jedoch als leise Variationen einer gleichen Melodie, die jedes Haus zu einem Sonderwesen macht, ohne den Zusammenhang zu stören. Selbst ein ganz schlichter Nutzbau, der auf jeden Zierat verzichtet und nur durch die wohlabgewogenen Verhältnisse wirkt, fügt sich wie ein ärmerer Bruder dem reicheren an. Die Kleidung ist anders, aber die Familienähnlich­keit mildert die Unterschiede.

Potsdam ist das Ergebnis fürstlicher Kunst im höchsten Maße. Es hat einen durchaus aristokratischen Zug, der bei Berlin nie aufkommen konnte, weil hier ältere und wirtschaftliche Einflüsse zu berücksichtigen waren. Potsdam ist aber auch die einzige

im einzelnen nachzuweisen, obwohl er manchmal vielleicht etwas weit geht, wenn er die Vorbilder in der Literatur der Zeit festzustellen sucht.

1) Ohne daß man ihre Mitwirkung im einzelnen seststellen kann, sind neben Gontard und Unger noch beteiligt: Andreas Ludwig Krüger, Christian Valentin Schultze, Johann Gottlob Schultze, Johann Rudolf Heinrich Richter, Heinrich Ludwig Manger und Bühler.