tektonische Richtung (S. 82) beibehalten?) Der regelmäßige Oranienburger Schloß- garten mit dichten, immergrünen Hecken, Wasserteichen, Plastiken, bunten Blumenbeeten wurde mit enger Beziehung zu dem Memhardschen Schloßbau angelegt und Mitte des 18. Jahrhunderts in französischem Geschmack erweitert, der die Vegetationsformen stilistisch noch weiter zu knebeln und die Architektur in Abhängigkeit vom Garten zu bringen suchte. Dieser Wandlung folgten auch andere Gärten, besonders der Ryquardsche Schloßgarten in Schwedt; nur in kleineren Besitzungen — wie in Caputh — behauptete sich kümmerlich die ältere Richtung. Seit Friedrichs des Großen Schöpfungen in Rheinsberg, Neuruppin und Potsdam hatte die graziöse Vergewaltigung der Natur ihren höchsten Stand erreicht und den Grundsatz völliger Regelmäßigkeit durch phantastische, häufig orientalische Kleinbauten nur wenig durchbrochen. Der von dem Vater der französischen Gartenkunst, Lenotre, geschaffene Park in Charlottenburg läßt diese strenge Stilisierung noch in seinen älteren Teilen erkennen, während die anderen, von Lenné (1789—1866) später dem englischen Geschmack mit seiner ungebundenen, freilich oft auch stark manierierten Natürlichkeit angenähert wurden. Nicht nur dieser Gartenkünstler, dessen Schöpfungen in Tharlottenhof, Sanssouci, auf der Pfaueninsel, in Glienicke und in dem Berliner Tiergarten nach gleichen Grundsätzen angelegt wurden, auch der Fürst Pückler-Muskau (1785 bis 1781) hat dieser Richtung in der großartigen Parkschöpfung von Branitz bei Cottbus ein Denkmal gesetzt. Sie war durch die sentimentale Dichtung im 1 8 . J ahrhundert ebenso stark vorbereitet wie durch die Rousseau- scheu Gedanken, die selbst in manchen kleinen Parks (Paretz, Marquard, Groß-Rietz,
Friedrichsfelde und Bellevue bei Berlin, auch städtischen Hausgärten) zur Herrschaft kam (Abb. 134). Ihr wurde sogar die residenzliche Gartenpflege unterworfen, die an der Stelle der ehemaligen holländischen Alleen und der weiträumigen Blumenbeete das Prinzip scheinbar natürlich wachsender Bäume setzte.
Der Architekt sollte sich, das war die selbstverständliche Folgerung des Zeitgeschmacks um 1850, der Herrschaft der landschaftlichen Natur unterwerfen, selbst in der Stadt, wo schon der einzelne Baum wie eine sichtbare Dauerform betrachtet wurde. Er unterwarf sich dieser Forderung; aber er suchte ihr nicht immer durch künstlerische Mittel, sondern oft auch durch wissenschaftliche Theorien nachzukommen, soweit sie sich mit der Romantik vereinigen ließen. Auch der Bückeburger Johann Heinrich Strack (1805—1880) setzte ihr keinen Widerstand entgegen. Mit Stiller gehörte er zu dem
1) Der Naturforscher Elßholz rühmt 1672 folgende Gartenanlagen: Prenden, Alt-Landsberg, Schenkendorf, Lindenberg, Buch, Stavenau, Rosental, Hohenfinow, Rudow und den Meinders'schen Garten vor dem Stralauer Tor.
Abb. Portal in Glienicke bei Potsdam.
Nach Aufnahme von Hofphotograph L. Alb. Achwartz. Berlin NN. 87.