Derartiger der ersten aus der Mark Brandenburg stammenden geschichtlichen Aufzeichnungen zu suchen. Freilich sind uns die ältesten derselben nicht selbst erhalten geblieben, sondern nur Bruchstücke in späteren Überarbeitungen. Drei verschiedene solcher Aufzeichnungen hat man zu sichten gewußt?) Das Obronioon Nnrobiuo ist uns nur in der ziemlich wertvollen Kompilation des böhmischen Hofgeschichtschreibers pulkawa erhalten, und vielleicht hat jene Thronik der Kaiser selbst für diesen aus der Mark mit nach Böhmen gebracht.
Die anderen beiden bekannt gewordenen originalen märkischen Geschichtswerke des Mittelalters, eine Bistumschronik von Brandenburg und eine Fürstenchronik, sind nur in ganz spärlichen Resten bei späteren Geschichtschreibern zu erkennen.
Außerhalb der geistlichen Kreise war es wohl überall nur die Sorge um das irdische Leben, welche die Naturmenschen veranlaßte, nach Kenntnissen zu trachten, welche als Anfänge einer Missenschaft angesehen werden können: Die Medizin, natürlich in ihrem ganzen mittelalterlichen Tiefstände, drang zuerst aus den Klosterschulen hinaus in die Laienwelt und suchte die Tharlatanerie der Bader und anderer Kurpfuscher allmählich zu verdrängen. Die Laienärzte waren für ihren Unterhalt aber auf das Publikum angewiesen, und das wertvollste Publikum war ihnen natürlich der hohe und reiche Adel oder gar die Fürsten selbst. So finden wir auch am Hofe der brandenburgischen Fürsten frühzeitig (mindestens seit zirka I?00) Leibärzte aus dem Laienstande. Wo diese Männer ihre Wissenschaft gewonnen haben (die einzige medizinische Hochschule von Ansehen war bis ins s5. Jahrhundert das süditalienische Salerno), das wissen wir in den meisten Fällen nicht.
Überhaupt war es in den Verhältnissen gegeben, daß die Anfänge einer rein weltlichen Bildung zuerst auf den Burgen der Vornehmen und zumal an den Höfen der Fürsten emporblühten, und so darf das geistige Leben der Fürsten in älteren Zeiten am allerwenigsten unbeachtet gelassen werden. Man weiß, daß die ritterliche Bildung auch gewisse Künste umfaßte, deren pflege wir, entsprechend der reicheren altfranzösischen Literatur, unseren herrlichen deutschen Minnesang nebst dem höfischen Epos im 12. und s3. Jahrhundert verdanken. Diese ganze, nicht verächtliche Bildung, von Frankreich ihren Ausgang nehmend, konnte aber nicht im vollen Maße in die östlichen Kolonisationsgebiete der Deutschen dringen. Dort blieb das Schwert bis ins s-s. Jahrhundert noch die einzige Losung des Lebens. Ganz vereinzelt klingt von dort der Name des Markgrafen Mttos mit dem Pfeil als eines der späteren Minnesänger in den Thor der mittelhochdeutschen Dichterwelt. Zm allgemeiner, behielten die ostdeutschen Grenzwächter, die märkischen Ritter, die altgermanische, rauhe Art noch lange bei, und die kriegerischen Zeiten der Askanier und Wittelsbacher waren nicht dazu angetan, die Segnungen einer höheren Bildung erstehen zu lassen.
Einen geistig höheren Zug in das Leben der oberen Gesellschaftskreise der Mark Brandenburg brachte zuerst der Deutsche Kaiser in Person.
Nachdem der diplomatisch gewandte und vor allem auf die Vergrößerung seiner hausmacht bedachte Kaiser Karl IV. im Jahre die Mark an sich gebracht
') V. Lorenz, Geschichtsquellen im Mittelalter seit der Mitte des ,3. Jahrhunderts. Berlin 3. Ausl. ,886/87.