Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
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Im Jahre 1470 , als Johann 15 Jahre alt und sein Vater zur Kurwürde gelangt war, wurde er zum Regenten von Brandenburg eingesetzt, ihm aber eine Anzahl Statt­halter zur Seite gegeben. Der bedeutendste Mann unter den zehn erwählten Statthaltern war unstreitig vr. Friedrich Sesselmann, Bischof zu Lebus Kanzler schon unter Friedrich II. der gleichfalls aus Franken stammte. Dieser wurde einige Jahre daraus geradezu zum Mitregenten des Kurprinzen in der Mark erhoben. Aber die fast über­strenge Art der Erziehung des kurfürstlichen Vaters war nicht nach dem Sinne des humaner und freier denkenden Kirchenfürsten, und vor allem die allzu sparsame Budget- beschneidung und mißtrauische Kontrolle des prinzlichen Hofhaltes mochten ihm zuwider sein. Dabei darf man freilich nicht den Segen niedrig einschätzen, den der hervorragend streng-ökonomische Sinn des Kurfürsten Albrecht dem Lande gebracht hat, als er am Brandenburger Hofe durch die Spezialkommissare Georg von Absberg und Ludwig von Eyb eine geordnete Finanzwirtschaft einrichten ließ (1471).

Gewiß ist es auch die Rücksicht auf die Finanzen gewesen, die Albrecht ver- anlaßten, den Bitten seines Sohnes nicht nachzugeben, der, im Gefühl seiner Macht­losigkeit am heimatlichen Hofe, den bildenden Einfluß von Reisen und des Aufenthaltes an fremden, vor allem dem maßgebenden, kaiserlichen Hofe, an sich erproben wollte. Als gehorsamer Sohn mußte sich der Prinz fügen, mußte wie er selbst schrieb ein niederländischer Landesfürst und Jäger bleiben, der sein Lebtag nichts gesehen noch gehört und sich selbst, seinen Landen und Leuten wenig nützen kann"?)

Aber der prinzliche Regent ward dennoch allmählich selbständiger, was wohl wesentlich das Verdienst seines treuen Ratgebers Sesselmann gewesen, der die geistigen Gaben des Kurprinzen dem Vater gegenüber hoch einschätzte und, als Protest gegen die unwürdige Stellung des Prinzen Johann schließlich von der Stellung eines Regenten trotz des Widerstrebens Kurfürst Albrechts zurücktrat. Wenn auch Johann nach neueren Forschungen nicht geradezu den Beinamen Eicero verdient hat, so war seine Bildung doch eine damals ungewöhnliche geworden.

Auch Johanns ältester Sohn, Joachim (geb. 1484), wurde nach den Regeln der ritterlichen Erziehung" gehalten: Mit dem siebenten Lebensjahre wurde er an einen Fürstenhof gebracht, um dort Lebensart, Sitte zu lernen und sich die nötigsten Kenntnisse anzueignen, und zwar an den Hof seiner Großmutter, Kurfürstin-Witwe Anna, in Neu­stadt a. d. Aisch, der von der lebenskräftigen und lebenslustigen alten Dame zum Mittel­punkt anregender Geselligkeit und ritterlicher Sitte gemacht war. Und so hatte auch für diesen Kurprinzen, der ein Sohn der Mark war, die Verbindung mit Franken ihre Bedeutung.

Am kleinen Hofe zu Neustadt erhielt Joachim einen tüchtigen Humanisten zuin Lehrer, besonders in der lateinischen Sprache. Leider ist sein Name nicht überliefert. Er war ein Vertrauter der alten Fürstin und galt als ein besonderer Kenner des Latein. Die Anfangsgründe aber des Schulwissens hatte sich Joachim schon vorher in der Mark aneignen können, also schon vor Vollendung des siebenten Lebensjahres, und ein eigenhändig geschriebener Brief des Knaben vom Jahre 1491 läßt schon eine außer­gewöhnlich schöne und feste Schrift erkennen. Indes ist es eine irrige Nachricht alter

') Schuster a. a. G. S. 2i2sf.

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