Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
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Lehrer amGewerbeinstitut" und der Bauschule und zuletzt Direktor der Skulpturen- abteilung am Königlichen Museum. Schließlich sei in dieser Gruppe von Männern noch des berühmten Heinrich v. 5 chlie m a n n gedacht, der, Mecklenburger von Geburt (s823), durch seine, von wissenschaftlicher Divination geleiteten großartigen Ausgrabungen an den Stätten alter Kunst und alten Lebens die Museen der preußischen Hauptstadt mit reichen Schätzen füllte. Gr wurde im Jahre s88s zum Ehrenbürger derselben ernannt (gestorben s8stO).

Auch die exotischen, vornehmlich orientalischen Sprachen fanden längst in Berlin selbständige und erfolgreiche pflege, ehe noch an eine deutsche orientalische Politik gedacht werden konnte, der wir dann später dasOrientalische Seminar" zu verdanken haben. Das Altägyptische wurde durch Heinrich Karl Brugsch erst gründlich bekannt. Gr war geborener Berliner (s827) und veröffentlichte bereits als Gymnasiast seine ersten demo­tischen Forschungen, d. h. über die alte Volkssprache Ägyptens. Nach einer wissenschaft­lichen Reise, die er auf Kosten des Königs Friedrich Wilhelms IV. unternehmen konnte, wurde er als Professor nach Göttingen gerufen. Sein Werk ist vor allem das hiero- glyphisch-demotische Wörterbuch. Allgemein bekannt wurde der gleichfalls in Berlin (s837) geborene Ägyptologe Georg Moritz Ebers, und zwar durch seine, geschickt Wissenschaft mit etwas oberflächlicher Dichtung verschmelzenden Romane aus der Zeit des altägyptischen Königtums, die zu seiner Zeit begierig gelesen wurden. Ebers ist aber bald nach Leipzig verzogen und dort dauernd verblieben. Karl Richard § epsius war zwar kein Berliner, sein Name ist aber dauernd mit der Berliner Wissenschaft verknüpft. Zn Naumburg s8s0 geboren, wurde er nach mehreren wissenschaftlichen Reisen ins Ausland 1842 in. Berlin zum Professor ernannt und leitete die von König Friedrich Wilhelm IV. ausgesandte ägyptische Expedition. Das Orientalische Museum in der märkischen Hauptstadt ist auf Grund der damals gemachten Sammlungen entstanden. Seit >873 bekleidete er das Amt eines Oberbibliothekars an der Königlichen Bibliothek; er starb >884. Lepfius gilt als einer der Begründer der wissenschaftlichen Ägyptologie.

Paul Anton de Lagarde war >.827 zu Berlin geboren, hat hier Schulen und Universität besucht, war >8341866 an mehreren Berliner höheren Schulen Lehrer, wandte sich dann aber als Professor nach Göttingen. Seine Forschungen über orientalische Sprachen konzentrierten sich schließlich auf eine liberale Kritik des ursprünglichen Bibel­textes. Auf diesem Wege wurde er auch politischer Schriftsteller, als welcher er das Verhältnis zwischen Staat, Theologie, Kirche und Religion mehrfach beleuchtete. Von den übrigen, für die Berliner Wissenschaft besonders hervorragenden Orientalisten seien hier nur kurz noch erwähnt: Albrecht Friedrich Weber, ein Breslauer, Professor in Berlin >867; Zustus Olshausen, ein Holsteiner und längere Zeit in dänischen Diensten, kam 1. 858 in das preußische Kultusministerum nach Berlin, nachdem er Professor der orientalischen Sprachen in Königsberg gewesen war (gest. 1,882). Für das Sanskrit besonders wurde Berlin bald eine der maßgebendsten Universitäten. August Wilhelm von Schlegel war es, der es durch seine Vorlesungen eingeführt hatte (seit s82s).

Wie die preußisch-deutsche Wiedergeburt nach den Tagen der Schmach mit Berlins ^Ima inater aufs innigste'zusammenhing, so wurde hier auch die Wissenschaft geboren,