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und verächtliches Volk! Töricht seid ihr, weil ihr unbeholfen dastehet und der menschlichen Natur etwas zumutet, was ihr von jeher abging die Humanität nämlich. Verächtlich seid ihr, weil ihr keine wahre Eigenliebe und kein nationales Selbstgefühl habt.
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Nationales Selbstgefühl! Wo dieses hernehmen? Das ist ja das grosse Unglück unseres Stammes, dass wir keine Nation ausmachen, dass wir bloss Juden sind. Eine über den ganzen Erdboden zerstreute Herde sind wir, ohne schützenden und sammelnden Schäfer. Unter glänzenden Umständen bringen wir es zum Range der Ziegenböcke, wie sie in Russland den Und das ist das höchste Ziel Rassepferden beigesellt werden.
unseres Ehrgeizes!
Wahr ist, dass unsere lieben Schutzgeber von jeher bieder dafür gesorgt haben, dass wir nie zu Atem kommen und unser Selbstgefühl nicht zur Geltung gelange. Als vereinzelte Juden, aber nicht als jüdische Nation, führen wir seit Jahrhunderten den harten und ungleichen Kampf ums Dasein. In der Vereinzelung musste jeder für sich seinen Geist und seine Energie für ein Stück tränenbenetzten Brotes und etwas sauerstoffhaltige Luft verzetteln. In diesem verzweifelten Kampfe unterlagen wir nicht. Wir führten den ruhmvollsten aller Partisanenkriege mit allen Völkern der Erde, welche uns einmütig vernichten wollten. Aber der Krieg, den wir führten und den wir noch, Gott weiss wie lange, führen werden, galt nicht einem Vaterlande, sondern der kümmerlichen Erhaltung von Millionen ,, hausirender
Juden!"
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Wenn alle Völker der Erde nicht im Stande waren, unser Dasein zu vernichten, so vermochten sie nichtsdestoweniger, in uns das Gefühl unserer nationalen Selbständigkeit zu ersticken. Und mit fatalistischem Gleichmute sehen wir es an, wie man in manchem Lande uns eine Anerkennung verweigert, welche auch den In der Zerstreuung Zulus nicht leicht versagt werden würde. behaupten wir unser individuelles Leben, bewiesen wir unsere Widerstandsfähigkeit, verloren aber das gemeinsame Band unseres nationalen Selbstbewusstseins. Indem wir unser materielles Dasein zu erhalten suchten, waren wir nur zu oft gezwungen, unsere moralische Würde ausser acht zu lassen. Wir bemerkten nicht, dass wir durch diese unwürdige, wenn auch aufgezwungene Taktik nur umso tiefer in den Augen unserer Widersacher gesunken sind, nur umsomehr einer erniedrigenden Verachtung, einer vogelfreien Existenz preisgegeben wurden, die schliesslich uns zu einer unheilvollen Erbschaft geworden. Auf der grossen weiten Erde fand sich kein Platz für uns. Damit wir nur irgendwie das müde Haupt zur Ruhe legen können, baten wir bloss um