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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
Entstehung
Seite
187
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neuen Kirche. Es war ein feierlicher, wichtiger Akt, es war der feſtliche Glockenruf, der dem maͤrkiſchen Volke die Verkündigung gab, daß die Zeit des Harrens voruͤber, daß der Tag gekommen ſei, an welchem die Pforten der erneuerten Kirche geoͤffnet, an welchem die heilsbeduͤrftigen und nach Wahrheit trachtenden Chri ſten zum Empfange des lautern Wortes des Lebens zur Seelen Seligkeit eingeladen wurden. Den Einwohnern von Spandau aber blieb der Allerheiligentag in feſtlicher Erinnerung, ſo daß er im Ruͤckblick auf dieſe erſte bedeutungsvolle Abendmahlsfeier alle Jahre am naͤchſt darauf folgenden Sonntage nun bereits drei hundertmal gottesdienſtlich begangen worden iſt).

Nachdem der Kurfuͤrſt feinem Volke fo mit dem oͤffentlichen Bekenntniß der wiedergewonnenen Wahrheit vorangegangen, wurden landesherrliche Verordnungen erlaſſen, durch welche ſaͤmmtlichen Unterthanen die Freiheit gegeben ward, nach Belie ben den evangeliſchen Cultus in ihren Kirchen einzurichten. Der groͤßte Theil des Adels und die meiſten Staͤdte bedienten ſich ſofort dieſer Freiheit und folgten dem Beiſpiele Joachims ſogleich nach. In Berlin wurde gleich am folgenden Tage(am 2. No vember, am Tage aller Seelen,) ein großer evangeliſcher Gottes dienſt in dem neuen Dome auf dem Schloßplatze gehalten, zu dem ſich ſammt vielen Bürgern der Rath und die Stadtverord neten der Städte Berlin und Coͤlln in feierlicher Prozeſſion be­gaben. Buchholzer hielt auch hier die Predigt und der Biſchof von Brandenburg theilte wiederum das Abendmahl aus. Faſt gleichzeitig geſchah die Einfuͤhrung des evangeliſchen Gottesdien­ſtes in Frankfurt a. d. O. Der kurfuͤrſtliche Befehl dazu war am 9. November angekommen. In Folge deſſelben begaben ſich alsbald die Buͤrgermeiſter Peter Petersdorf und Dr. Lorenz Schreck mit den Kaͤmmerern nach dem Barfuͤßerkloſter, unter: ſagten dem Prediger deſſelben Kaspar Schulz(genannt Kramer)

*) Es iſt zu bedauern, daß über die wichtigen Angelegenheiten dieſes Tages weder in dem rathhäuslichen, noch in dem Kirchen- und Inſpections Archiv zu Spandau umſtändliche Nachrichten anzutreffen ſind, und daß auch die Geſchichtsſchreiber jener und der ſpätern Zeiten dieſe für die Geſchichte fo wichtige Begebenheit faſt gänzlich unberückſchtigt gelaſſen gaben.