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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
Entstehung
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Zuſtand des kirchlichen Lebens in der Mark vor der Reformation.

Meeres wogen flutheten in uralter Zeit über dem ſandigen Grunde, auf welchem nachmals das maͤrkiſche Volk erwuchs. Als die Waſſer zuruͤcktraten, war der trockengelegte Boden ein weites Sumpf land, das ſich unter dem Einfluſſe des Sonnenlichtes mit unge heuren Waldungen bedeckte. Seine erſten menſchlichen Bewoh ner, Voͤlker germaniſchen Stammes, kamen ihm, wie dem uͤbri gen Europa, von Oſten her, der Heimath des Menſchengeſchlechts, und ſiedelten ſich in den unermeßlichen Urwaͤldern an den Ufern der Stroͤme, oder in der Naͤhe der zahlreich zuruͤckgebliebenen Landſeen, in Erdhoͤhlen und Huͤtten an. Alte Geſchichtſchreiber ſchildern ſie als ein gewaltiges Geſchlecht, mit hochblondem Haar und trotzigen blauen Augen. In ihren ſcharf markirten Geſichts­zuͤgen lag der Ausdruck der Kraft und des Heldenmuthes, der, wie ihr rieſiger Körperbau, fie zum Schrecken ihrer Feinde machte. Sie lebten der Natur und der Gegenwart, und nur ihre hoch gewoͤlbten Stirnen, Vorzeichen hoher Geiſteskraft, deuteten auf ihre Zukunft. Die Wildheit des Landes entſprach ihrer Luſt an Gefahren. Was ihnen Merkwuͤrdiges in dieſer Urzeit ihrer Ge­ſchichte begegnete, wiſſen wir nicht; denn mit ihnen ging auch das Andenken an ihre Thaten unter. Unabhaͤngig von jedem Einfluſſe geſetzmaͤßigen Lebens, mochten fie bei Jagd und Krieg lange unter dem rauhen Himmel des Nordens gelebt haben, als ihre Wanderungsluſt und ihre hoͤhere Beſtimmung ſie zu weiten Kriegeszuͤgen in den Suͤden und Weſten des Erdtheils fort, trieben, wo fie auf den Trümmern des Roͤmerreichs ſich zur 1