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Kerze zum Zeugniß des Glaubens in die Hand geben. Der Exorcismus ſollte ſiebenmal angewandt und unter andern der Teufel alſo angeredet werden:„du vermaledeiter Teufel, erkenne dein Urtheil“ und„da Höre nun, du verfluchter Satan, beſchworen durch den Namen des ewigen Gottes und unſers Heilandes Jeſu Chriſti und weiche von dannen, zitternd und ſeufzend mit deinem Haß verbunden u. ſ. w.— Der Beichtende ſoll gefragt werden, ob er die zehn Gebote, den Glauben, das Vater unſer auswendig wiſſe, und wenn dies nicht ſei, und er es nicht lernen wolle, ſo ſoll ihm gleich andern Frevlern der Genuß des Abendmahls ver— weigert werden. Von dem Ceremoniell des Abendmahls wird als Menſchenſatzung ausgeſchloſſen: das Meßopfer, die Anrufung der Heiligen, unchriſtliche Geſaͤnge, Gebete und Handlungen, durch welche man ſich wider allerlei Krankheiten, Armuth, Gefahr des Leibes und Gutes, wider das erdichtete Fegefeuer auf zauberiſche Weiſe habe ſchuͤtzen wollen. Die Austheilung des Abendmahls in eis ner Geſtalt und die Privatmeſſe werden verboten. Dagegen ſoll in Staͤdten, wenn ſich Communikanten dazu einfinden, das Abendmahl taͤglich, in Flecken und Doͤrfern ſonntaͤglich ausgetheilt werden. Lateiniſche und deutſche Geſaͤnge ſind dabei zu ſingen erlaubt, doch ſollen in gemeinen Pfarren und Doͤrfern die deutſchen vorgezogen werden. Für das Hausabendmahl war feſtgeſetzt, daß das Sakrament, wel ches zu dem Kranken gebracht werde, in der oͤffentlichen Feier des Abendmahls conſecrirt ſein, und dem Geiſtlichen, der es in einem weißen Chorrock gekleidet trage, der Kuͤſter mit einem Lichte und einer Klingel vorangehen ſollte. Wäre ſolche Conſecration nicht ge ſchehen und die Noth des Kranken groß, ſo ſolle es in der Kirche auf ein mit der Glocke zu gebendes Zeichen geſchehen: in Flecken und Dörfern ſei dies auch im Haufe des Kranken zu thun erlaubt. Im erſten Entwurf dieſer Kirchenordnung, welcher durch eigne Abgeordnete Luthern zur Begutachtung zugeſchickt worden war, hatte eine foͤrmliche Proceſſion mit dem Sacrament und auch die letzte Oelung einen Platz gefunden. Luther bemerkte aber in ſei— nem Schreiben an den Kurfuͤrſten, daß ihn der Punkt mit der Proceſſion, der Oelung und dem Sacrament Wiceliſch‘) anrieche
*) Georg Wikelius aus Heſſen war früh ein Anhänger der Reformation und als ſolcher Pfarrer zu Niemegk; er tadelte zwar die Mißbräuche