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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
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abtreten zu koͤnnen, dafern nicht etwa eine allgemeine Kirchen: verſammlung etwas anderes entſcheiden moͤchte, ſo ſetzten die Ab geordneten einen Thorwaͤchter ein, den ſie gleich dem bisherigen Kloſterpfoͤrtner eidlich verpflichteten, bis auf weitere kurfuͤrſtliche Verfügung den Prior, den Schaffner und die übrigen Mönche nicht aus dem Kloſter, und niemand in daſſelbe zu laſſen. Den Thorwaͤrtern zur Unterſtuͤtzung wurden etliche Reiter in das Klo ſter gelegt, welche hiernaͤchſt uͤber zwanzig Wochen darin verblie ben. Nach einiger Zeit kamen wieder kurfuͤrſtliche Abgeordnete in das Kloſter, der Marſchall ritt mit funfzehn reiſigen Pferden in die Kloſterdoͤrfer und ließ die Unterthanen zuvoͤrderſt dem Kur fuͤrſten, und hiernaͤchſt dem Erbvogte der Univerſitaͤt huldigen und ſchwoͤren. Als auch die Beamten und Diener des Kloſters in Eid und Pflicht genommen waren, wurde alles was man in Kuͤche, Keller und den uͤbrigen Theilen des Kloſters fand, ver zeichnet und in ſichern Beſchluß genommen.) Der Prior aber wurde unter Bedeckung nach Berlin gebracht, wo der Kurfuͤrſt ſich ſelbſt bemuͤhte, ihn mit ſeinen Unterthanspflichten bekannt zu machen. Der Verſuch war jedoch vergeblich und daher ließ der Kurfuͤrſt den Prior in ſein Kloſter zuruͤckfuͤhren, das noch immer verſchloſſen war und bewacht wurde. Der Prior ent wiſchte aber, obwohl er dem Kurfuͤrſten bei ſeiner Seelen Selig keit geſchworen hatte, ſein Kloſter nicht zu verlaſſen und nichts von deſſen Guͤtern entwenden zu wollen. Es kamen Anzeigen, daß er mit einem ſchwerbelaſteten Fuhrwerke durch die Priegnitz, und uͤber Lüneburg nach Speier gereiſt wäre. Auch hatte er, wie dem Kurfuͤrſten hinterbracht wurde, den Kaiſer ſchriftlich gebeten, ſeinem Kloſter gegen den Kurfuͤrſten Schutz angedeihen zu laſſen, und ihn zu dem Ende fuͤr einen unmittelbaren Reichs ſtand zu erklaͤren. Nachdem der Kurfuͤrſt eine Vorladung des Reichs⸗Kammergerichts vom 20. Auguſt 1538 erhalten hatte, um ſich wegen Verletzung des Landfriedens, der er von dem Prior

) Baares Geld wurde jedoch nicht gefunden, und als der Prior ſpäter bei ſeiner Vernehmuug in Spandow auch hierüber befragt wurde, verſicherte er, daß das Geld ſich noch im Kloſter befinde, aber die Anzeige des Orts, wo es verborgen läge, war von ihm nicht zu erlangen.