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Die Anschauungen Friedrichs des Grossen vom Festungskriege vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges : Zum Friedrichstage ; nach Vorarbeiten der kriegsgeschichtlichen Abtheilung II und Akten des Kriegs-Archivs / bearb. von [Max] v. Duvernoy
Entstehung
Seite
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Werkes über Angriff und Vertheidigung der Feſtungen zu veranftalten, kauft er davon 200 Exemplare und ließ ſie in der Armee für den Dienſtgebrauc der Offiziere vertheilen.

Die Feſtungsbauten.

Als König Friedrich nach der Beſitznahme von Schleſien ſich in dieſer Provinz dem Um- und Neubau der Feſtungen zuwandte, ging er ſehr bal ſeine eigenen Wege. Einige Schriftſteller erhoben den Vorwurf, er habe über haupt nicht die nothwendigen Begriffe vom Ingenieurweſen gehabt. Es ha den Anſchein, als ob Graf Mirabeau dies zuerſt ausgeſprochen habe un Andere es ihm nachgeredet hätten. Nun war Mirabeau unſtreitig ein ſcharfe Beobachter, aber er hat den König nachweisbar nur zweimal geſprochen, nämlich am 25. Januar und am 17. April 1786. Sein Urtheil in dieſer Richtun kann alſo unmöglich aus eigener Wahrnehmung ſtammen, es iſt vielmehr auf den bekanntermaßen zu jener Zeit in vollſter Blüthe ſtehenden Klatſch der frondirenden Prinzenpartei und anderer Unzufriedener in der Armee zurück zuführen, die in ihrer Nörgelſucht ſich bemühten, den König zu verkleinern Da wird z. B. behauptet, die höhere Mathematik ſei ihm fremd geweſen, un er habe nicht einmal die Stärke eines Gewölbebogens, einer Futtermauer oder einer Brückenkonſtruktion berechnen, ebenſowenig eine Schleuſenkonſtruktion be ſtimmen können. Es mag richtig ſein, daß er derartige techniſche Einzelheiten nicht beherrſcht hat. Aber man kann ſicherlich ein genialer Feſtungsbaukünſtler ſein, ohne ſolche Handwerkskunſtgriffe, wie die Berechnung eines Gewölbe bogens zu verſtehen. Ganz abgeſehen davon ſteht es jedoch feſt, daß König Friedrich gerade auf dem Gebiete des Feſtungsbaues Bahn brechendes geſchaffen hat. Er ging aber auch hier von viel großartigeren Gedanken und Geſichtspunkten aus, als die anderen Heerführer ſeiner Zeit und wurde darum auch auf dieſem Gebiete, wie in ſeinen geſammten Anſchauungen über die Kriegführung, von den Meiſten nicht begriffen. Eben weil er entgegen den herrſchenden Anſichten, die Entſcheidung des Krieges in der Vernichtung der feindlichen Feldarmee ſah und vom Feſtungskriege nur eine Unterſtützung dieſes Endzweckes erwartete, hat ſeine Thätigkeit als Feſtungsbaumeiſter vielfach nicht die Be achtung gefunden, die ſie verdiente.

In der erſten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren bekanntlich Vaubans Grundſätze im Feſtungsbauweſen allein maßgebend, die er in ſeinendrei Manieren zur Anſchauung gebracht hatte. Vauban ſelbſt hat, wie ſeine vielfach abgeänderten Vorſchläge im Feſtungsbau ſowohl wie im Angriffs und Vertheidigungs⸗Verfahren deutlich beweiſen, fortgeſetzt nach weiterer Ver­vollkommnung geſtrebt. Seine Schüler und Nachfolger haben aber zum größten Theil ſeine Schule nicht als eine Kunſt übernommen, die nach den ſich ändernden Verhältniſſen weiter entwicklungsfähig war, ſondern als