Druckschrift 
Die Anschauungen Friedrichs des Grossen vom Festungskriege vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges : Zum Friedrichstage ; nach Vorarbeiten der kriegsgeschichtlichen Abtheilung II und Akten des Kriegs-Archivs / bearb. von [Max] v. Duvernoy
Entstehung
Seite
68
Einzelbild herunterladen

wehre gebrauchen könne; dieserhalb der Abfall des Parapets darnach ein­zurichten ist.

6. Keine Linie muß von irgend einer Höhe enfilirt, noch minder im Rücken eingesehen werden; wo es nicht zu evitiren ist, müssen gehörig Travers und Bonnets angebracht, oder die Brustwehren en crémaillère gemachet

werden.

7. Alle detachirten Werke müssen eine sichere und gedeckte Com­munication erhalten.

8. Durch die Anlage einiger vorgelegten Flèchen muß jeder Commandant suchen, die Belagerung zu verlängern, denn der Feind muß alsdann die ersten Tranchées weiter ab eröffnen und sich vor deren Enfilade hüten.

9. Lieget die Festung an einem Strohme, so muß darauf gedacht werden, eine sichere Communication über denselben zu haben, folglich vor der Brücke eine solide tête de pont."

Dem Sinne nach ganz denselben Inhalt haben die Aphorismen des Königs über Befestigungs-, Lager- und Gefechtskunst",*) die zweifellos aus derselben Zeit stammen.

Der Festungsangriff.

Im Februar 1752 ließ König Friedrich durch den Oberstleutnant v. Balby vom Ingenieurforps zum Unterricht der Infanterie- Offiziere eine Instruktion anfertigen, die den Titel führt: Abhandlung, wie eine Festung ordentlich anzugreifen und zu belagern sei, welche in gutem Vertheidigungs­Stande ist und nebst einer hinlänglichen Besatzung, auch einen geschickten und erfahrenen Kommandanten hat."**) Dieser Arbeit ist der Phantasieplan einer Festung zu Grunde gelegt, die aus einem Hauptwall von 7 Bastionen mit Drillons und doppelten Flanken, einem nassen Graben und Ravelins ,,, alles guth gemauert", und einem pallisadirten gedeckten Weg besteht. Sie hat eine gewisse Aehnlichkeit mit Glogau oder Kosel und liegt auf dem einen Ufer eines Flusses, über den zwei Brücken führen. Auf dem jenseitigen Ufer be­findet sich ein Brückenkopf. Die Besatzung wird auf 12 Bataillone und 4 Eskadrons angenommen. Die förmliche Belagerung wird in dieser Arbeit Abschnitt für Abschnitt behandelt, die Maßnahmen des Angreifers wie des Vertheidigers mit allen Einzelheiten beschrieben und begründet, so daß jeder Offizier, auch ohne Vorkenntnisse, dadurch einen vollständigen und klaren Einblick in den Festungsfrieg gewinnen konnte. In Nachstehendem soll vers sucht werden, an der Hand der Weisungen des Königs in seinen vor dem Siebenjährigen Kriege entstandenen Schriften und der in der Balbyschen Ab­

*) Oeuvres, XXX, 227.

**) In der Königl. Bibliothek zu Berlin , ms. boruss. Fol. 733 und im Kriegs­archiv des Großen Generalstabes vorhanden.